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Band IV (1992) Spalten 822-825 Autor: Martin Persch

KUNO (Konrad) II. von Falkenstein, Erzbischof und Kurfürst von Trier, * um 1320 auf Burg Falkenstein (Donnersberg) als Sohn des Grafen Kuno I. von Falkenstein und Münzenberg und der Gräfin Johanna von Saarwerden, † 21.5. 1388 auf Burg Maus bei Wellmich (Kreis St. Goarshausen). - K. entstammte dem bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts einflußreichen Geschlecht der Falkenstein, galt schon früh als ein durch geistige und körperliche Vorzüge herausragender Mann, wurde 1325 Domherr, 1345 Scholaster und 1348 Propst des Mainzer Domkapitels. Er erscheint auch als Inhaber der Propstei von Nörten und der Pfarrei »Wiszele« (beide Diözese Mainz) und als päpstlicher Kaplan, ist aber wohl nicht Propst von Frankfurt-St. Bartholomäus gewesen. Seit 1346 hatte er sich als einer der Stiftsverweser des Mainzer Erzstifts (Verzicht 1353 gegen eine hohe Abfindung) und äußerst streitbarer Anführer der Partei des Erzbischofs Heinrich III. von Virneburg einen Namen als Politiker, Organisator und Geldbeschaffer gemacht und die Aufmerksamkeit des alternden Trierer Erzbischofs Boemund II. (1354-1362) auf sich gezogen, der ihn am 4.4.1360 zum Koadjutor berief und dessen Nachfolge K. am 27.5.1362 antrat. Die Bischofsweihe empfing er im Herbst des gleichen Jahres in der Kapelle der Burg Peterseck über Wellmich. Seit 1363 war er auch Koadjutor des Erzbischofs Engelbert III. von Köln, der ihn erfolgreich um kriegerischen Beistand gegen die aufständischen Städte Andernach und Linz am Rhein gebeten hatte, und blieb nach dessen Tod 1368 bis zum Jahre 1371 Verweser des Kölner Erzstifts. Durch die Vereinigung von Kurköln und Kurtrier in seiner Hand war er in dieser Zeit eine der mächtigsten Gestalten am Rhein. Die Wahl zum Kölner bzw. Mainzer Erzbischof (1371) schlug er aus, da er so den Kölner Stuhl für seinen Neffen Friedrich III. von Saarwerden freihalten konnte, im Falle der Annahme von Mainz dagegen der höherrangigen Trierer Würde aber hätte entsagen müssen. - In Trier bewies er unmittelbar nach Besitzergreifung des bischöflichen Stuhls große Tatkraft, als er räuberische Einfälle der Bretonen ins Erzstift verhindern und sich in der Frage der Reichsunmittelbarkeit der Stadt Trier erfolgreich durchsetzen konnte (1364; 1377 erlitt er aber in der Frage des Moselzolls gegen die Stadt Trier eine Niederlage, die ihn derart grämte, daß die Hauptausstellungsorte seiner Urkunden in der Folgezeit Ehrenbreitstein, Pfalzel und Saarburg wurden). Reichspolitisch war das Streben K.s von familienpolitischen und territorialen Interessen geprägt; die Königswahl Wenzels (1376) ließ er sich teuer bezahlen. In kongenialer Nachfolge Balduins von Luxemburg erwies er sich als überaus geschicktes Finanztalent für das Erzstift. Er konnte auch ansehnliche territoriale Gewinne verbuchen (u. a. Engers, Molsberg, Schöneck, Vorbereitung des Anfalls von Limburg; 1380 erwarb er die Burgen Altenburg und Neuerburg sowie das Haupt des Apostels Matthias, das er auf die Burg Ehrenbreitstein bringen ließ) und den Hochadel unterwerfen (Wied, Isenburg 1371). Unter K. erfolgte die Einteilung des Erzstifts in Ämter und Gemeinden als Verwaltungsbezirke für alle weltlichen Angelegenheiten. Nach 26jähriger kraftvoller Regierung dankte der »bedeutendste geistliche Kurfürst seiner Zeit« (Georg Parisius), aus dessen Besitz der Trierer Domschatz ein Evangelienbuch mit einem der sechs bekannten Bildnisse des Erzbischofs aufbewahrt, Anfang 1388 zugunsten seines Großneffen Werner von Falkenstein ab, erhielt so den Erzstuhl gegen den anfänglichen Widerstand des Domkapitels im Familienerbe und starb kurze Zeit später. Sein Grabmal befindet sich in der St. Kastorkirche in Koblenz.

Lit.: Antiquitatum et annalium Trevirensium libri XXV. ... auctoribus Christophoro Browero et Jacobo Masenio, Bd. 2, Lüttich 1670, 235-254; - Gesta Trevirorum ed. J. H. Wyttenbach et M. F. J. Müller, Bd. 2, 1838, 273-295; - Rheinischer Antiquarius III, 2 (1854), 33-77; - Jakob Marx d. Ä., Gesch. des Erzstifts Trier I (1858), 157; - Adam Goerz, Regesten der Erzbischöfe zu Trier, Bd. 1, 1861, 97-120; - Johann Leonardy, Gesch. des Trierischen Landes und Volkes, 1877, 541-548; - Franz Ferdinand, C. v. F. als Erzbischof von Trier ..., Diss. Münster 1886; - Fritz Vigener, K. v. F. und Erzbischof Gerlach von Mainz in den Jahren 1354-1358, in: Mitteilungen des Oberhessischen Geschichtsvereins NF 14 (1906), 1-44; - Stephan Beissel, Das Evangelienbuch des Kurfürsten K. v. F. im Dome zu Trier (1380), in: Zeitschr. für christl. Kunst 20 (1907), 163-172; - Georg Parisius, Erzbischof K. II. von Trier in seinen späteren Jahren, 1376-1388, Diss. Halle 1910; - Gottfried Kentenich, Gesch. der Stadt Trier, 1915; - Ders., Der Trierer Kurfürst K. v. F. (1362-1388) und seine Zeit, in: Trierische Chronik 12 (1916), 1-10 u. 69-74; - Margot Remy, Die Buchmalerwerkstatt des Trierer Erzbischofs C. v. F., in: Trierer Zeitschr. 4 (1929), 49-74; - Carl Stenz (Hrsg.), Die Trierer Kurfürsten, 1937, 35; - Hermann Knaus, Über die Buchmalereiwerkstatt K.s v. F., in: Trier und das Reich 1 (1939), 105-108; - Handbuch des Bistums Trier XX (1952) 39; - Emil Zenz (Hrsg.), Die Taten der Trierer Gesta Treverorum, Bd. 6, 1962, 10-16; - Ferdinand Pauly, Aus der Gesch. des Bistums Trier. Teil 2: Die Bischöfe bis zum Ende des MA.s, 1969, 116-118; - Karl Ernst Demandt, Gesch. des Landes Hessen, 21972, 446-449; - Franz-Josef Heyen, Das Stift St. Paulin vor Trier (= Germania Sacra NF 6), 1972; - Richard Laufner, Die Ausbildung de Territorialstaates der Kurfürsten von Trier, in: Der deutsche Territorialstaat im 14. Jh., hrsg. v. Hans Patze, Bd. 2, 1972, 127-147, 145; - Franz J. Ronig, Die Statue des Trierer Kurfürsten am »Schönen Brunnen« in Nürnberg - ein Porträt?, in: Landeskundliche Vierteljahrsblätter 23 (1977), 131-134; - Ders., Die Bildnisse K.s v. F.: Typ oder Porträt?, in: Die Parler und der Schöne Stil 1350-1400, Bd. I, 1978, 211-214; - Erich Düsterwald, Kl. Gesch. der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier, 1980, 92-95; - Rudolf Holbach, Stiftsgeistlichkeit im Spannungsfeld von Kirche und Welt, Bd. 2, 1982, 469; - Bernhard Gondorf, Verwandtschaftl. Beziehungen der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier zueinander, in: Archiv für Sippenforschung 51 (1985), 203 f.; - Buchberger, Kirchl. Handlexikon II, 457; - Michael Hollmann, Das Mainzer Domkapitel im späten Mittelalter (1306-1476), Mainz 1990 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte Bd. 64); - ADB XVI, 627-629; - LThK1 VI, 155; - LThK2 VI, 681 f.; - NDB XII, 530 f.

Martin Persch

Literaturergänzung:

1997

Hans J. Jacobs, Kuno v. Falkenstein. Persönlichkeit u. Abbild, in: AmrhKG 49.1997, S. 25-43.

Letzte Änderung: 16.11.2008