HOWARD, Philipp, Heiliger, Graf von Arundel; katholischer Märtyrer; * 28. Juni 1557 im Arundel Haus, London; † 19. Oktober 1595 im Tower von London. Philipp Howard war der Enkel des "Dichtergrafen" Henry von Surrey, welcher 1547 von Heinrich VIII. hingerichtet wurde, und Sohn von Thomas, dem 4. Herzog von Norfolk, und dessen erster Frau Lady Mary Fitzalan, Erbin des Grafentitels von Arundel. Bereits drei Tage nach seiner Geburt wurde Philipp von Nicholas Heath, dem letzten katholischen Erzbischof von York und damaligen Lordkanzler in der königlichen Kapelle des Palastes von Whitehall getauft. Der Junge wurde nach seinem königlichen Taufpaten benannt: König Philipp II.. Auch dessen Frau, Königin Maria I. und ihr Hofstaat nahmen an der Zeremonie teil. Nicht lange nach der Taufe kehrte der von seiner Ehe enttäuschte Philipp nach Spanien zurück. Er sollte sein Patenkind nie mehr wieder sehen. Im folgenden Jahr stirbt Philipps Frau, Königin Maria I. ohne einen Erben zu hinterlassen und so stirbt mit ihr auch die katholische Erneuerung in England. Philipp Howards Vater, Thomas, zeigte sich nach 1559 konform mit der neuen Staatskirche Elisabeths I. und nach dem raschen Tod seiner streng katholischen ersten Frau ließ er seinen Sohn von seinem protestantischen Kaplan William Hughes (dem späteren Bischof von St. Asaph) und zeitweilig auch von John Foxe, dem berühmten protestantischen Martyrologen (Verfasser von "Acts and Monuments") erziehen. - Thomas Howard heiratete nach dem Tod von Philipps Mutter zunächst Margaret Audley, die ihm eine reiche Mitgift einbrachte und ihm zwei weitere Söhne und eine Tochter schenkte. Nach deren Tod verheiratete er sich noch ein weiteres Mal. Seine dritte Frau, Elisabeth, Witwe von Lord Dacre of Gillesland, mehrte Howards Reichtum und brachte drei Töchter mit in die Ehe ein, welche Thomas kurzerhand mit den drei Söhnen aus seinen beiden früheren Ehen verheiratete. Thomas Howard war damals auf der Höhe seiner Macht und seines politischen Einflusses angekommen. 1569 beginnt mit der Erhebung der Nördlichen Grafen sein politischer Niedergang. Die nördlichen Grafen wollten Königin Elisabeth stürzen und durch die katholische Maria Stuart ersetzen. Thomas Howard konnte Elisabeth nur mit Mühe davon überzeugen, daß er am Umsturzversuch nicht beteiligt gewesen sei, erhielt aber schließlich doch deren königliches Pardon. 1571 stürzt er aber doch über seinen politischen Ehrgeiz und seine noch immer engen Verbindungen zu Maria Stuart, als deren zukünftiger Ehemann er sich gern gesehen hätte. Königin Elisabeth sah in Howards Machenschaften und seiner Verbindung zu neuerlichen Intrigen um die Person Maria Stuarts zurecht den Versuch, ihr den Thron zu rauben. So wird Thomas Howard 1572 trotz erneuter Beteuerung seiner Unschuld und seiner protestantischen Überzeugung hingerichtet. - Für Philipp Howard begann damit ein neuer Abschnitt in seinem Leben, ohne den Rückhalt des starken Vaters. Doch Thomas Howard hatte vorgesorgt. Er ernannte niemand geringeren als William Cecil, Lord Burleigh zum Guardian seines Sohnes. Burleigh schickte Philipp noch 1572 nach Cambridge, um für seine universitäre Ausbildung zu sorgen. 1576 wird Philipp schließlich von Lord Burleigh am königlichen Hof eingeführt. Er führt aber als Höfling ein selbstgefälliges, zügelloses Leben und mußte wegen verschiedener Schulden sogar Liegenschaften verkaufen - alles zum Leidwesen seines Großvaters, des Grafen von Arundel, dessen Erbe er bald antreten sollte. Philipps Frau Anne lebte dort in Arundel, da er für sie am Hof kein Platz hatte. Es schmerzte den alten Grafen sehr, wie sein Enkel mit der jungen Anne umging. Diese war eine äußerst bemerkenswerte Frau, loyal, couragiert und überaus großherzig. Sie liebte ihren Mann und versuchte diesen mit wachsendem Erfolg für sich zu gewinnen. - 1580 stirbt der alte Graf von Arundel und am 24. Februar 1580 erbt Philipp jure matris dessen Grafentitel (das Earldom of Arundel). Die mit dem neuen Titel verbundene Verantwortung und Sorge führten allmählich zu einem Sinneswandel bei Philipp. Er war zwar noch regelmäßig am Hof, wurde 1581 auch in der Gunst der Königin bestätigt, doch fiel er dort nun nicht mehr durch Ausschweifungen und andere Unannehmlichkeiten auf. Gegen Ende des Jahres förderte ein besonders Ereignis seine religiöse Wandlung. Philipp war bei einer religiösen Disputation im Tower zwischen dem zum Tod verurteilten Jesuiten Edmund Campion und den beiden anglikanischen Theologen Dr. Alexander Nowell und Dr. William Day anwesend. Es gab am Hofe eine große Anteilnahme am Schicksal Campions. Die Verhaftung des berühmten Jesuiten hatte in Oxford zu Aufruhr geführt, wo kurz zuvor Campions Werk "Decem Rationes" geheim gedruckt in der dortigen Universitätskirche aufgetaucht war. Philipp hat dieses Werk gelesen und war von dessen Autor fasziniert. Mag sein, daß dies der erste Schritt auf dem Weg zurück zu der Kirche war, deren Mitglied er 1557 durch die Taufe geworden war. Die Königin stimmte der Disputation und einer kleinen Zuhörerschaft zu, weil sie glaubte, daß der seiner Bücher beraubte und durch die Folter geschwächte Campion eine schlechte Figur machen würde. Doch weit gefehlt - das profunde, aufrichtige Auftreten Campions und sein Ausspruch, daß er ein Mann sei, der der Welt gestorben ist, brachten Philipp zum Nachdenken über das, was er eigentlich war: ein Mensch, der darauf aus war, der Welt zu gefallen. - Philipps Frau hatte sich nach dem Tod des alten Grafen Arundel ebenfalls mehr der Religion zugewandt und war 1583 zur katholischen Kirche zurückgekehrt. Nach ihrer Konversion wurde sie eine große Förderin verschiedener katholischer "Untergrundpriester" - wie etwa von Robert Southwell. Sie gründete in späteren Jahren auch das Noviziat der englischen Jesuiten im flandrischen Gent. Philipp verbrachte nun mehr und mehr Zeit mit ihr, was der Königin nicht verborgen blieb, hatte sie doch ihre Höflinge genau im Blick. Elisabeth entging der veränderte Lebenswandel Philipps nicht, ebenso wenig, daß seine Frau Anne katholisch geworden war. Als Anne zum Zeichen des intensivierten Ehelebens ein Kind erwartete, handelte die Königin. Sie ließ Anne aufgrund der Anklage auf "Recusancy" [Rekusanten wurden jene Katholiken genannt, welche sich weigerten zuminidest formell am anglikanischen Gottesdienst teilzunehmen. Sie wurden regelmäßig in Listen erfaßt und mit Sondersteuern oder auch mit Haft, Konfiszierung von Besitz und Gut, Verlust von Ämtern u.a. mehr bestraft] unter Hausarrest bei Sir Thomas Shirley stellen. Dort gebar Anne ihr erstes Kind, eine Tochter, welche von Philipp (um die Königin zu besänftigen) auf den Namen Elisabeth protestantisch getauft wurde. Trotz dieses Loyalitätsaktes trat Philipp kurze Zeit später selbst zur katholischen Kirche über. Der Jesuit William Weston vollzog im Herbst 1584 die Rekonziliation des Grafen, welche zunächst geheim gehalten wurde. Es war aber nur eine Frage der Zeit, bis Philipps Schritt offenbar würde, zumal sein veränderter Lebenswandel eh schon aufgefallen war und er mehr und mehr den Gottesdiensten der Staatskirche fernblieb. Lord Burleigh, Elisabeths oberster Berater, der nicht dulden wollte, daß ein exponierter Aristokrat des Landes durch die Praktizierung des katholischen Glaubens den religiösen Status quo in Frage stellt, suchte fortan nach einer Möglichkeit Philipp zu Fall zu bringen. - Die Möglichkeit bot sich, als ein Brief Philipps abgefangen wurde, in dem er Kardinal William Allen in Rom um Rat anging, wie er denn der katholischen Sache in England am besten dienen könne. Die Regierung schickte daraufhin ein gefälschtes Antwortschreiben Allens an Philipp, in dem ihm zur Flucht auf den Kontinent geraten wurde. Nach langem inneren Ringen entschloß sich Philipp die Flucht zu wagen, um in Freiheit seinen Glauben offen leben zu können. Einmal zur Flucht entschlossen, schrieb er der Königin einen langen Brief, um ihr die Beweggründe für sein Handeln darzustellen. Dann verabschiedete er sich schweren Herzens von seiner Frau Anne, die inzwischen ihr zweites Kind erwartete, und ging am Abend des 23.4. 1585 hoffnungsvoll an Bord eines gecharterten Schiffes, dessen Kapitän allerdings von der Regierung gekauft worden war. Philipp wurde in Haft genommen und am 25.4. 1585 in den Tower von London überstellt. Drei Anklagepunkte wurden gegen ihn erhoben: Die Rekonziliation mit Rom, die versuchte Entfernung aus dem Königreich ohne die Erlaubnis der Königin und die Korrespondenz mit einem erklärten Feind des Staates zum Zwecke politischer Komplotte. Philipp wurde zu einer Strafe von £ 10.000 verurteilt und gefangengesetzt. Die ersten beiden Jahre war er in strenger Einzelhaft. So hoffte die Königin seinen Willen zu brechen und ihn zur protestantischen Kirche zurückzubringen. Philipp blieb indessen standhaft. Er entwickelte ein intensives Gebetsleben, in dem er durch geistliche Schriften gestärkt wurde, welche ihm die Jesuiten Robert Southwell und Henry Garnet über die verschiedendsten Mittelsmänner zukommen ließen (Southwell und Garnett waren oft bei Philipps Frau zu Gast, die sie versteckte und finanziell unterstützte). Kopien dieser Schriften und Trostbriefe wurden gesammelt und kursierten später unter dem Titel "Epistle of Comfort" in katholischen Kreisen. Nach der Hinrichtung Maria Stuarts 1587 wurden Philipps Haftbedingungen vorübergehend erleichtert und er konnte sogar zusammen mit anderen Gefangenen die Messe feiern, welche im Tower inhaftierte Priester zelebrierten. Messgewänder und liturgische Geräte wurden von der Tochter des leitenden Offiziers der Wache ein- und ausgeschmuggelt. Als die spanische Armada auf dem Weg zu Englands Küste war, drangen davon auch Gerüchte in den Tower. Philipp und die gefangenen Priester feierten darum eine Messe im Anliegen um ein gutes Ende für die englischen Katholiken. Dieses unglücklich formulierte Anliegen wurde nach draußen getragen und sogleich von den staatlichen Stellen als Gebet um den Sieg der spanischen Invasion gedeutet. Am 14. April 1589 wird Philipp wegen dieses Vergehens vor Gericht gestellt. Falsche Zeugenaussagen und Briefe wurden präsentiert und das Urteil lautete schließlich auf schuldig. So kehrte Philipp in den Tower zurück. Die Haft und das erzwungene Leben als "Einsiedler" machten ihm nichts aus, allein die Trennung von seiner Frau und seinen beiden Kindern und die Ungewißheit, wie es um sie stand, belasteten ihn. Er rechnete täglich mit seiner Hinrichtung und verbrachte viele Stunden des Tages im Gebet. Wenn er nicht betete, übersetzte der geistliche Schriften ins Englische, so ein lateinisches Werk des Karthäusermönches Johann Lansperger "The Epistle of Jesus Christ to the Faithful Soul". Er hat auch einige kleine Traktate verfaßt, doch nur eines ist in Auszügen erhalten: "Fourfold Meditations of the Four Last Things", das er dem ebenfalls im Tower inhaftierten Jesuiten Robert Southwell gewidmet hat. Auch sind uns bis heute vierzehn vierzeilige Verse eines Gedichtes mit dem Titel "Verses on Christ Crucified" erhalten. Daneben konnte er Werke des spanischen Dichters Louis de Granada und verschiedene patristische Schriften wie die Kirchengeschichte des Eusebius als Lektüre bekommen. Als sich seine Gesundheit im Laufe des Jahres 1595 zusehends verschlechterte (man nimmt eine langsames Vergiften an), machte er noch einmal die Eingabe an die Königin, seine Frau Anne und seine beiden Kinder sehen zu dürfen. Elisabeth ließ ihm die Antwort zukommen, daß er nicht nur seine Familie wiedersehen könne, sondern auch in all seine ererbten Ämter und Titel zurückkehren könne, wenn er nur dem katholischen Glauben abschwört und in die Staatskirche eintritt. Seine Rückantwort an die Königin ist wohlbekannt: "On such condition I cannot accept her majesty´s offers, and, if that be the cause in which I am to perish, sorry am I that I have but one life to lose." So starb er ohne ein letztes Wiedersehen mit seiner Familie am 19. Oktober 1595 im Alter von nur 38 Jahren und wurde in der Kapelle des Tower im Grab seines Vaters beigesetzt. Seine Frau Anne überlebte Philipp um fünfundreißig Jahre. 1624 erreichten sie und ihr Sohn Thomas bei König Jakob I., daß die Übereste Philipps vom Tower in die Familiengruft der Fitzalan Kapelle in Arundel überführt werden konnten. Pius XI. hat Philipp Howard 1929 seliggesprochen. Durch Papst Paul VI. erfolgte dann 1970 die Heiligsprechung. Im Jahr der Heiligsprechung wurden die Gebeine Philipp Howards in die katholische Kathedrale von Arundel überführt, wo sie in einem Altar des Querschiffes ruhen.
Werke: "Epistle of Christ to the Faithful Soul translated from Lanspergius" (Johann Justus of Lansberg), Antwerpen 1595; St-Omer, 1610; London, 1867; "Fourfold Meditations of Four Last Things", London, 1895; "Verses on Christ Crucified" ("Verses on the Passion"), Catholic Record Society, VI (1904), 29.
Lit.: Richard Challoner, "Memoirs of Missionary Priests and other Catholics of Both Sexes That Have Suffered Death in England on Religious Accounts" hrsg. von Thomas C. Jack Edinburgh 1878; - Henry Granville Fitzalan-Howard, 14. Herzog von Norfolk (Hrsg.) "The Lives of Philip Howard and Annes Dacres, His Wife", London 1857; 21868; - John H. Pollen S.J. und William MacMahon S.J. (Hrsg.) "The Venerable Philip Howard, Earl of Arundel", Catholic Record Society, XXI (1919); - Philip Caraman S.J. (Hrsg.) "The other Face", Longman 1960; - Margaret Waugh, "Blessed Philip Howard, Courtier and Martyr", Office of the Vice-Postulation, London 1961; - Adrian Morey, "The Catholic Subjects of Elizabeth I, London 1978; - Philip Caraman S.J., "St. Philip Howard, Catholic Truth Society, London 1985; - John Martin Robinson, "The Dukes of Norfolk", Oxford 1983; Chichester 21995; - James Walsh S.J., "Forty Martyrs of England and Wales", Catholic Truth Society, London 1997.