Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres

NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie vierzehntägig über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.

Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!



Band XXII (2003) Spalten 701-705 Autor: Regina-Bianca Kubitscheck

KARL II., Erzherzog von Innerösterreich, * 3.6. 1540 in Wien, † 10.7. 1590 in Graz. - Erzherzog Karl war das zwölfte von fünfzehn Kindern sowie jüngster Sohn Kaiser Ferdinands I. und seiner Gemahlin Anna von Böhmen und Ungarn. Im Alter von zehn Jahren erhielt er seinen eigenen Hofstaat unter der Leitung des Hofmeisters Graf Leonhard von Harrach (1550). - Mit der Ferdinandeischen Hausordnung (und Wiener Testament; 25.2. 1554) teilte Kaiser Ferdinand I. die habsburgischen Länder unter den Söhnen auf. Während nach seinem Tode (25.7. 1564) Maximilian das Erzherzogtum Österreich unter und ob der Enns, Böhmen und Ungarn, die Kaiserwürde sowie die höchste Stellung und Erzherzog Ferdinand Tirol und die Vorlande erhielten, wurden Karl die innerösterreichischen Erblande übertragen (Steiermark, Kärnten, Krain, Görz, Inneristrien, Fiume, Triest und die habsburgischen Besitzungen in Friaul). Die drei Linien waren gleichberechtigt und jeder durfte Titel und Wappen führen. In einer feierlichen Einsetzungszeremonie als Herzog von Kärnten ließ sich Karl am Herzogstuhl auf dem Zollfeld persönlich huldigen (11.4. 1564). Graz wurde Residenzstadt und Sitz der innerösterreichischen Zentralverwaltung (Geheime Hofstelle, Hofkammer, Hofkriegsrat). - Um einen Ausgleich zwischen den aufständischen Niederlanden und Spanien zu vermitteln, reiste Karl im Oktober 1568 im Auftrage seines Bruders Maximilian II. an den spanischen Hof in Segovia. Gleichzeitig sollte er sich über die Todesumstände von Don Carlos (gestorben am 24.7. 1568 in der Gefangenschaft seines Vaters König Philipp II.) erkundigen und an den Heiratsverhandlungen der Kaisertochter Elisabeth mit König Karl IX. von Frankreich teilnehmen. Darüber hinaus nahm Karl im Februar 1569 offizielle Gespräche für eine innerhabsburgische Heiratsverbindung auf (Philipp II. wünschte sich nach dem Tode seiner dritten Gemahlin Elisabeth von Valois († 3.10. 1568) erneut zu vermählen und bemühte sich um Erzherzogin Anna, älteste Tochter Kaiser Maximilians II.). - Zu Beginn der Regierung Elisabeths I. von England (1558) faßte Kaiser Ferdinand I. eine mögliche Heirat seines Sohnes Ferdinand mit der protestantischen Königin ins Auge, da er bestrebt war, England auch nach dem Tode der katholischen Königin Maria I. (vermählt mit König Philipp II. von Spanien) unter dem Einfluß Habsburgs zu halten und die englischen Katholiken zu stützen. Nach Erzherzog Ferdinands Geständnis seiner heimlich geschlossenen Ehe mit Philippine Welser bot der Kaiser die Hand Erzherzog Karls an. Doch die jahrelangen Verhandlungen (1559-1570) mit der englischen Königin scheiterten zum einen an der religiösen Frage (ein Religionswechsel Karls kam nicht in Frage), zum anderen an Elisabeths strikter Weigerung, überhaupt zu heiraten. Auch die Heiratsverhandlungen mit Maria Stuart brachten nicht den erwünschten Erfolg (1563/64). Schließlich ehelichte Karl am 26.8. 1571 in einer prunkvollen Zeremonie seine Nichte Maria von Bayern (21.3. 1551-29.4. 1608), Tochter Herzog Albrechts V. aus dem Hause Wittelsbach. Fünfzehn Kinder wurden dem Paar geboren, deren sorgfältige Erziehung der streng katholischen Mutter oblag: Ferdinand (15.7.-3.8. 1572), Anna (16.8. 1573-10.2. 1598; heiratet am 31.5. 1592 König Sigismund II. von Polen), Maria Christierna (10.11. 1574-6.4. 1621; heiratet am 16.8. 1595 Fürst Sigismund Bathory von Siebenbürgen, Annullierung 1599, 1607 Stiftsdame, 1612 Oberin zu Hall/Tirol), Katharina Renata (4.1. 1576-29.6. 1595), Elisabeth (13.3. 1577-29.1. 1586), Kaiser Ferdinand II. (9.7. 1578-15.2. 1637), Karl (17.7. 1579-17.5. 1580), Gregoria Maximiliane (22.3.1581-20.9. 1597), Eleonore (25.9. 1582-28.1. 1620; Stiftsdame zu Hall/Tirol), Maximilian Ernst (17.11. 1583-18.2. 1616; 1615 Hoch- und Deutschmeister), Margarete (25.12. 1584-3.10. 1611; heiratet am 18.4. 1599 König Philipp III. von Spanien), Erzherzog Leopold V. von Österreich-Tirol, Bischof von Passau und Straßburg (9.10. 1586-13.9. 1632; heiratet am 19.4. 1626 Claudia von Medici), Konstanze (24.12. 1588-10.7. 1631; heiratet am 11.12. 1605 König Sigismund III. von Polen), Maria Magdalena (7.10. 1589-1.11. 1631; Großherzogin von Toskana durch Heirat am 19.10. 1608 mit Cosimo II. von Medici), Karl (7.8. 1590-28.12. 1624; 1613 Bischof von Brixen, 1618 Hoch- und Deutschmeister). - Karl, ein vehementer Verfechter der Gegenreformation, war entschlossen, die Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 auf seine Länder anzuwenden. Dagegen standen die überwiegend protestantisch gesinnten adligen Stände als auch die fortwährende Türkenbedrohung, für deren Gegenabwehr erhebliche finanzielle Unterstützung erforderlich wurde. Karl sah sich schließlich zu Konzessionen gezwungen. Mit der Grazer Religionspazifikation (24.2.1572) gewährte er den Herren und Rittern volle Religionsfreiheit, die er nochmals, jedoch nur mündlich, auf dem Landtag zu Bruck a.d. Mur bekräftigte, ebenso sicherte er den Bürgern Gewissensfreiheit zu (Brucker Libell, 9.2. 1578). Auf der Münchner Konferenz (13./14.10. 1579) beschlossen Karl, sein Bruder Ferdinand von Tirol und sein Schwager Wilhelm von Bayern jedoch die schrittweise Rekatholisierung in ihren Ländern. - 1572 berief Karl die Jesuiten nach Graz, die im Jahr darauf das Kollegium gründeten. Auch die dem heiligen Ägidius geweihte Domkirche (ab 1564 Hofkirche) übergab Karl 1577 dem Jesuitenorden. Aus dem Kollegium ging die von Karl 1585 gegründete Grazer Jesuitenuniversität hervor, die allen sozialen Schichten eine unentgeltliche Ausbildung gewährte (Karls Sohn Ferdinand trug sich als erster in die Matrikel ein). Die Universität diente als Gegengewicht zur evangelischen Stiftsschule der protestantischen Landstände, an der u.a. Johannes Keppler lehrte. - Karl übte besonders auf Graz einen bleibenden Einfluß aus. Die Erweiterung der Burg und des Doms und die Umgestaltung des Schloßbergs mit Uhrturm fallen in seine Regierungszeit. Er förderte Kunst und Kultur, so errichtete er z.B. die Grazer Kunstkammer. 1584-90 erfolgte der Bau des Lustschlosses Karlau (heute Strafvollzugsanstalt), wo Karl seiner Jagdleidenschaft frönen konnte. Neben dem Ausbau der Residenzstadt als Festung gegen die ständig drohende Türkengefahr begann ab 1578 auch der Aufbau des Grenzschutzes in Kroatien; die Festung Karlstadt (Karlovac) wurde nach Karl benannt. 1580 gründete er in Lipizza bei Triest das berühmte Gestüt. - Von 1587 bis 1612 ließ Karl für sich und seiner Familie von italienischen Künstlern (Alexander de Verda, Sebastian Carlone) in der Basilika von Seckau ein Mausoleum errichten, welches zu den bedeutendsten Schöpfungen der Renaissance und des Frühbarock zählt. In der Gruft unter dem Mausoleum fand der Erzherzog seine letzte Ruhestätte. - Während es Karl nicht gelungen war, die Rekatholisierung energisch durchzusetzen, führte schließlich sein Sohn Ferdinand, seit 1619 Kaiser, mit aller Konsequenz die Gegenreformation durch.

Werke: Sammelwerk, Antwort der catholischen königlichen Maiestet, auff das jenige, was der Durchleuchtigst, und Hochgeborene Fürst, Carle Ertzhertzog von Oesterreich, derselben Vetter, in namen und von wegen des Allerdurchleuchtigsten, Großmechtigsten Fürsten, Herren Maximiliani II Römischen Keysers, desselben geliebten Brudern, des niderländischen Kriegswesen halber, fürgebracht. Auch ist zu endt ein Edict mit angehenckt so König. May. inn Polen an die Statt Wilda, wegen der Empörung und Auffrur, so die von der Catholischen Römischen Kirchen, wider die Leut und Kirchendiener des evangelischen und sächsischen hauffens, erweckt, außgehen lassen, 1582; - Felgel, A.V. (Hrsg.), Instruktion Kaiser Ferdinands für den Hofmeister Grafen Leonhard von Harrach zur Erziehung des Erzherzogs Karl aus dem Jahre 1550, in: Mitt. der Ges. f. deutsche Erziehungs- und Schulgeschichte 5(1895), 286-89; - Johann Loserth (Hrsg.), Acten und Correspondenzen zur Geschichte der Gegenreformation in Innerösterreich unter Erzherzog Karl II (1578-1590), Wien 1898; - Ders., Urkundliche Beiträge zur Geschichte Erzherzog Karls II. in den beiden ersten Regierungsjahren (die Errichtung der Regierung und Kammer in Graz), Veröffentlichungen der historischen Landes-Commission für Steiermark, 5, Graz 1898; - Ders., Briefe und Acten zur steiermärk. Geschichte unter Erzherzog Karl II., Veröffentlichungen der historischen Landes-Comission für Steiermark, 10, Graz 1899.

Lit.: Johann Loserth, Die Reise Erzherzog Karls II. nach Spanien (1568-1569). Ein Beitrag zu Geschichte des Don Carlos, in: MittHVSteiermark 44, 1896, 130-204; - Hans von Zwiedineck, Die Hochzeitsfeier Erzherzogs Karl II. mit Maria von Baiern, in MittHVSteiermark 47, 1899, 193-213; - Josef Wastler, Das Kunstleben am Hofe zu Graz unter den Herzogen von Steiermark, den Erzherzogen Karl und Ferdinand, Graz 1897; - Johanna Wehner, Maria von Bayern..., Diss. (Graz) 1965; - Alexander Novotny, Berthold Sutter (Hg.), Innerösterreich 1564-1619, Graz 1967; - Johann Rainer, Versuche zur Errichtung neuer Bistümer in Innerösterreich unter Erzherzog Karl II. und Kaiser Ferdinand II., in: MIÖG 68 (1960), 457-69; - Ders., Die Entwicklung der Diözseaneinteilung in der Steiermark. Mit besonderer Berücksichtigung der Zeit Karls II. und Ferdinands II., in: Innerösterreich 1564-1619, Sonderdruck, Graz 1968, 233-259; - Balduin Saria, Erzherzog Karl II. und die slowenische Reformation, in: Innerösterreich 1564-1619, Sonderdruck, Graz 1968, 119-151; - Kurt Diemer, Die Heiratsverhandlungen zwischen Königin Elisabeth I. von England und Erzherzog Karl von Innerösterreich 1558-1570, Diss., (Tübingen) 1969; - Berthold Sutter, Kaiser Ferdinand I. (1503-1564) und seine beiden jüngeren Söhne Erzherzog Ferdinand von Tirol (1529-1595) und Erzherzog Karl II. von Innerösterreich (1540-1590), in: Renaissance in Österreich. Geschichte, Wissenschaft, Kunst, Ausstellungskatalog, Wien 1974, 350-60; - Georg Heilingsetzer, Karl II. Erzherzog von Innerösterreich, in: Brigitte Hamann (Hrsg.), Die Habsburger. Ein biographisches Lexikon, Wien 41988, 203-206; - Maximilian Lanzinner, Friedenssicherung und politische Einheit des Reiches unter Kaiser Maximilian II. (1564-1576), Göttingen 1993; - Karl Amon, Abwehr der Reformation und Rekatholisierungsversuche in Innerösterreich unter Ferdinand I. und Karl II., in: France M. Dolinar u.a. (Hrsg.), Katholische Reform und Gegenreformation in Innerösterreich 1564-1628, Klagenfurt u.a. 1994, 405-418; - Susan Doran, Monarchy and Matrimony. The Courtships of Elizabeth I, London-New York 1996, 73-98; - Friedrich Edelmayer (Hrsg.), Die Korrespondenz der Kaiser mit ihren Gesandten in Spanien. Bd. 1: Der Briefwechsel zwischen Ferdinand I., Maximilian II. und Adam von Dietrichstein 1563-1565 (bearb. Arno Strohmeyer), Wien 1997; - Nicole Handschuher, Das Reich in Europa: Die Außenbeziehungen von Kaiser und Reichsständen 1565-1570, Diss., (Passau) 2001; - Ernst Laubach, Ferdinand I. als Kaiser. Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V., Habil. (Münster), 2001, 713-725.

Musik: Albert Dunning (Hrsg.), Staatsmotetten für Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, in: Musik alter Meister, 21/22, Graz, 1971; - Filippo di Monte, Giulio Zacchini, Robert Lindell (Hrsg.), Drei Widmungsstücke an Erzherzog Karl II. von Innerösterreich zu 4 Stimmen, in: Musik alter Meister, 53, Graz, 1988.

Regina-Bianca Kubitscheck

Letzte Änderung: 28.02.2005