IRMENGARD, * in den Jahren zwischen 831 und 833 als Tochter Kaiser
Ludwigs des Deutschen, † 16.7. 866. - Ihre Erziehung genoß sie
im Benediktinerkloster Buchau am Federsee in Württemberg. Sie nahm
dort den Schleier und blieb einige Jahre im Kloster Buchau. Die lange
vertretene Ansicht, sie sei Äbtissin dieses Klosters gewesen, trifft
jedoch nicht zu. 857 übernahm sie das um 770 von Tassilo III. gegründete
Kloster Frauenwörth im Chiemsee. Die neue Äbtissin fand das Kloster
in einem verwahrlosten und halb verfallenen Zustand, und es gelang
ihr, es in kurzer Zeit wieder aufzubauen. I. gilt daher als zweite
Stifterin des Klosters. Ihr Verdienst liegt darüber hinaus in der
Pflege und Förderung der sakralen Kunst, was besonders im Ausbau des
Klosters Frauenwörth seinen Niederschlag fand. - Der Irmengardstag
wird am 17.7. gefeiert. Ihr Symbol ist das Herz in der Hand. Pius
XI. erkannte am 19.12. 1928 den Kult der seligen I. an, am 17.7. 1929
wurde sie seliggesprochen.
Lit.: Das Geschichtsbuch des Peter Frank, Frauenchiemsee
1473 (Hauptstaatsarchiv München); - E. Geiß, Gesch. des Benedictiner-Nonnenklosters
Frauenchiemsee, in: Beyträge zur Gesch., Topographie und Statistik
des Erzbisthums München und Freysing I, München 1850; - J. Doll,
Frauenwörth im Chiemsee, eine Studie zur Gesch. des Benediktinerordens,
München/Freiburg 1912; - J. Schlecht, Die sel. I. vom Chiemsee,
HPBL (1921), 125 f., 212 ff.; - Walburga Baumann, Die sel. I.
v. Chiemsee, München 1922 (enthält S. 140 ff. »Das Kränzlein der sel.
I.« als Faksimile des handgeschr. Gebetsbuches von 1711). Die sel.
I. v. Chiemsee, hrsg. v. den Benediktinerinnen der Abtei Frauenwörth,
München o. J. (1929); - H. Decker-Hauff, Die Ottonen und Schwaben,
in: Zschr. f. württembergische Landesgesch. XIV (1955), 366; -
V. Milojcíc, Bericht über die Ausgrabungen u. Bauuntersuchungen in
der Abtei Frauenwörth auf der Fraueninsel im Chiemsee 1961-1964, in:
AAM N. F. LXV A-C (1966); - Irmengard Schuster, Die sel. I. vom
Chiemsee, München 1966; - Hermann Tüchle, Lebensraum u. Lebenskreis
der sel. I., Bad Buchau o. J. (1966); - Peter v. Bomhard, Die
sel. I. vom Chiemsee, in: Bavaria Sancta. Zeugen christl. Glaubens
in Bayern III, Regensburg 1973; - F. Graus, Sozialgeschichtl.
Aspekte der Hagiographie d. Merowinger- u. Karolingerzeit. Die Viten
d. Hll. der südalemannischen Raumes und der sog. Adelshll., in: Vorträge
u. Forschungen XX, Sigmaringen 1974; - H. Dannheimer, Torhalle
auf Frauenchiemsee. Zeugnisse z. Frühgesch. d. Klosters Frauenwörth,
München/Zürich 1981
2; - Hans Pörnacher, Sankt I., Weißenborn
1981; - P. Stockmeyer, Die sel. I. von Frauenchiemsee und dem
Christentum zw. Inn und Salzach, in: Beiträge z. altbayerischen KG
XXXV (1984); - Bauerreiß I
2, 136; - BS VII, 904 f.;
- LThK V, 758; - ZimmermannII, 460.
Franz Seiffer
Literaturergänzung:
1986
Karl Böck, Menschen und Heilige. 2. Aufl. Donauwörth 1986, S. 149-153.
Letzte Änderung: 09.04.2011