KATHARINA von Medici. Geboren wurde sie am 13.4. 1519 zu Florenz
als Tochter Lorenzos II. v. Medici († 1519) und der Madeleine
de la Tour d'Auvergne, einer französischen Prinzessin. Im Oktober
1533 heiratete sie den Sohn Franz I. von Frankreich (reg. 1515-1547)
Heinrich, Graf v.Orléans, der 1547 seinem Vater als König folgte (reg.
1547-59). Geprägt wurde das Leben in Frankreich zu jener Zeit durch
die Gegensätze zwischen der calvinistischen Minderheit, den huguenots,
wie man sie in Anlehnung an die Eidgenossen nannte, und der katholischen
Mehrheit. Die religiösen Gegensätze spitzten sich während der Regierungszeit
Heinrichs (II.) Söhnen - Franz II. (1559-60), Karl IX. (1560-74) und
Heinrich III. (1574-89) - dramatisch zu. Gleichzeitig versuchten die
großen Adelsgeschlechter Frankreichs ihre Macht auf Kosten der Krone
dadurch zu stärken, daß sie die religiösen Gegensätze mit ihren politischen
Ambitionen verbanden. Das Geschlecht der Guise stand dabei der katholischen,
das der Bourbonen unter dem Prinzen Condé, den der Admiral Gaspard
de Coligny unterstützte, der protestantischen bzw. reformierten Partei
vor. Das Haus Bourbon mit seinen beiden Seitenlinien Condé und Vendôme
war durch seine Abstammung von Robert v. Clermont, der ein Sohn Ludwigs
IX., des Heiligen (reg. 1226-70) war, mit dem Königshaus verwandt;
seine Angehörigen galten als Prinzen von Geblüt. Eine noch engere
Verbindung bestand infolge der Heirat Antons v. Bourbon-Vendóme, der
ein Bruder des Prinzen Ludwig Condé war, mit Jeanne d'Albert. Sie
nämlich war die Tochter König Heinrichs v.Navarra (reg. 1589-1610)
sowie Margarethes, einer Schwester Franz I. Mithin konnte Antons und
Jeannes Sohn Heinrich v. Bourbon-Navarra einen direkten Erbanspruch
auf den Thron von Navarra als Prinz von Geblüt und einen direkten
auf die Krone Frankreichs erheben, vorausgesetzt allerdings, daß die
Dynastie der Valois ausstarb, was aber unwahrscheinlich war. - Zwischen diesen beiden Parteien stand Katharina v.Medici,
hochkultiviert, politisch begabt, in der Staatskunst eine Schülerin
italienischer Renaissancebildung, moralisch jedoch skrupellos und
letztendlich unreligiös. Als Regentin von 1560-63 sowie als Beraterin
ihrer Söhne Franz II., Karl IX. und Heinrich III. nahm sie entscheidenden
Einfluß auf die französische Politik. Da sie tatsächliche Macht nie
besaß , bediente sie sich zur Durchsetzung ihrer Absichten, der Aufrechterhaltung
der Rechtsansprüche des Königtums und seiner Unabhängigkeit gegenüber
den Parteien, der Intrige. So unterstützte sie die jeweils schwächste
Partei, während sie Einmischungen des Auslands - von Spanien zugunsten
der Katholiken, von England zugunsten der Protestanten - abwehren
konnte. Nach dem Tod Franz' II. am 5.12. 1560 war Katharina bemüht,
einen Bürgerkrieg zu verhindern. Daher vermittelte sie das Religionsgespräch
von Poissy (1561) unter ihres Sohnes Vorsitz, Karls IX., um eine Vereinigung
der Katholiken und Reformierten zu erreichen. Es brachte jedoch kein
Ergebnis. Daraufhin erließ Katharina im Juli 1561 und im Januar 1562
zwei Edikte, durch die den Hugenotten gewisse Zugeständnisse gemacht
wurden, die allerdings zeitlich befristet waren. Obwohl das Januaredikt
den Rechtsstatus der französischen Reformierten grundsätzlich einschränkte,
ist es als das erste Toleranzedikt Europas in die Geschichte eingegangen,
da es verschiedene Bekenntnisse in ein- und demselben Staat indirekt
anerkannte, was bisher als unvorstellbar galt. - Nachdem es Coligny
(1519-72), seit 1552 Admiral von Frankreich und seit 1557 Anhänger
des Calvinismus, gelungen war, Einfluß auf Karl IX. zu gewinnen, wurde
K.v.M. zu seiner großen Gegenspielerin. Nach einem mißglückten Attentat
Katharinas auf Coligny wurde sie zur Anstifterin der Ermordung von
schätzungsweise 2000 Hugenotten in Paris und 20 000 in der Provinz
in der Nacht vom 23. auf den 24.8. 1572, der sog. Bartholomäusnacht,
der auch Coligny zum Opfer fiel. Unmittelbarer Anlaß für die Bartholomäusnacht
war die Verheiratung der Schwester Karls IX., Margareta v. Valois,
mit dem reformierten Prinzen Heinrich v. Navarra, durch die die religiöse
Lage entspannt werden sollte. Durch die Bartholomäusnacht, »das größte
Blutbad in der Geschichichte der Religionskriege« (H.-O. Sieburg),
wurde der Name Katharinas mit einem unauslöschlichen Makel behaftet.
Die Bartholomäusnacht, auch Pariser Bluthochzeit genannt, bedeutete
nicht die vollständige Unterdrückung der Hugenotten; sie führte vielmehr
zum Wiederaufleben der Hugenottenkriege, die jetzt noch rücksichtsloser
als bisher geführt wurden. - Nicht übersehen werden darf K. v.M.
Mäzenatentum für Literatur und Kunst, insbesondere für die Architektur.
Als Liebhaberin von Pomp und Pracht sorgte sie für den Bau eines neuen
Flügels des Louvre. 1564 begann sie durch Ph. Delorme westlich des
Louvre den Bau der Tuilerien, der dann durch eine Galerie entlang
der Seine mit dem Louvre verbunden wurde. Außerhalb von Paris ließ
K. v.M. das Schloß von Monceau bauen. Ihre Privatbibliothek, die zahlreiche
seltene Manuskripte umfaßte, galt als eine der bedeutendsten im Frankreich
der Renaissanceepoche. K. v.M., eine der umstrittensten Persönlichkeiten
der Geschichte, starb am 5.1. 1589 zu Blois.
Werke: La Terriére (Hrsg.) , Lettres de Catharine de Medicis,
10 Bde. (1880-1909).
Lit.: P. van Dyke, C. de Medicis, 2 Bde. 5. New York l922;
- Romièr, Le royaume de C. de Medicis (1922); - C.v. Chlodowski,
Die letzten Valois (21934); - F. Watson, Katharina v.Medici
und das Zeitalter der Bartholomäusnacht (l936); - A. Corvoisier,
La France de 1492 à 1789 (Paris l972).