IRMINA (Irma, Ermina, Hermine, Ymena) von Trier, OSB, Äbtissin,
† 24.12. vor 710. - Der Legende zufolge soll I. Tochter König
Dagoberts I. sein, die ihren Verlobten am Tage vor der Hochzeit verliert
und daraufhin den Schleier nimmt. Faktisch läßt sich rekonstruieren,
daß I. dem fränkischen Adelsgeschlecht der Theodarden entstammt. Ob
ihr Vater zugleich der Fürst Theotar war, läßt sich nicht mit Sicherheit
ausmachen; verheiratet war sie vermutlich mit dem Seneschall Hugbertus.
Dieser Ehe entstammen die heilige Adela (Adula) von Pfalzel (Kreis
Trier), Crodelindis, Regentrudis, heilige Plektrudia von Köln (Gattin
Pippias II.) und Hugbertus von Lüttich. Nach dem Tod ihres Gatten
leitet I. als 2. Äbtissin das von Bischof Modoald gegründete Kloster
zur Oeren in Trier, das später nach ihr benannt wird. Durch Schenkung
ihres Anteils an der Villa Echternach (697/698) schafft sie neben
Willibrod die Voraussetzungen für die Gründung der ersten angelsächsischen
Missionszentrale auf dem Kontinent. I.s Leib ist im Kloster Weißenburg,
einer Stiftung ihrer Familie, beigesetzt, ihr Haupt in Sponheim. I.s
ikonographische Attribute sind Buch, Kirche oder Äbtissinenstab, seltener
ist eine Krone zu ihren Füßen. - Gedenktag 24.(30.)12.
Lit.: C. Wampach, Gesch. der Grundherrschaft Echternach
im Früh-MA, Luxemburg 1929-1931, bes. I/1, 113-135 (Lit.!); -
Doyé I, 624; II, 685;- A. Schütte, Handbuch der dt. Heiligen,
Köln 1941, 182; - O. Wimmer/H. Melzer, Lexikon der Namen und Heiligen,
Innsbruck/Wien/München 1982, 400; - LThK V, 758 f.; - LCIVII,
7 f.
Klaus-Gunther Wesseling
Literaturergänzung:
"Irmina von Trier": Dictionnaire d'histoire et de géographie ecclésiastiques, Bd. 26, 1995, Sp. 49-51 (François De Vriendt); -
Franz-Josef Heyen, Unters. zur Geschichte d. Benediktinerinnenklosters Pfalzel bei Trier (ca. 700-1016). Göttingen 1966;-
Matthias Werner, Adelsfamilien im Umkreis d. frühen Karolinger. D. Verwandtschaft I.s v.O. u. Adelas von Pfalzel. Sigmaringen 1982;-
Ernst-Georg Raaf, Geschichte u. Verbreitung d. Reliquien d. hl. I. von Oeren. Münster/Westf., Phil.-Theol. Hochschule, Dipl.-Arb. 1986;-
"Irmina von Trier": Dictionnaire d'histoire et de géographie ecclésiastiques, Bd. 26, 1995, Sp. 49-51 (François De Vriendt); -
Heinrich Wagner, Zur Gründung d. Klöster Weißenburg u. Echternach u. ihrem Wirken in Mainfranken, in: AmrhKG 55.2003, S. 103-146; -
Gabriel Tikka, Les origines familiales des abbesses Irmina d'Oeren et Adela de Pfalzel. Essai pour une restitution de leur paternité au roi Dagobert. Tanneron 1999;- Franz-Josef Heyen, D. St. Marien-Stift in (Trier-)Pfalzel. Berlin 2005.