JANDEL, Vinzent Alexandre, 73. Generalmeister des Dominikanerordens,
* 18.7. 1810 in Gerbéville (Lothringen), + 11.12. 1872 in Rom. -
J. wurde 1834 Priester. Ab 1835 war er Suberior am Knabenseminar in
Pont-à-Mousson. Hier fand er Anschluß an P. Lacordaire, den berühmten
Kanzelredner, der in Frankreich den Dominikanerorden wiederherstellte.
1841 trat J. in den Orden ein. Nach seinem Noviziat in La Quercia
(Viterbo) ging er zunächst nach Boscop bei Alessandria (Oberitalien),
wo er die französischen Fratres betreute und als Lektor tätig war.
1843 stand er als Superior dem ersten neugegründeten Konvent der französischen
Provinz in Nancy vor. Danach war er Prior und Lektor in Calais, Prior
in Flavigny sowie Lektor in Paris. J. wurde 1850 von Papst Pius IX.
als Generalvikar des Ordens eingesetzt. Eine große Visitationsreise
führte ihn 1851 durch Frankreich, England, Irland und Holland. Am
17.12. 1855 dann ernannte ihn Pius IX. zum Ordensmeister. Eine weitere
Visitationsreise führte ihn 1856 durch Belgien, Holland, Österreich,
Ungarn, Böhmen, Mähren, Galizien und Deutschland. 1862 wurde J. vom
Generalkapitel in Rom auf 12 Jahre als Ordensmeister gewählt. -
Der Predigerorden der Dominikaner verdankt J. (neben Lacordaire) seine
Reform und Ausbreitung im 19. Jahrhundert. Die Ziele J.s waren -
nach seinem Vorbild Raimud von Capua (+ 1399) -: Einführung der
strengen Observanz (z. B. Nachtchor, Fasten, vita communis), die Gründung
von Ordenskonventen in jeder Provinz sowie die Förderung der Heidenmission.
In diesem Sinne revidierte er Konstitution, Studienordnung und Liturgie,
den 3. Orden sowie die Rosenkranz- und Namen-Jesu-Bruderschaft. Unter
dem Generalat J.s wuchs der Orden an innerer Kraft und äußerer Ausdehnung.
Der Versuch, 1856 in Materborn eine Niederlassung zu gründen, die
Erweiterung der Provincia Bohemia 1857, sowie - im Jahre 1860
- die Gründung der Niederlassung in Düsseldorf und das Fußfassen
des Ordens in Berlin seit 1867 gehen nicht zuletzt auf J.s ständige
Bestrebungen um die Wiederbelebung des Ordens zurück. Die zahlreichen
Schwierigkeiten, auf die er dabei stieß, resultieren u. a. aus der
mangelnden Anpassung der Konstitutionen an die lokalen Verhältnisse
in Deutschland.
Werke: Manuel des Frères et Soers du Tiers Ordre, 1849;
- Zahlr. Briefe in: Lohrum, M., 1971, 229, 230, 232 f., 238.
Lit.: H. M. Cormier, Vie du Révérendissime Père Alexandre
J., 1890, 5 ff.; - R. Devas, The Dominican Revival in the Nineteenth
Century, 1913, 4 ff.; - A. Duval, Les premiers entretiens du Père
Lacordaire et de l'abbé J. sur la restauration dominicaine en France
(31. octobre 1839), in: AFP 36, 1966, 493-542; - Meinolf Lohrum,
Die Wiederanfänge des Dominikanerordens in Dtld. nach der Säkularisation
1856-1875, in: Walberger Studien der Albertus-Magnus-Akad., Theol.
Reihe 8, 1971; - Antonin Mortier, Hsitoire des maitres généraux
de l'ordre des Frères Precheurs, Bd. 7, 1914; HdKG, 425, 650 ff.;
- Herders Konversations-Lex., 1905, Bd. 4, 1001; - LThK III,
487; - LThK V, 864; - Theol. Realenzyklopädie IX, 1982, 131,
134.
Karen Allihn-Schrapel
Literaturnachtrag
1989
Luigi G. Esposito, La riforma domenicana in Italia a metà ottocento. Dal progetto di mons. Ghilardi al governo di J., in: AFP 59.1989, S. 213-266.
Letzte Änderung: 09.04.2011