IRMGARD von Köln (Irmingarda, Irmingardis, Erm(in)gardis; auch:
Irmtraud, Irmentruth, Yrmenthrudis, Erminthrudis) (auch: I. von Aspel,
I. von Süchteln), Äbtissin, Heilige. - I.s Lebensdaten sind nicht
gesichert; sie wird um das Jahr 1000 als Tochter des wohlhabenden
Godizo von Aspel und Heimbach (+ ca. 1011) geboren worden sein; die
Mutter ist namentlich nicht bekannt. Von 1013 an ist I. urkundlich
als regierende Gräfin von Aspel bezeugt. Da aber Aspel mit den Kirchspielen
Rees und Haldern sowie den linksrheinischen Gebieten Niedermörmter
und Hönnepel Allod (Herrschaft) und nicht Grafschaft, I. aber als
Gräfin beurkundet ist, muß I. die Gattin des Grafen Kadalo, eine Bruders
von Erzbischof Pilgrim von Köln (1021-1036) gewesen sein. Im 4. Grad
mit Heinrich III. (1039-1056) verwandt, wird sie 1041 mit den Orten
Herve, Vaels, Epen und Valkenberg (Provinz Limburg) belehnt. Nach
angeblich drei Pilgerreisen nach Rom verbringt I. ihre letzten
Jahre in Köln und stirbt an einem 5.2. in dem letzten Viertel des
11. Jahrhunderts. (Oediger; 19.2. vor 1065 [Torsy]; um 1080 [Künstle]).
Sie wird im Kölner Dom beigesetzt: 1319 werden I.s Gebeine in den
neuen Chor (Agneskapelle) überführt. Gedenktag 4.9., Erhebung der
Gebeine 10.11. - Viel Legendäres rankt sich um I.s Person. Da
I. eine große Wohltäterin der Kirche war, wurde öfter versucht, zwischen
der Gräfin I. und I., Jungfrau und Einsiedlerin von Süchteln zu unterscheiden,
zum Teil durch Konstruktion verwandtschaftlicher Verhältnisse zwecks
einer stärkeren hagiographischen Konturierung von I.s Biographie,
doch dürften diese spirituellen Präjudizien historisch kaum haltbar
sein. - Nach 1040 (unter Anno [1056-1067]?) übertrug I. das Stift
Rees der Kölner Kirche (im Gegenzug privilegierte 1142 Erzbischof
Arnold von Köln die Reeser Kaufleute), wahrscheinlich zur selben Zeit
gehen die Burg Boch-Aspel und der Süchteler Forst in Kirchenbesitz
über; auch Schenkungen an St. Pantaleon werden mit I. in Verbindung
gebracht. Die Ikonographie versieht I. die Pilgerin vor dem Kreuz
mit Stab und blutigem Handschuh als Attributen und reflektiert somit
die Schenkung von Märtyrererde vom Grab der heiligen Ursula an den
Papst; als Gegengabe soll I. das Haupt des heiligen Silvester erhalten
haben. Der historische Gehalt dieser Überlieferung dürfte eher mager
sein, da die Silvesterreliquie Rom nie verließ. Unsicher ist auch
die Rückführung eines Hospitals an der Hachtpforte (Domplatz) zu Köln
auf I.
Lit.: As Septemb. II, Antwerpen 1748, 290 ff.; - J.
J. Sluyter, Gräfin I. von Aspel, Sonntagsbeil. zur Rhein-Westfäl.
Volkszeitung 1891 Nr. 47 und Niederrhein. Gesch.freund, Kempen 1880,
Nrn. 12 ff.; - P. Norrenberg, Die hl. I. von Süchteln, Bonn 1894;
- J. Kleinermanns, Die hl. I. von Aspel und ihre Beziehungen zu
Rees, Süchteln/Köln 1900; - J. Hundhausen/H. Neu, Frauengräber
im Kölner Dom, Krefeld 1948, 4-8; - F. W. Oediger, Die ältesten
Urkunden des Stiftes Rees und die Gräfin I., in: AHVNRh 148, 5-31;
- R. Pfleiderer, Die Attribute der Heiligen, Ulm 1898, 16. 128;
- Künstle II, 354 ff.; - Doyé I, 624; - H. Hümmeler, Helden
und Heilige (Juli-Dezember), Bonn 1934, 114; - A. Schütte, Handb.
der dt. Heiligen, Köln 1941, 181; - Torsy, 284; - O. Wimmer/H.
Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen, Innsbruck/Wien/München 1982,
399; - LThK V, 758; - LCI VII, 6 f.
Klaus-Gunther Wesseling
Letzte Änderung: 09.04.2011