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Band III (1992) Spalten 1112-1115 Autor: Georg Kreuzer

KARL V., frz. König 1364-1380, * 21.1. 1338 auf Schloß Vincennes, † 16.9. 1380. - Er war der Sohn Kg. Johanns II. des Guten (Jean le Bon) und von Guda (Bonne) von Luxemburg. Als erster frz. Thronfolger trug K. den Titel eines Dauphin. Nachdem sein Vater sich nach einer militärischen Niederlage bei Maupertuis/Poitiers (19.9. 1356) gegen Eduard III. von England hatte gefangen nehmen lassen, stand K. ohne jede Verwaltungs- und Regierungserfahrung an der Spitze der Regierung. Der Opposition der Generalstände, der geschickten Agitation Karls von Navarra und dem Pariser Aufstand unter Etienne Marcel war er nicht gewachsen. - Als zwei Marschälle K. ermordet worden waren, verließ er Paris (März 1358) und kehrte erst nach dem Ende der Jacquerie (Mai-Juni 1358), eines Aufstands von Bauern gegen den Adel, und nach der Ermordung Etienne Marcels (31.7. 1358) nach Paris zurück. Anschließend an einen Waffenstillstand mit England wurde K. nicht zu den Friedensverhandlungen beigezogen. Einen von seinem Vater angenommenen Friedensvertrag ließ er von den Generalständen ablehnen (Mai 1359). Die folgenden militärischen Auseinandersetzungen brachten für Eduard III. von England nicht den gewünschten Erfolg, so daß er sich zum Frieden von Calais (26.10. 1360) bereitfand. Nur kurzfristig wurde K. von seinem Vater Johann II. verdrängt, der am 13.12. 1360 aus englischer Gefangenschaft zurückgekehrt war. Als Johann II. nach einem Wortbruch seines Sohnes Ludwig von Anjou freiwillig nach London zurückgekehrt war (Januar 1364), wurde K. zunächst Regent und durch den Tod seines Vaters (9.4. 1364) dessen Nachfolger. - Zeitlebens von schwacher körperlicher Konstitution, betraute er mit dem Kommando im Feld Spezialisten. Bertrand Du Guesclin, seit 1370 Connétable von Frankreich, setzte sich ab 1361 mit Karl von Navarra und ab 1364 mit dem im Bunde mit England stehenden Johann von Montfort auseinander. Nach Friedensschlüssen mit den beiden Kontrahenten (1365, 1366) mußte der militärisch siegreiche Montfort als Herzog der Bretagne anerkannt werden. Die beschäftigungslosen Söldnerkompanien ließ K. wiederum unter dem Befehl Bertrands Du Guesclin in Spanien auf der Seite von Heinrich von Trastámara gegen den kastilischen König Peter I. kämpfen. In den anschließenden militärischen Auseinandersetzungen mit den englischen Truppen (1369-1375) veranlaßte K. seine Heerführer (neben Bertrand Du Guesclin die Marschälle Ludwig von Sancerre und Mouton de Blanville), eine offene Feldschlacht zu vermeiden und statt dessen einen zermürbenden Kleinkrieg zu führen. Mit dieser Strategie, unterstützt von kastilischen Galeeren, die den englischen Nachschub störten, gelang es K. fast alle englischcn Besitzungen auf französischem Beden mit Ausnanme einer Reihe von Stützpunkten am Meer zurückzuerobern. Zu einem dauerhaften Frieden mit England konnte der anschließende Waffenstillstand von Brügge (Juli 1375) nicht überleiten. Die verbliebenen Brückenköpfe der englischen Krone (Calais, Brest, Bordeaux, Bayonne, Cherbourg) bedeuteten eine dauerude Bedrohung. Von Calais aus unternahm der Herzog von Buckingham im Jahre 1380 einen Feldzug, der diesen bis ins Loiretal führte und von dort aus die Bretagne erreichen ließ. - Mit den Luxemburgern, der Familie seiner Mutter, unterhielt K. stets gute Beziehungen. Sein Onkel, Kaiser Karl IV., übertrug dem Dauphin, dem späteren Karl VI., das Reichsvikariat des Arelat. Als mit der Wahl des Kardinals Robert von Genf zum Papst (Clemens VII.) das Große Abendländische Schisma seinen Anfang nahm (20.9. 1378) entschied sich K. für diesen Papst, während sein Onkel an Urban VI. (gewählt am 8.4. 1378) festhielt. Auf dem Sterbebett soll K. diese Entscheidung bereut haben. - Umgeben von einem iuristisch versierten Beraterstab ließ K. indirekte und direkte Steuern permanent erheben. Die Unveräußerlichkeit der Krondomäne wurde in den Krönungseid eingefügt. Indem er die großen Hofämter einrichtete und Fachleute an Stelle von Adeligen in der Reichsverwaltung bevorzugte, schuf er manche Voraussetzung für die Entwicklung Frankreichs zum zentral gelenkten Flächenstaat. Mit der großzügigen Apanagierung seiner Brüder, d.h. der Ausstattung mit im Mannesstamm erblichen Lehensfürstentümern, wie sie in Frankreich freilich schon ab 1225 üblich war, hemmte er allerdings diese gegen Ende des 14. Jahrhunderts sich abzeichnende Tendenz. - K., der sich mit einem Kreis von Gelehrten umgab (u.a. Nicole Oresme, Raoul de Presle, Philippe de Mézières) und selbst Denkschriften verfaßte, ließ Aristoteles, Augustinus und Johannes von Salisbury ins Französische übersetzen, wurde Begründer der Bibliothek des Louvre und erbaute Louvre, Bastille, Hotel St. Pol und St. Chapelle in Vincennes. Seine politischen Ideen pries der »Songe du vergier«. Ein Loblied auf K. schuf Christine de Pisan mit ihrem »Livre des fais et bonnes meurs du sage roy Charles V« (1404).

Quellen: Chronique des règnes de Jean II et de Charles V, ed. Roland Delachenal, Bd. 1-4, 1910-1920; Christine de Pisan, Le livre des fais et bonnes meurs du sage roy Charles V, ed. Suzanne Solente, 1936-1941.

Lit.: Noël Valois, La France e la grand schisme I, 1896 (passim); - Roland Delachenal, Histoire de Charles V, I-V, 1909-1931; - Joseph Calmette, Charles V, 1945; - Raymond Cazelles, Société politique, noblesse et couronne sous Jean le Bon et Charles V, 1982; - Heinz Thomes, Frankreich, Karl IV. und das Große Schisma, in: »Bündnissysteme« und »Außenpolitik« im späteren Mittelalter, hrsg.v. Peter Moraw (ZHF, Beiheft 5) 1988, 69-104; - A.D. Hedeman, Copies in Context: The Coronation of Charles V in His »Grandes Chroniques de France«, in: Coronations. Medieval and Early Modern Monarchic Ritual, ed. János M. Bak, 1990, S. 72-87; - DBF VIII, 518-522; - DHGE XII, 449-452; - EC III, 838 f; - LMA V, 975-977; - LThK V, 1352.

Georg Kreuzer

Literaturergänzung:

1982

James D. Tracy, Heresy law and centralization under Mary of Hungary. Conflict between the Council of Holland and the central government over the enforcement of Charles V's placards, in: ARG 73.1982, S. 284-308; -

1986

Die Carolina. Die Peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. von 1532. Hrsg. von Friedrich-Christian Schroeder. Darmstadt 1986.

Letzte Änderung: 29.12.2009