JEFTA (Jeptha, hebräisch Jiftach: er möge öffnen, retten), Richter
in Israel aus der Landschaft Gilead im Ostjordanland. - Als
sein Vater wird Gilead genannt. Die Überlieferungen von J. sind in
Ri. 10,6-12,7 enthalten. - J. stammte aus ungeordneten Verhältnissen.
Seine Mutter war eine Prostituierte (Ri. 11,1; nach Ri. 11,2 zumindest
eine fremde Frau). Als die Söhne der rechtmäßigen Ehefrau seines Vaters
aufgewachsen waren, vertrieben sie ihn aus dem Vaterhaus, um ihn von
seinem Erbe auszuschließen. Die Rechtmäßigkeit dieses Vorganges ist
schwer auszumachen, da im Alten Testament diesbezügliche Regelungen
fehlen. Nach dem sumerischen Lipit - Ishtar - Code (20. Jahrhundert
vor Christus) wäre er erbberechtigt gewesen. Nach seiner Vertreibung
aus dem Vaterhaus zog er in das im nördlichen Ostjordanland gelegene
Land Tob, wo er, ähnlich wie David (1. Sam. 22,2) eine Gruppe von
Freischärlern um sich versammelte und mit ihnen umherzog. - Inzwischen
drohte Krieg von seiten der Ammoniter, die in der Stadt Gilead (heute
hirbet gelcad) lagerten, während sich das israelitische Heer
in Mizpa im Ostjor-danland (el-misrefe) befand (Ri. 10,17 f.). Beide
Heere waren also nur etwa 2 km voneinander getrennt. Da den Israeliten
ein kompetenter Heerführer fehlte, gedachte man J.s und schickte ihm
als Gesandtschaft die Ältesten Gileads. Die boten ihm an, qazin (ungeklärter
Begriff, vermutlich militärische Führungsposition) zu werden. Nach
anfänglichem Zögern wegen des in Gilead erlittenen Unrechtes willigte
J. ein unter der Bedingung, nach einem errungenen Sieg auch die politische
Führung in Gilead zu übernehmen. So zog er schließlich mit den Ältesten
aus Gilead in sein Heimatland zurück, wo ihn das Volk zum politischen
und militärischen Anführer kürte. - Aus Ri. 11,12-28, einem erheblich
später dem J.stoff zugewachsenen Überlieferungsstück, das in V. 15b-26
Teile aus 4. Mose 20-21 aufgenommen hat und eher an Verhandlungen
mit den Moabitern als mit den Ammonitern denken läßt, wird man mit
V. 12-15a. 27 f. zumindest soviel ermitteln können, daß J. versucht
hat, den Konflikt mit den Ammonitern auf politischem Wege zu lösen.
Da dieser Versuch gescheitert ist, mußte es zum Krieg kommen (Ri.
11,29. 32 f.), in den J. als ein vom Geist Gottes Begabter (V. 29)
gezogen ist. - Mit dem Kriegsbericht verwoben ist die schwer deutbare,
dramatisch-tragische Geschichte von J.s Gelübde (Ri. 11,30 f. 34-40).
J. gelobte Jahwe, im Falle eines Sieges denjenigen als Brandopfer
darzubringen, der ihm als erstes aus seinem Haus entgegenkäme. J.
besiegte mit Jahwes Hilfe die Ammoniter, und wer ihm entgegenkam,
war seine Tochter, sein einziges Kind (vgl. 1. Mose 22,2). Die Ausführung
des Gelübdes wird in V. 39 berichtet. Die vermutlich sehr alte und
für alttestamentliche Verhältnisse erstaunlich unpolemische Sage vom
Menschenopfer diente zur Erklärung der Herkunft eines Mädchenbrauches
in Israel (Ri. 11,40), als deren Urheberinnen J.s Tochter und ihre
Freundinnen galten (V. 37-39). - Ebenfalls sagenhaft wirkt die
Episode vom Bruderkrieg zwischen Gilead und Efraim (Ri. 12,1-6), der einerseits
einem eifersüchtigen Willen zur Einheit (12,1-3 vgl. Ri. 8,1-3), andererseits
dem Hochmut der Efraimiten (Ri. 12,4) entsprang. Am von Gileaditen
versperrten Jabbokfluß erlitten die Efraimiten beim Rückzug eine schwere
Niederlage (die Zahl 42.000 ist gegenüber Ri. 5,8 viel zu hoch!),
da sie das zum Überqueren des Flusses erforderliche Losungswort Schibbolet
(Fluß, Strom?) aufgrund ihres Dialektes nur wie Sibbolet aussprechen
konnten. - Die letzten 6 Jahre seines Lebens war J. nach Ri. 12,7
Richter Israels. Er übte also das vermutlich zentrale Amt des Zwölfstämmebundes
aus und ist damit der einzige, der sowohl »kleiner Richter« (wie in
Ri. 10,1-5; 12,8-15) als auch Rettergestalt war. Begraben wurde J.
in seiner Heimatstadt, vermutlich eher Zaphon (12,1) als Mizpa (11,34).
- Im Neuen Testament findet sich J. als Zeuge des Glaubens in
Hebr. 11, 32. - Der J.stoff bot aufgrund seiner Dramatik mannigfaltig
Anlaß zur künstlerischen Ausgestaltung, so daß im Folgenden nur eine
Auswahl geboten werden kann. - In der bildenden Kunst: St. Louis-Psalter
(13. Jahrhundert); Queen Mary-Psalter (14. Jahrhundert); Lucas van
Leyden (1494-1533); Pierre Mignard (1610-1695); Charles Lebrun (1619-1690);
Antoine Coypel (1661-1722); Edgar Degas (1834-1917); Enrico Glicenstein
(1870-1942. - In der Literatur: Hans Sachs (1555, 1567); Lord
von Byxron (in: Hebrew Melodies 1815); Karl Ludwig Kannegießer (1818);
Robert Ludwig (1813); Sholem Asch (1914); Eduard Lissauer (1928);
E. L. G. Watson (1939); Lion Feuchtwanger (1957). - In der Musik:
Oratorien von Giacomo Carissimi (vor 1649); G. B. Vitali (1672); A.
Draghi (1690); A. Lotti (1712); Georg Friedrich Händel (1751/1752);
Giacomo Meyerbeer (1811/1812); Opern von Michel de Monteclair (1832);
Luis Cepeda (1845); Ruperto Chapi (1876); Vertonungen des Gedichtes
von Lord Byron durch Isaac Nathan, Karl Loewe (1826) und Robert Schumann
(in: Drei Gesänge op. 95, 1849). Im israelitischen Volkstanz lebt
J.s Tochter bis heute weiter.
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Letzte Änderung: 09.04.2011