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Band III (1992) Spalten 1220-1223 Autor: Konrad Fuchs

KATHARINA von Medici. Geboren wurde sie am 13.4. 1519 zu Florenz als Tochter Lorenzos II. v. Medici († 1519) und der Madeleine de la Tour d'Auvergne, einer französischen Prinzessin. Im Oktober 1533 heiratete sie den Sohn Franz I. von Frankreich (reg. 1515-1547) Heinrich, Graf v.Orléans, der 1547 seinem Vater als König folgte (reg. 1547-59). Geprägt wurde das Leben in Frankreich zu jener Zeit durch die Gegensätze zwischen der calvinistischen Minderheit, den huguenots, wie man sie in Anlehnung an die Eidgenossen nannte, und der katholischen Mehrheit. Die religiösen Gegensätze spitzten sich während der Regierungszeit Heinrichs (II.) Söhnen - Franz II. (1559-60), Karl IX. (1560-74) und Heinrich III. (1574-89) - dramatisch zu. Gleichzeitig versuchten die großen Adelsgeschlechter Frankreichs ihre Macht auf Kosten der Krone dadurch zu stärken, daß sie die religiösen Gegensätze mit ihren politischen Ambitionen verbanden. Das Geschlecht der Guise stand dabei der katholischen, das der Bourbonen unter dem Prinzen Condé, den der Admiral Gaspard de Coligny unterstützte, der protestantischen bzw. reformierten Partei vor. Das Haus Bourbon mit seinen beiden Seitenlinien Condé und Vendôme war durch seine Abstammung von Robert v. Clermont, der ein Sohn Ludwigs IX., des Heiligen (reg. 1226-70) war, mit dem Königshaus verwandt; seine Angehörigen galten als Prinzen von Geblüt. Eine noch engere Verbindung bestand infolge der Heirat Antons v. Bourbon-Vendóme, der ein Bruder des Prinzen Ludwig Condé war, mit Jeanne d'Albert. Sie nämlich war die Tochter König Heinrichs v.Navarra (reg. 1589-1610) sowie Margarethes, einer Schwester Franz I. Mithin konnte Antons und Jeannes Sohn Heinrich v. Bourbon-Navarra einen direkten Erbanspruch auf den Thron von Navarra als Prinz von Geblüt und einen direkten auf die Krone Frankreichs erheben, vorausgesetzt allerdings, daß die Dynastie der Valois ausstarb, was aber unwahrscheinlich war. - Zwischen diesen beiden Parteien stand Katharina v.Medici, hochkultiviert, politisch begabt, in der Staatskunst eine Schülerin italienischer Renaissancebildung, moralisch jedoch skrupellos und letztendlich unreligiös. Als Regentin von 1560-63 sowie als Beraterin ihrer Söhne Franz II., Karl IX. und Heinrich III. nahm sie entscheidenden Einfluß auf die französische Politik. Da sie tatsächliche Macht nie besaß , bediente sie sich zur Durchsetzung ihrer Absichten, der Aufrechterhaltung der Rechtsansprüche des Königtums und seiner Unabhängigkeit gegenüber den Parteien, der Intrige. So unterstützte sie die jeweils schwächste Partei, während sie Einmischungen des Auslands - von Spanien zugunsten der Katholiken, von England zugunsten der Protestanten - abwehren konnte. Nach dem Tod Franz' II. am 5.12. 1560 war Katharina bemüht, einen Bürgerkrieg zu verhindern. Daher vermittelte sie das Religionsgespräch von Poissy (1561) unter ihres Sohnes Vorsitz, Karls IX., um eine Vereinigung der Katholiken und Reformierten zu erreichen. Es brachte jedoch kein Ergebnis. Daraufhin erließ Katharina im Juli 1561 und im Januar 1562 zwei Edikte, durch die den Hugenotten gewisse Zugeständnisse gemacht wurden, die allerdings zeitlich befristet waren. Obwohl das Januaredikt den Rechtsstatus der französischen Reformierten grundsätzlich einschränkte, ist es als das erste Toleranzedikt Europas in die Geschichte eingegangen, da es verschiedene Bekenntnisse in ein- und demselben Staat indirekt anerkannte, was bisher als unvorstellbar galt. - Nachdem es Coligny (1519-72), seit 1552 Admiral von Frankreich und seit 1557 Anhänger des Calvinismus, gelungen war, Einfluß auf Karl IX. zu gewinnen, wurde K.v.M. zu seiner großen Gegenspielerin. Nach einem mißglückten Attentat Katharinas auf Coligny wurde sie zur Anstifterin der Ermordung von schätzungsweise 2000 Hugenotten in Paris und 20 000 in der Provinz in der Nacht vom 23. auf den 24.8. 1572, der sog. Bartholomäusnacht, der auch Coligny zum Opfer fiel. Unmittelbarer Anlaß für die Bartholomäusnacht war die Verheiratung der Schwester Karls IX., Margareta v. Valois, mit dem reformierten Prinzen Heinrich v. Navarra, durch die die religiöse Lage entspannt werden sollte. Durch die Bartholomäusnacht, »das größte Blutbad in der Geschichichte der Religionskriege« (H.-O. Sieburg), wurde der Name Katharinas mit einem unauslöschlichen Makel behaftet. Die Bartholomäusnacht, auch Pariser Bluthochzeit genannt, bedeutete nicht die vollständige Unterdrückung der Hugenotten; sie führte vielmehr zum Wiederaufleben der Hugenottenkriege, die jetzt noch rücksichtsloser als bisher geführt wurden. - Nicht übersehen werden darf K. v.M. Mäzenatentum für Literatur und Kunst, insbesondere für die Architektur. Als Liebhaberin von Pomp und Pracht sorgte sie für den Bau eines neuen Flügels des Louvre. 1564 begann sie durch Ph. Delorme westlich des Louvre den Bau der Tuilerien, der dann durch eine Galerie entlang der Seine mit dem Louvre verbunden wurde. Außerhalb von Paris ließ K. v.M. das Schloß von Monceau bauen. Ihre Privatbibliothek, die zahlreiche seltene Manuskripte umfaßte, galt als eine der bedeutendsten im Frankreich der Renaissanceepoche. K. v.M., eine der umstrittensten Persönlichkeiten der Geschichte, starb am 5.1. 1589 zu Blois.

Werke: La Terriére (Hrsg.) , Lettres de Catharine de Medicis, 10 Bde. (1880-1909).

Lit.: P. van Dyke, C. de Medicis, 2 Bde. 5. New York l922; - Romièr, Le royaume de C. de Medicis (1922); - C.v. Chlodowski, Die letzten Valois (21934); - F. Watson, Katharina v.Medici und das Zeitalter der Bartholomäusnacht (l936); - A. Corvoisier, La France de 1492 à 1789 (Paris l972).

Konrad Fuchs

Letzte Änderung: 29.12.2009