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Band III (1992) Spalten 678-679 Autor: Michael Tilly

JOSEPH BEN GORION, Josephus Gorionides, Pseudo-Josephus, Vertreter des obersten Befehlshabers über Jerusalem zu Beginn des Aufstandes der Juden gegen die Römer im Jahre 66 n. Chr., hingerichtet nach dem Sieg der Jerusalemer Zeloten im Frühjahr 68 n. Chr. - Nach Darstellung des jüdischen Geschichtsschreibers Flavius Josephus wurde J. zur Durchführung der Verteidigungsmaßnahmen gegen die erwartete römische Belagerung durch die in den Jerusalemer Tempel einberufene Volksversammlung zum Vertreter des obersten Befehlshabers, des Hohepriesters Ananos, gewählt. Seine dringlichste Aufgabe war die Instandsetzung und Befestigung der Stadtmauer, die beim Angriff der römischen Truppen unter Cestius Gallus stark beschädigt worden war. Die Zeloten in der Stadt lehnten Ananos als obersten Befehlshaber über Jerusalem ab und wählten mit Pinechas ihrerseits einen Hohepriester zum Anführer ihres Widerstandes gegen die Römer. Nach dem Sieg der Zeloten wurde J. im Frühjahr 68 n. Chr. hingerichtet. Gleichzeitig mit J.s Wahl zum Befehlshaber Jerusalems wurde Joseph ben Matthias, der spätere Geschichtsschreiber Josephus, zum Befehlshaber von Galiläa gewählt. Dieser Umstand trug dazu bei, daß ein mittelalterlicher Abschreiber des »Hegesippus«, der lateinischen Bearbeitung der Geschichte des jüdischen Krieges aus der Hand eines getauften Juden im 4. Jahrhundert, J. ben Gorion mit dem Geschichtsschreiber Josephus ben Matthias identifizierte. Zwischen 900 und 965 n. Chr. verfaßte ein unbekannter Jude in Süditalien in hebräischer Sprache eine jüdische Geschichte vom Niedergang des babylonischen Großreiches bis zum Ende des jüdischen Krieges, die in kompilatorischer Form Hegesipp, verschiedene jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit und zahlreiche lateinische Texte aus dem frühen Mittelalter vereinigte. Der Autor des »Josippon« gab vor, Flavius Josephus zu sein. Es gilt als wahrscheinlich, daß der Verfasser dieses Pseudepigraphs, der wohl kein Griechisch verstand, sich in Fortführung der im Hegesippus vorfindlichen Tradition »J. ben Gorion« nannte, obwohl er als seinen Vater Matthias angab.

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Lit.: Jos.Bell. II, 563; - Hegesippus 3.3.2, ed. V. Ussani, CSEL 66, 187, 12-14; - B. Brüne, Josephus, der Gesch.schreiber, Wiesbaden 1912, 38, 70; - S. Dubnow, Die alte Gesch. des jüd. Volkes, Bd. II, Berlin 1925, 438, 449; - M. Kamil, Des J. ben Gorion Gesch. der Juden, 1938; - S. Perowne, Herodianer, Römer und Juden, Stuttgart 1958, 172; - M. Avi-Yonah, Historical Geography of Palestine, in: S. Safrai, M. Stern (Hrsg.), The Jewish People in the First Century, Bd. 1, Assen 1974, 114; - G. Stemberger, Gesch. der jüd. Lit., München 1977, 141 ff.; - D. Flusser, Sefer Josippon, 2 Bde., Jerusalem 1978, 80; - EJud IX, 425 (Lit.); - EncJud X, 296-298; - JewEnc VII, 259-260 (Bibl. zum »Josippon«); - JüdLex III, 335; - NewCathEnc VII, 1124; - RGG 3III,864; - UJE VI, 210 f.

Michael Tilly

Letzte Änderung: 09.04.2011