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Verlag Traugott Bautz
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KREBS, Johann Ludwig, Organist und Komponist, getauft am 12.10. 1713 in Buttelstedt bei Weimar, † am 1.1. 1780 in Altenburg (Thüringen). - Die Familie K. war, ähnlich wie die Familie Bach, reich an Musikern. Durch drei Generationen hindurch waren Mitglieder der Familie Organisten in Städten Thüringens und Sachsens. - Seit 1721 besuchte K. die Schule in Buttstädt. Daneben erteilte ihm sein Vater den ersten Musikunterricht. Dieser brachte seinen Sohn 1726 nach Leipzig auf die Thomasschule, wo er eine solide musikalische Ausbildung erhalten hat. Gleichzeitig war er Privatschüler Johann Sebastian Bachs, der »einzige Krebs im Bache«. Bach hat ihm nach seinem Weggang von der Schule am 24.8. 1735 ein glänzendes Zeugnis ausgestellt. In der Folgezeit blieb K. zunächst in Leipzig, hörte juristische und philosophische Vorlesungen an der Universität, wirkte weiter im Collegium musicum Bachs und bei Kirchenkonzerten mit und vertrat seinen Lehrer gelegentlich als Dirigent. Im Jahre 1736 war er für kurze Zeit Klavierlehrer der gleichaltrigen Luise Adelgunde Gottsched. Seine erste Anstellung erhielt er ein Jahr später. Am 4.5. 1737 wurde er Organist an der Marienkirche in Zwickau. Dort heiratete er 1740 die Beamtentochter Johanna Sophie Nacke. Da die Orgel in Zwickau seinen Ansprüchen nicht genügte, suchte er den Bau einer Silbermannorgel durchzusetzen. Seine Bemühungen hatten aber nicht den gewünschten Erfolg. Deshalb trachtete er danach, eine andere Stelle zu bekommen. Eine erfolgreiche Bewerbung nach Dresden an die dortige Frauenkirche ließ er verfallen, da die Stellung nicht angemessen bezahlt wurde. Im Jahre 1744 wurde er Schloßorganist in Zeitz. Nach dem Tode Bachs bewarb er sich, allerdings erfolglos, um dessen Nachfolge in Leipzig. Ebensowenig gelang es ihm, Organist an der Silbermannorgel in Zittau zu werden. Als 1756 die Organistenstelle in Altenburg frei wurde, nahm er diesen ihm angetragenen Posten am 13. Oktober an. Zwar hatte er an der Schloßkirche nun ein hervorragendes Instrument zur Verfügung, die Bezahlung dagegen war sehr karg bemessen, um die große Familie (8 Kinder) zu ernähren. Da gegen Ende seines Lebens seine Sehkraft abnahm, ließ er sich zunehmend von seinem Sohn Ehrenfried Christian Traugott vertreten. Dieser Sohn wurde dann auch sein Nachfolger als Organist in Altenburg. - K. steht als Schüler Bachs auch in dessen Tradition. Frühklassische Elemente fanden daher kaum Eingang in sein Schaffen. Innerhalb der Grenzen der Überlieferung aber schuf er bedeutende Werke. Neben einer großen Anzahl von Orgelwerken (Präludien, Fugen, Choralbearbeitungen) hat K. auch eine Messe, 2 Sanctus, 2 Magnificat und einige geistliche Gesänge komponiert (alle bisher unveröffentlicht). Die Werke K.s sind bis heute, mit Ausnahme der Orgelwerke, in Vergessenheit geraten. Wegen der Qualität seiner Kompositionen bedeutet dies einen echten Mangel.
Werke: Viele Kompositionen liegen nur handschriftlich vor. Nur ein kleiner Teil ist zu Lebzeiten, ein weiterer posthum veröffentlicht worden. 1. Zeitgenössische Drucke: a. Für Klavier: Erste Piece, bestehend in 6 leichten, nach dem heutigen gusto, wohleingerichteten Praeambulis, 1740; Andere Piece,..., 1741; Dritte Piece,. .., 1741; Vierte Piece,..., 1743; Klavierübung...., o.J.; Exercise sur le clavessin en VI Suites, dédiées à M. Pfinzing,..., Œuvre IV, o.J.; Sonata per il Clavicembalo, in: Musikalisches Magazin in Sonaten... für das Klavier bestehend, II, 6. Stück, 1765; b. Kammermusik: VI Trio..., o.J.; VI Son. da Camera ..., 1762; 2. Neuere Ausgaben: Gesamtausgabe der Orgelwerke. hrsg. v. C. Geißler, 1847-1849; Sämtliche Kompositionen für Orgel, hrsg. v. G.W. Körner, begonnen 1848, Ausgabe nicht abgeschlossen; Ausgewählte Werke (f. Orgel), hrsg. v. Zöllner, 1938; außerdem Veröffentlichungen von einzelnen Stücken in vielen Sammlungen des 19. u. 20. Jh.s. 3. Bibliogr.: MGG VII, EitnerQ, RISM.
Lit.: G.A. Wette, Hist. Nachricht v. d. berühmten Residentz-Stadt Weimar, 1737; - J. Adlung, Anleitung zur musikalischen Gelahrtheit, 1758; - J.N. Forkel, Musikalischer Almanach f. Dtld. auf das Jahr 1782 u. 1783; - Ch. H. Lorenz, Gesch. d. Gymnasii u. d. Schule in der uralten Fürstl. Sächs. Residentzstadt Altenburg, 1789; - J.F. Reichardt, Mus. Almanach, 1796; - Sammlung Westphal, Verz. v. 1830; - C.L. Hilgenfeld, J.S. Bachs Leben, Wirken und Werke, 1850; - C.H. Bitter, J.S. Bach, 1865; - B.F. Richter, Album Alumnorum Scholae Thomanae Lipsiensis II, 1700-1864, 1865; - A.G. Ritter, Zur Gesch. d. Orgelspiels, 1884; - Loebe, Gesch. d. Kirchen und Schulen des Herzogtums Sachsen-Altenburg, 1886; - S. Kümmerle, Enzyklopädie der ev. Kirchenmusik I, 1888; - R. Vollhardt, Gesch. d. Kantoren und Organisten von den Städten im Königreich Sachsen, 1899; - M. Friedlaender, Das dt. Lied im 18. Jh., 1902; - P.v. Bojanowski, Das Weimar J.S. Bachs, 1903; - Arnold Schering, Gesch. d. Oratoriums, 1911; - M. Falck, Friedemann Bach, Diss. Leipzig, 1913; - A. Franke, K., der Lieblingsschüler Bachs, in: Weimarer Landeszeitung LXV, Nr. 278, 9.10. 1913; - M. Kreisig, Der Zwickauer Organist K., 1921; - A. Werner, Städt. u. fürstl. Musikpflege in Zeitz, 1922; - Sammlung Prieger, Versteigerungskatalog, 1924; - Sammlung Heyer, Versteigerungskatalog, 1926; - Versteigerungskatalog Liepmannssohn, Nr. 52, 1928; - H. Uldall, Das Klavierkonzert der Berliner Schule, 1928 (= Sammlung musikwissenschaftlicher Einzeldarstellungen X); - H. Löffler, Die Schüler J.S. Bachs und ihr Kreis, in: ZevKM VII, 1929, 323; - Ders., K. Mitt. über sein Leben und Wirken, in: Bach-Jb. XXVII, 1930, 100-129; - Ders., Trost und die Altenburger Schloßorgel, in: MuK III, 1931, 76-82; IV, 1932, 171-176. 280-285; - Ders., Die Schüler J.S. Bachs, in: Bach-Jb. XLII, 1953, 5-27; - Ph. Spitta, J.S. Bach, 41930; - Hans Neemann, Bachs Lautenkompositionen, in: Bach-Jb. XXVIII, 1931, 72-87; - H. Kelletat, Zur Gesch. d. dt. Orgelmusik der Frühklassik, 1933; - H. Hüllemann, Die Tätigkeit des Orgelbauers Gottfried Silbermann im Reußenland, 1934; - Gotthold Frotscher, Gesch. d. Orgelspiels u. d. Orgelkomposition II. 1936, 1071-1077; - R. Sietz, Die Orgelkompositionen des Schülerkreises um J.S. Bach, in: Bach-Jb. XXXII, 1935, 33-96; - Ders., »Der einzige Krebs im Bache«: J.L.K., in: Das Musikleben, 1953, 16; - H. Volkmann, Neues über K., in: Altenburger Heimatblatt VII, Nr. 10, 20.10. 1938; - H. Keller, Die Orgelwerke Bachs, 1948; - W. Georgii, Klaviermusik, 1950; - B. Klein, K., der Bachschüler und Altenburger Schloßorganist, in: Altenburger Nachrichten v. 22.10. 1950; - E. Flade, Gottfried Silbermann, 1952; - W. Niemeyer, K., Bachschüler und Organist an der Marienkirche zu Zwickau, 1953; - Karl Tittel, Die musikalischen Vertreter der Familie K. mit besonderer Berücksichtigung der Bachschüler Johann Tobias und Johann Ludwig, Diss. Marburg, 1963; - Ders., Die Choralbearbeitungen für Orgel von K., in: Festschr. f. Hans Engel, 1964, 406-427; - Ders., Welche unter J.S. Bachs Namen angeführten Orgelwerke sind Johann Tobias bzw. J.L.K. zuzuschreiben?, in: Bach-Jb. LII, 1966, 102-137; - Ders., Vom »einzigen Krebs in meinem Bach«. J.L.K. als Bachschüler und Orgelkomponist, in: Muk XLVI, 1976, 172-181; - Hans Engel, Musik in Thüringen, 1966; - H. Zietz, Quellenkundliche Untersuchungen an den Bach-Hss. P 801, P 802 und P 803 aus dem »K.schen Nachlaß«, 1969; - ADB XVII, 96; - NDB XII, 728; - MGG VII, 1726-1736.
Hans-Josef Olszewsky
Werkeergänzung:
2009
Felix Friedrich, K.-Werkeverzeichnis (Krebs-WV). Themat.-systemat. Verz. d. musikal. Werke von J.L.K. Altenburg 2009.
Letzte Änderung: 16.09.2009