KÜHN, Gotthelf Bernhard, Liederdichter, Erbauungsschriftsteller, Redakteur
des Evangelischen Allianzblattes * 1. Dezenber 1863 in Penig/Sa.
als Sohn des Schumachers Karl Robert Kühn und dessen Ehefrau Johanna
Eleonore geb. Doberenz, + 20. März 1914 in Markersbach bei Penig/Sa.
- Ab 1879 als Kaufmannslehrling beim Peniger Tageblatt beschäftigt,
wird K. vom 15.-22. Lebensjahr von den Grundfragen des Lebens und
Glaubens umgetrieben. 1883 bekommt er eine Stellung in einer Buchbinderei
in Duisburg. Der Tod seiner Schwester, zerstörte Ideale, Enttäuschungen
im Beruf wecken um 1883 in ihm Selbstmordgedanken. Im Juli 1885 greift
er zum Neuen Testament und liest es mit bis dahin nicht gekannter
Aufnahmebereitschaft. Im Mai (1886?) erlebte er auf einem Missionsfest
»bei Erweckten im schwarzen Muldental... die Stunde seiner Wiedergeburt«.
Nach seiner Hochzeit mit Martha Teich nimmt er eine Stellung in Dresden
bei einem Juristen an. 1889-1901 arbeitet er im Landesverein für innere
Mission Dresden zunächst als Expedient und Registrateur, später als
Bundes- und Gemeinschaftspfleger. Während dieses Dienstes kommen ihm
Bedenken im Blick auf die Landeskirche. So folgt er einem Ruf nach
Frankfurt/M. als Sekretär im »Hilfsbund für christliches Liebeswerk
im Orient.« Dort läßt er sich taufen. Ab 1. Juli 1903 wird er als
Redakteur des »Evangelischen Allianzblattes« und Sekretär des Blankenburger
Zweiges der Evangelischen Allianz ins Evangelische Allianzhaus nach
Bad Blankenburg gerufen. Ein Allianzfreund spendete für 5 Jahre sein
Gehalt. Hier hatte er das Organ gefunden, durch das er seine Erkenntnisse
publizieren und den verspürten Drang zur Verkündigung in die Tat umsetzen
konnte. Allerdings, seine streitbare Feder im Evangelischen Allianzblatt
bringt ihn und den Blankenburger Zweig der Evangelischen Allianz in
Gegensatz zu zahlreichen Vertretern der Deutschen Ev. Allianz, u.a.
auch zu dem langjährigen Vorsitzenden Andreas Graf von Bernstorff.
K. nimmt 1904 und 1905 an den Brieger Wochen teil, er gehört am 5.
September 1905 auch zum Komitee der neugegründeten Allianzbibelschule
in Berlin (später Wiedenest), wo er die »Offenbarung« lehrt. Nachdem
Ernst Modersohn am 1. Mai 1906 Leiter des Ev. Allianzhauses geworden
war, siedelt er bald nach Berlin über. Dort konnte er besser an der
Schule mitarbeiten und Verbindungen zu den Persönlichkeiten der Allianz
wahrnehmen, die ihn auch bei dem nun wöchentlich erscheinenden Ev.
Allianzblatt unterstützen. 1907 wird er in die GmbH des Allianzhauses
gewählt. Er tritt weiterhin streitbar gegen Landes- und Freikirchen
auf. Auch Ernst Modersohn scheidet 1910 u.a. wegen des scharfen antikirchlichen
Tons im Allianzblatt aus der Leitung des Allianzhauses aus; er sah
sich in seiner freien Evangelisationstätigkeit behindert. Besonders
scharf stritt K. gegen die »Pfingstbewegung«. Nach schwerer Erkrankung,
er hatte sein Herz auf der rechten Seite, siedelt er 1909 nach Triberg/Schwarzwald
über, das er aber bereits im Sommer 1911 verläßt, um nach Markersbach
bei Penig/Sa. ins Haus des Schwiegervaters zu ziehen. In den letzten
Jahren wirkt er noch als Erbauungsschriftsteller. Den Plan, eine Zeitschrift
mit dem Titel »Wahrheit und Freiheit« herauszugeben, konnte er nur
noch seinem Freund Walther Meichsner zur Verwirklichung übergeben.
Nach einem schweren Todeskampf stirbt er dort 1914. - Als Liederdichter,
Herausgeber des Evangelischen Allianzblattes und Schriftsteller für
apologetische und Erbauungsliteratur, sowie als Konferenzredner und
Seelsorger gewann er für zahlreiche Menschen Bedeutung. Trotz großer
Hingabe an die Allianzsache fehlte ihm leider weitgehend das Verständnis
für die vielerlei Verwirklichungen der Nachfolge Jesu.
Werke: A) Liederbücher: Glaubens- und Erweckungs-Lieder.
Liederbuch für christliche Gemeinden und Gemeinschaften. Herausgegeben
von B.K.; Dem Herrn mein Lied. Ausgewählte Gedichte aus allen Gebieten
des Lebens; Beim Leuchten des Morgensterns. Neuere Gedichte; Die christliche
Botschaft von der Geburt des Herrn in Wort und Lied. 80 S.; Im Heiligtum.
70 selbstgedichtete Lieder mit vierstimmigem Notensatz für christliche
Versammlungen, Gesangchöre und Häuser; 19071; Auf Glaubenshöhen;
Allem Volk! (Luk.2,10) 20 neue Evangelisationslieder (nach volkstümlichen
Melodien). B) Erbauungsliteratur: Aus den Wogen des Zweifels auf den
Fels des Glaubens. Lebenserinnerungen; Gotha 1909; Geschichten und
Bilder aus dem Leben eines Gemeinschaftsmannes. Selbsterlebtes zur
Verteidigung des christlichen Gemeinschaftslebens. Krankheit und Heilung.
Belehrung, Licht und Trost für unsere Kranken aus der Heiligen Schrift
und der Erfahrung; Bonn 1912; Seufzet nicht widereinander. Ein Wort
zum Frieden in der Tauffrage; Gotha, 1906, 21 S.; Winke und Ratschläge
für das Versammlungswesen der Kinder Gottes. Geisweid i. Westf. 80
S. o. J.; Die Sünde nach dem ersten Johannesbrief. Beitrag zur Überwindung
eines kräftigen Irrtums; Neumünster. 78 S. o.J.; Was ist's mit der
Geistestaufe? Schriftstudie über Eph. 5,18. Neumünster. 24 S. o.J.;
Die »Pfingstbewegung« im Lichte der Heiligen Schrift und ihrer eigenen
Geschichte; Dies ist Mein Leib! Gedanken über das Mahl des Herrn und
seine schriftgemäße Feier; Hat der Herr auf die Gemeinde zu warten,
oder hat die Gemeinde auf den Herrn zu warten?; Zurück zur ersten
Liebe. (Zusammengefaßte Artikel aus dem Evangelischen Allianzblatt);
Die Einheit und Einigkeit der Kinder Gottes. Gotha 1903, 48. S.; Fürsten
des Glaubens. (Ebräer 11); Was ist Christentum? Ein Appell an solche,
welche mit Ernst Christen sein wollen. Bethanien. Eine kleine Geschichte
von großer Bedeutung; Drei Stücke wahren Christentums (Wiedergeburt
- Zielbewußtes Christsein - Einheit) 39 S.; Die Ankunft und der Tag
des Herrn; Wie Christen Weihnacht feiern. Zurück zur urchristlichen
Freiheit und Einigkeit!; Aus meines Vaters Garten. Blankenburger Briefblätter.
Lit.: H. Lödel, Bernhard Kühn. Blätter der Erinnerung.
in: Wahrheit und Freiheit, 12. Jg. 1925, 16 ff.