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Band III (1992) Spalten 5-10 Autor: Klaus Grünwaldt

JEFTA (Jeptha, hebräisch Jiftach: er möge öffnen, retten), Richter in Israel aus der Landschaft Gilead im Ostjordanland. - Als sein Vater wird Gilead genannt. Die Überlieferungen von J. sind in Ri. 10,6-12,7 enthalten. - J. stammte aus ungeordneten Verhältnissen. Seine Mutter war eine Prostituierte (Ri. 11,1; nach Ri. 11,2 zumindest eine fremde Frau). Als die Söhne der rechtmäßigen Ehefrau seines Vaters aufgewachsen waren, vertrieben sie ihn aus dem Vaterhaus, um ihn von seinem Erbe auszuschließen. Die Rechtmäßigkeit dieses Vorganges ist schwer auszumachen, da im Alten Testament diesbezügliche Regelungen fehlen. Nach dem sumerischen Lipit - Ishtar - Code (20. Jahrhundert vor Christus) wäre er erbberechtigt gewesen. Nach seiner Vertreibung aus dem Vaterhaus zog er in das im nördlichen Ostjordanland gelegene Land Tob, wo er, ähnlich wie David (1. Sam. 22,2) eine Gruppe von Freischärlern um sich versammelte und mit ihnen umherzog. - Inzwischen drohte Krieg von seiten der Ammoniter, die in der Stadt Gilead (heute hirbet gelcad) lagerten, während sich das israelitische Heer in Mizpa im Ostjor-danland (el-misrefe) befand (Ri. 10,17 f.). Beide Heere waren also nur etwa 2 km voneinander getrennt. Da den Israeliten ein kompetenter Heerführer fehlte, gedachte man J.s und schickte ihm als Gesandtschaft die Ältesten Gileads. Die boten ihm an, qazin (ungeklärter Begriff, vermutlich militärische Führungsposition) zu werden. Nach anfänglichem Zögern wegen des in Gilead erlittenen Unrechtes willigte J. ein unter der Bedingung, nach einem errungenen Sieg auch die politische Führung in Gilead zu übernehmen. So zog er schließlich mit den Ältesten aus Gilead in sein Heimatland zurück, wo ihn das Volk zum politischen und militärischen Anführer kürte. - Aus Ri. 11,12-28, einem erheblich später dem J.stoff zugewachsenen Überlieferungsstück, das in V. 15b-26 Teile aus 4. Mose 20-21 aufgenommen hat und eher an Verhandlungen mit den Moabitern als mit den Ammonitern denken läßt, wird man mit V. 12-15a. 27 f. zumindest soviel ermitteln können, daß J. versucht hat, den Konflikt mit den Ammonitern auf politischem Wege zu lösen. Da dieser Versuch gescheitert ist, mußte es zum Krieg kommen (Ri. 11,29. 32 f.), in den J. als ein vom Geist Gottes Begabter (V. 29) gezogen ist. - Mit dem Kriegsbericht verwoben ist die schwer deutbare, dramatisch-tragische Geschichte von J.s Gelübde (Ri. 11,30 f. 34-40). J. gelobte Jahwe, im Falle eines Sieges denjenigen als Brandopfer darzubringen, der ihm als erstes aus seinem Haus entgegenkäme. J. besiegte mit Jahwes Hilfe die Ammoniter, und wer ihm entgegenkam, war seine Tochter, sein einziges Kind (vgl. 1. Mose 22,2). Die Ausführung des Gelübdes wird in V. 39 berichtet. Die vermutlich sehr alte und für alttestamentliche Verhältnisse erstaunlich unpolemische Sage vom Menschenopfer diente zur Erklärung der Herkunft eines Mädchenbrauches in Israel (Ri. 11,40), als deren Urheberinnen J.s Tochter und ihre Freundinnen galten (V. 37-39). - Ebenfalls sagenhaft wirkt die Episode vom Bruderkrieg zwischen Gilead und Efraim (Ri. 12,1-6), der einerseits einem eifersüchtigen Willen zur Einheit (12,1-3 vgl. Ri. 8,1-3), andererseits dem Hochmut der Efraimiten (Ri. 12,4) entsprang. Am von Gileaditen versperrten Jabbokfluß erlitten die Efraimiten beim Rückzug eine schwere Niederlage (die Zahl 42.000 ist gegenüber Ri. 5,8 viel zu hoch!), da sie das zum Überqueren des Flusses erforderliche Losungswort Schibbolet (Fluß, Strom?) aufgrund ihres Dialektes nur wie Sibbolet aussprechen konnten. - Die letzten 6 Jahre seines Lebens war J. nach Ri. 12,7 Richter Israels. Er übte also das vermutlich zentrale Amt des Zwölfstämmebundes aus und ist damit der einzige, der sowohl »kleiner Richter« (wie in Ri. 10,1-5; 12,8-15) als auch Rettergestalt war. Begraben wurde J. in seiner Heimatstadt, vermutlich eher Zaphon (12,1) als Mizpa (11,34). - Im Neuen Testament findet sich J. als Zeuge des Glaubens in Hebr. 11, 32. - Der J.stoff bot aufgrund seiner Dramatik mannigfaltig Anlaß zur künstlerischen Ausgestaltung, so daß im Folgenden nur eine Auswahl geboten werden kann. - In der bildenden Kunst: St. Louis-Psalter (13. Jahrhundert); Queen Mary-Psalter (14. Jahrhundert); Lucas van Leyden (1494-1533); Pierre Mignard (1610-1695); Charles Lebrun (1619-1690); Antoine Coypel (1661-1722); Edgar Degas (1834-1917); Enrico Glicenstein (1870-1942. - In der Literatur: Hans Sachs (1555, 1567); Lord von Byxron (in: Hebrew Melodies 1815); Karl Ludwig Kannegießer (1818); Robert Ludwig (1813); Sholem Asch (1914); Eduard Lissauer (1928); E. L. G. Watson (1939); Lion Feuchtwanger (1957). - In der Musik: Oratorien von Giacomo Carissimi (vor 1649); G. B. Vitali (1672); A. Draghi (1690); A. Lotti (1712); Georg Friedrich Händel (1751/1752); Giacomo Meyerbeer (1811/1812); Opern von Michel de Monteclair (1832); Luis Cepeda (1845); Ruperto Chapi (1876); Vertonungen des Gedichtes von Lord Byron durch Isaac Nathan, Karl Loewe (1826) und Robert Schumann (in: Drei Gesänge op. 95, 1849). Im israelitischen Volkstanz lebt J.s Tochter bis heute weiter.

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Lit.: George Foot Moore, A Critical and Exegetical Commentary on Judges, 1895; - Karl Budde, Das Buch der Richter, KHC VII, 1897; - Rudolf Smend sen., Beiträge zur Geschichte und Topographie des Ostjordanlandes, ZAW 22, 1902, 129-158; - J. Barbes, J.s gelofte Th St (Utrecht) 27, 1909, 137-143; - J. Porwig, Der J.stoff (Diss. Breslau), 1912; - Walter Baumgartner, J.s Gelübde Jud. 11,30-40, ARW 18, 1915, 240-249; - Carl Heinrich Cornill, Jdc 11,33, ZAW 37, 1917/18, 251-252; - Vinc. Zapletal, J.s Tochter, 1920; - Ders., Das Buch der Richter übersetzt und erklärt, EHAT VII/1, 1923; - Andr. Fernandez, Quid de deo senserit J., VD 1, 1921, 77-81; - Ders., Votum J., ebd., 104-108; - Ders., An peccaverit J. in voto faciendo et exsequendo, ebd., 299-304; - Hugo Gressmann, Die Anfänge Israels, SAT I/2, 19222; - Otto Eissfeldt, Die Quellen des Richterbuchs, 1925; - H. M. Wiener, J.'s Negotiations with Ammon Jgs 11,12-28, NThSt 10, 1927, 149; - G. Iachino, J. Saggio storico-critico, 1927; - M. A. Vanden Oudenrijn, Jud. 11,13 et 33, Angel. 6, 1929, 428-429; - Karl Bornhäuser, J.s Tochter. Wie man die Geschichte zur Zeit des NT.s las, Schule und Evangelium 1930-1931, 315-317; - John Garstang, Joshua. Judges, 1931; - A. Beel, De voto J., Coll. Brug. 35, 1935, 169-176; - Oskar Grether, Die Bezeichnung »Richter« für die charismatischen Helden der vorstaatlichen Zeit, ZAW 57, 1939, 110-121; - Julian Obermann, An Early Phoenician Political Document with a Parallel to Judges 11,24, JBL 58, 1939, 229-242; - G. Buttignoni, Il sacrificio di J., Palestra del Clero 18/2, 1939, 49-51; - Basilio da Montecchio, Il sacrificio della figlia di J., Palestra del Clero 18/2, 1939, 193-195; - A. Pohl, Richter 11,2, Bib 22, 1941, 37; - E. A. Speiser, The Shibbolet Incident (Judges 12,6), BASOR 85, 1942, 10-13; - Martin Noth, Überlieferungsgeschichtl. Studien (1943), 19673, bes. 47-50, 53-54; - Ders., Das Amt des Richters Israels, FS Alfred Bertholet, 1950, 404-417; - Ders., Das Land Gilead als Siedlungsgebiet israelitischer Sippen, Aufsätze zur Biblischen Landes und Altertumskunde I (hg. v. Hans Walter Wolff), 1971, 345-390; - Ders., Israelitische Stämme zwischen Ammon und Moab, ebd. 391-433; - Ders., Die Nachbarn der israelitischen Stämme im Ostjordanland, ebd. 434-475; - Ders., Gilead und Gad, ebd., 489-543; - E. Robertson, The Period of the Judges: A Mystery Period in the History of Israel, B. John Rylands Library 30, 1946, 91-114; - W. O. Sypherd, J. an His Daughter. A Study in Comparative Literature (Diss. Delaware), 1948; - I. Mendelssohn, The Disinheritance of J. in the Light of the Lipit - Ishtar Code, IEJ 4, 1954, 116-119; - K. Dronkert, Het Mensenoffer in de oudtestamentische wereld, 1955; - Eugen Täubler, Bibl. Studien. Die Epoche der Richter, 1958; - S. E. Loewenstamm, J. et filia, Enc. Bibl. Inst. Bialik 3, 1958, 748-751; - Cuthbert Aikman Simpson, The Composition of the Book of Judges, 1958; - Folker Willesen, The Ephrati of the Shibbolet Incident, VT 8, 1958, 97-98; - W. Vollborn, Die Chronologie des Richterbuches, FS Friedrich Baumgärtel, 1959, 192-196; - A. Penna, The Vow of J. in the Interpretation of St. Jerome, Stud. Patr. 4 (= TU 79), 1961, 162-170; - H. C. Thomson, Shophet and Mishpat in the Book of Judges, Glasgow University Oriental Society Transactions 1961-1962, 74-85; - H. M. Orlinsky, The Tribal System of Israel and Related Groups in the Period of the Judges, OrAnt 1, 1962, 11-20; - Y. Kaufmann, De iudicibus magnis et parvis, BethM 13, 1962,10-15; - Walter Beyerlin, Gattung und Herkunft des Rahmens im Richterbuch, FS Artur Weiser, 1963, 1-29; - Wolfgang Richter, Traditionsgeschichtl. Untersuchungen zum Richterbuch, BBB 18, 1963; - Ders., Die Bearbeitungen des Retterbuches in der deuteronomischen Epoche, BBB 21, 1964; - Ders., Zu den »Richtern Israels«, ZAW 77, 1965, 40-71; - Ders., Die Überlieferungen um J., Ri. 10,17-12,6, Bib 47, 1966, 485-556; - J. Dus, Die »Sufeten Israels«, ArOr 31, 1963, 444-469; - Ders., Bethel und Mizpa in Jdc. 19-21 und Jdc. 10-12, OrAnt 3, 1964, 227-243; - Martin Buber, Königtum Gottes, Werke II, 19644, 485-723, bes. 549-574; - N. H. Frostig-Adler, La storia di J., AnStEbr 2, 1964-1965,9-30; - E. C. Dell'Oca, El voto de J., RevBib (Arg.) 26, 1965, 167-171; - C. H. J. de Geus, De Richteren van Isra‰l, NTTds 20, 1965-1966, 81-100; - John L. Mc Kenzie, The World of the Judges. Background to Bible Series, 1966;- J. van Rossum, De praedeuteronomistische bestanddelen van het boek der Richters, 1966; - Georges Auzou, La Force de l'Esprit. Etude du Livre des Juges, 1966; - Rudolf Smend jr., Jahwekrieg und Stämmebund, FRLANT 84, 19662; - Klaus-Dietrich Schunck, Die Richter Israels und ihr Amt, VT.S 15, 1966, 252-262; - Robert G. Boling, Some Conflate Readings in Joshua-Judges, VT 16, 1966, 293-296; - Ders., Judges, AB 6A, 1975; - John Gray, Joshua, Judges and Ruth, Century Bible 1967; A. E. Cundall/L.Morris, Judges, Ruth, Tyndale OT Commentaty, 1968; - Johannes P. M. van der Ploeg, Les juges en Isra‰l, Studi A. Cardinale Ottaviani, 1969, 463-507; - Magnus Ottosson, Gilead. Tradition and History, CB. OT 3, 1969; - Siegfried Mittmann, Aroer, Minnith und Abel Keramim (Jdc 11,33), ZDPV 85, 1969, 63-75; - Charles Fox Burney, The Book of Judges with Introduction and Notes on the Hebrew Text of the Book of Kings, Reprint 1970; - The World History of Jewish People. 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Rite de passage und Übersetzungsprobleme, BiNo 19, 1982, 41-42; - Pietro Kaswalder, Aroer e Iazer nella disputa diplomatica di Gdc 11,12-28, SBFLA 34, 1984, 25-42; - Ders., Giudici 11,20a: problemo testuali e grammaticali, BiOr 26, 1984, 129-142; - Werner Daum, Ursemitische Religion, 1985, bes. 32-41; - Frederick E. Greenspahn, The Theology of the Framework of Judges, VT 36, 1986, 385-396; - D. Marcus, J. and His Vow, 1986; - Karen Engelken, Die Frau - die Frauen, eine begriffsgeschichtl. Untersuchung zum AT (Diss. Mainz), 1987, bes. 62-69; - BHH II, 810 f.; - Dictionnaire Encyclopédique de la Bible I, 602 f.; - BL2, 810 f.; - EncJud (1928ff.) IX, 181-183; - EncJud (1971-1972) IX, 1341-1345; - IDB II, 820 f.; - Jüd. Lex. III, 168 f.; - Kindlers Literatur Lexikon X, 8167-8170; - NewCathEnc VII, 866 f.; - LThK V, 892 f., - RE VIII, 641-646; - RGG 1III, 296 f.; - RGG 2III, 71 f.; - RGG 3III, 580 f.; - Rienecker, Lexikon zur Bibel, 674 f.

Klaus Grünwaldt

Literaturergänzung:

2006

Mikael Sjöberg, Wrestling with textual violence. The Jephthah narrative in antiquity and modernity. Sheffield 2006; - Richard E. DeMaris ; Carolyn S. Leeb, Judges - (dis)honor and ritual enactment. The Jephthah story: Judges 10:16-12:1, in: Ancient Israel. Minneapolis 2006, S. 177-190; -

2007

Cornelis Houtman ; Klaas Spronk, J. u. seine Tochter. Rezeptionsgerschichtl. Studien zu Richter 11,29-40. Wien 2007; -

2010

Mary Ann Beavis, The resurrection of Jepfthah's daugther. Judges 11:34-40 and Mark 5:21-24, 35-43, in: CBQ 72.2010, S. 46-62; - Dolores G. Kamrada, "Strangers to one another". The motif of strangeness in the Jephthah-cycle, in: The stranger in ancient and mediaeval Jewish tradition. Berlin 2010, S. 16-35; - Natalio Fernández Marcos, Jephthah's daughter in the Old Greek (Judges 11:29-40), in: Die Septuaginta - Texte, Theologien, Einflüsse. Tübingen 2010, S. 478-488; - Robert B. Chisholm, The ethical challenge of Jephthah's fulfilled vow, in: BiblS 167.2010, S. 404-422.

Letzte Änderung: 09.04.2011