KNOODT, Franz Peter, Theologe, altkatholischer Generalvikar, * 6.11.
1811 in Boppard/ Rh., + 27.1. 1889 in Bonn, Vetter der bedeutenden
Brüder Peter und August Reichensperger aus Koblenz, der Mitgründer
der katholischen Partei des «Zentrum«. - K. studierte Theologie
in Bonn (bei G. Hermes) und Tübingen, wurde Priester (1835), Kaplan
und Religionslehrer in Trier. Nach weiteren Studien in Wien 1841-1843
(bei Anton Günther) und Breslau (dort Dr. theol. 1844) wurde er 1845
Philosophie-Professor in Bonn. 1848 trat er auch in Gottesdienst und
Predigt offen für die März-Revolution ein und war vom 18. Mai 1848
bis 16. Februar 1849 Mitglied der Nationalversammlung in Frankfurt
(Paulskirche). Dort gehörte er zu den gemäßigten Konstitutionellen
(rechtes Zentrum) der Fraktion «Casino Partei« und zum außerparlamentarischen
«Katholischen Klub« der katholischen Abgeordneten. Als Freund und
Anhänger der philosophischen und theologischen Lehren A. Günthers,
einer katholischen Spielart des philosophischen Spätidealismus, bekämpfte
er schriftstellerisch den ideologischen Materialismus und Pantheismus,
aber auch die katholische Neuscholastik (bes. des Philosophen und
Paulskirchenabgeordneten Jakob Clemens). K. war 1854 Verteidiger A.
Günthers in Rom (Index-Prozeß). Nach der römischen Verurteilung Günthers
(1857) und der römischen Indizierung einer Schrift von Knoodt (1859)
eskalierten die Konflikte zwischen Hierarchie und bürgerlich-liberalen
Katholiken, besonders anläßlich des Vatikanischen Konzils (1869/70)
mit seinem Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit. K. und andere Opponenten
bildeten ab 1871 die von Rom unabhängige Altkatholische Kirche mit
Bistumssitz Bonn. Der erste altkatholische Bischof Jos. Hubert Reinkens
ernannte K. 1878 zum Bischöflichen Generalvikar. Knoodts Günther-Biographie
besitzt bis heute hohen Quellenwert für die Katholizismusgeschichte.
Werke: Günther u. Clemens, 3 Bde., Wien 1853 f.; D. Thomas-Enzyklika
Leos XIII., Bonn 1880 (Vortrag); A. Günther, Eine Biographie, 2 Bde.,
Wien 1881 (diese Werke verurteilte der röm. «Index der verbotenen
Bücher«); Zahlr. weitere Publikationen, z. T. in Zeitschriften.
Lit.: O. Pfülf, Card. Geissel, 2 Bde., Freiburg 1895 f.;
- M. Menn, P. Knoodt als Schriftsteller, In: Rev. Intern. de Théol.
15 (1907), 541-657; 15-16 (1908), 75-93, 256-278; - Ders.: K.s
letzte Lebenstage. In: Intern. Kirchl. Zeitschr. 2 (1912) 46-48; -
P. Wenzel, Das wissenschaftl. Anliegen des Güntherianismus, Essen
1961; - J. Beumer, P. Knoodt und sein geist. Werdegang, in: Intern.
Kirchl. Zschr. 65 (1975), 149-175; - A. Franzen, Die Kath.-Theol.
Fakultät Bonn im Streit um das Erste Vatikan. Konzil, Köln-Wien 1974;
- J. H. Reinkens, Briefe. Hrsg. von H. J. Sieben, 3 Bde., Köln-Wien
1979; - W. Becker, H. v. Hertling, Bd. I, Mainz 1981; - H.
Linn, Ultramontanismus in Köln, Siegburg 1987; - U. Küry, Die
Altkatholische Kirche. Berlin 1982; - H.E. Kessler, Bernhard Windscheid
an P. Knoodt (Briefe 1872-1874). In: Intern. Kirchl. Zeitschr. 76
(1986) 42-54; - R. Koch (Hrsg.), Die Frankfurter Nationalversammlung
1848/49. Kelkheim 1989. 250 (mit K.s Porträt); - H. Schwedt,
Die Verurteilung der Werke von A. Günther (1857) und seiner Schüler,
in: ZKG 101 (1990) 303-345; - ADB LI, 262-272; - KD Kosch,
II, 2215 f.; - LThK VI2, 359; - NDB XII, 211; -
DLL VIII3, 1425 f.
Herman H. Schwedt
Letzte Änderung: 06.11.2011