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Band XX (2002)Spalten 832-835Martin Tamcke

KAVAFIS, Konstantinos, * 29. April 1863 in Alexandria, Ägypten, gestorben ebenda am 29.4. 1933. Bahnbrechender griechischsprachiger Lyriker und Prosaist. - Als Sohn und letztes Kind von Harikleia Fotiadis und Petros J. Kavafis, einem der wichtigsten Händler Alexandrias, geboren, siedelte er 1870 mit der Familie nach dem Tod des Vaters nach London über., 1872 nach Liverpool, 1874 wieder nach London und 1876 wiederum nach Liverpool, wo die Firma nach fehlgeschlagenen Spekulationen in Konkurs geriet. 1877 wurde die elterliche Firma liquidiert und die Familie kehrte nach Alexandria zurück. Er besuchte das Hermes-Gymnasium in Alexandria, der Privatschule des in Deutschland promovierten Hellenisten Konstantinos Papazis aus Chios. Hier begann Kavafis seine Arbeit an einem historischen Lexikon. 1882 wurde die Stadt infolge politischer Unruhen von der englischen Flotte bombardiert. Unter dem Druck der Nationalbewegung unter Ali Pascha müssen Tausende christliche Mitbürger Ägyptens das Land verlassen. Mit seiner Mutter floh Kavafis auf einem österreichischen Dampfer nach Istanbul/Konstantinopel, wo die Familie drei Jahre in der Wohnung des Vaters verbrachte. Hier vertiefte sich Kavafis in die Schriften antiker und byzantinischer Autoren. 1885 kehrte die Familie nach Alexandria zurück und wurde 1892 als Beamter des Ministeriums für Wasserwirtschaft angestellt. Diese Stellung sollte er dann dreißig Jahre innehaben. !897 Reisen nach Paris und London, 1901/02 nach Griechenland, 1903 nach Athen, dorthin auch 1905. 1914 kommt es zur Bekanntschaft mit E. M. Forster. 1922 Kündigung der Stelle beim Ministerium. 1926 Verleihung der griechischen Phoenix-Medaille durch den Diktator Pangalos. 1930 Intensive Begegnung mit dem Theoretiker der Futuristen, Filippo Tommaso Marinetti. 1932 wurde bei ihm Rachenkrebs diagnostiziert, der zunächst in Griechenland behandelt wurde. Seine Verse zeichnen sich durch Einfachheit aus und wirkten etwa auf Bertolt Brecht inspirierend. Die unzähligen Ausgaben und Werkausgaben in entsprechend vielen Sprachen dokumentieren auf eindrückliche Weise die Bedeutung dieses Dichters, der sich einer literaturwissenschaftlichen Verortung dennoch weithin entzieht. Der Verzicht auf rhetorische Mittel und Ornamente entfernte sich von der Sprache des Fin de siècle und prägte die Sprache des modernen Gedichts. Neben der steten Beachtung der Sinnlichkeit im Werk des Dichters, wurden zunächst dessen politische und historischen Stoffe und deren Interpretation der historischen Überlieferung Gegenstand der Erforschung. Erst langsam wurde auch seine Fortentwicklung des Byzantinismus und seine Variante griechisch-orthodoxer Frömmigkeit, bzw. seine Transferierung orthodoxer theologischer Inhalte Thema. In vielem ist sein Werk, trotz seiner Anbindungen an Literaturtraditionen in Europa und seiner sozialen Außenseiterrolle charakteristisch für Identität und Geschichtsbewußtsein der griechisch-orthodoxen Christen in Ägypten, einer religiösen Minderheit in der religiösen Minderheit mit ihren Problemen zwischen Byzanz und Arabertum, Christentum und Islam.

Werkausgaben: Ta poiemata, hrsg. A. u. R. Sengopulos, Alexandria 1935; Genealogia, in: Nea Hestia, Athen 1948, 622-629; Anekdota peza keimena, Eisagoge kai metafrase Michale Peride, Athen 1963; Peri ekklesias kai theatru, hrsg. G. P. Sabbides, Athen 1963; Poimata A (1896-1918), B (1919-1933), hrsg. G. P. Sabbide, Athen 1963; Peza, Parusiase, scholia G. A. Paputsakes, Athen 1963 (ND Athen 1993); Autografa poiemata (1896-1923), hrsg. G. P. Sabbides, Athen 1968; Anekdota poiemata (1882-1923), G. P. Sabbide, Athen 1968 (ND Athen 1977); Eis to fos tes hemeras. Hrsg. Renata Lavagnini, Quaderni 8, Istituto de Fililogia Greca, Universita di Palermo 1979; Epistoles ston Mario Baiano, hrsg. E. N. Moschu, Athen 1979; Hapanta, 6 Bde. , hrsg. F. G. Fexes, Athen 1982-1983; `Samiu epitafion' e `Tigranokerta', hrsg. Renata Lavagnini, Quaderni 9, Istituto di Filologia Greca, Universita di Palermo 1982; Anekdota semeiomata poitikes kai ethikes (1902-1911), hrsg. G. P. Sabbide, Athen 1983; Apokerygmena poiemata kai metafraseis 1886-1898, hrsg. G. P. Sabbides, Athen 1983; Dyo anekdota peza poiemata, hrsg. Timu Malanu, Athen 1984; 26 apokerygmena poiemata, hrsg. Timu Malanu, Athen 1984; Erotika poiemata, hrsg. Eugenios Arantises, Athen 1984; Hapanta poiemata 1896-1933, Athen 1984; Ta Elgineia marmara, Athen 1988; Hapanta poietika, Athen 1990; Ta apokerygmena poiemata, hrsg. Marios Markides, Athen 1990; Krymmena poemata 1877-1923, hrsg. G. P. Sabbides, Athen 1993; Atele poiemata 1918-1932, hrsg. Renata Lavagnini, Athen 1994; Poiemata, hrsg. Demetres Lekkas, Athen 1994; K.P. Kabafes, hrsg. Miles Suliotes, Athen 1995; Ta poiemata, Thessaloniki 1996.

Werkausgaben in deutscher Übersetzung: Zu den zahlreichen Werkausgaben in englischer Sprache s. Elsie, Gesamtwerk, 350-351, in franzöischer Sprache s. Elsie, Gesamtwerk, 351, in italienischer Sprache s. Elsie, Gesamtwerk, 352, in spanischer Sprache s. Elsie, Gesamtwerk, 352, in anderen Sprachen (u.a. in Niederländisch, Schwedisch, Portugiesisch, Rumänisch, Katalanisch, Brasilianisch, Dänisch, Russisch) s. Elsie, Gesamtwerk, 352-353; Gedichte des Kavaphis, übersetzt von W. Jablonski, Jerusalem 1942; Der Wein der Götter, übersetzt von W. Cordan, Maastricht 1947; Der Wein der Götter, übersetzt von W. Cordan, Berlin 1951; Gedichte des Konstantin Kavafis, hrsg. Von Helmut von den Steinen, Frankfurt 1953 (ND Frankfurt 1965); Gedichte, hrsg. Von Helmut von den Steinen, Amsterdam 1962; Ithaka, Gedichte von Konstantin Kavafis, übersetzt von Helmut von den Steinen, Frankfurt 1967; Ausgewählte Gedichte, Griechisch und Deutsch, ausgewählt und hrsg. Von Georgios Aridas und Karin Aridas, Nachdichtungen von Adolf Endler, Helmut von den Steinen und Karl Dieterich, Leipzig 1979; Brichst du auf gen Ithaka ... Sämtliche Gedichte, übersetzt von Wolfgang Josing und Doris Gundert, Köln 1983 (ND 1987); Kavafis. Segeris. Auswahl aus den Gedichten, übertragen von Lorenz Gyömörey, Athen 1984; Gedichte. Das gesammelte Werk, übersetzt und eingeleitet von Helmut von den Steinen, Amsterdam 1985; Am hellichten Tag. Übersetzt von Maro Mariolea, Nachwort von Dimitris Daskalopoulos, Salzburg 1989; Drei Gedichte, übersetzt von Robert Elsie, in: Hellenika, Jahrbuch für die Freunde Griechenlands, Bochum 1989, 116-118; Um zu bleiben, Liebesgedichte griechisch und deutsch, Übersetzung und Nachwort von Michael Schroeder, Frankfurt 1989; Die Lüge ist nur gealterte Wahrheit, Notate, Prosa und Gedichte aus dem Nachlaß, hrsg. und übersetzt von Asteris Kutulas, München 1991; Dreizehn Liebesgedichte, übersetzt von K. E. Apostolidis-Kusserow, Berlin 1993; Die vier Wände meines Zimmers, verworfene und unveröffentlichte Gedichte, übersetzt von Ina und Asteris Kutulas, München und Wien 1994; Das Gesamtwerk, übersetzt und herausgegeben von Robert Elsie, Frankfurt 1999.

Lit.: Eine weitergehende Literaturliste bietet Elsie, Gesamtwerk, 353-358. Hier erfolgte die Beschränkung auf das im kirchlichen Kontext Wichtige; - C. M. Bowra, Constantine Cavafy and the Greek past, in: The creative experiment, London 1949, 29-60; - Douard Roditi, Cavafis and the permanence of Greek history, in: Peotry, 3 (März) 1953; - Peter Bien, Constantine Cavafy, New York 1964; - Rex Warner und Th. D. Frangopoulos, On the Greek style, Selected essays in poetry and Hellenism, Boston 1966; - Rex Warner und Th. D. Frangopoulos, On the Greek style, Selected essays in poetry and Hellenism, London 1966; - Giannes Dallas, Kabafes kai historia, Athen 1974; - Robert Lidell, Cavafy, New York 1974; - Edmond Keeley, Cavafy's Hellenism, in: Review of National Literatures 5.2, Fall 1974; - Robert Lidell, Cavafy, A critcal biography, London 1974; - Edmond Keely, Cavafy's mythical Alexandria, in: Boston University Journal, Boston 1975; - Diskin Clay, The silence of Hermippos, Greece in the poetry of Cavafy, in: Byzantine and Modern Greek Studies 3, Hannover NH 1977, 95-116; - Edmond Kelley, Cavafy's Alexandria, Study of a myth in progress, Cambridge MA 1976; - Jane Lagoudis Oinchin, Alexandria still, Forster, Durell and Cavafy, Princeton 1977; - Edmond Kelley, Cavafy's Alexandria, Study in a myth in progress, London 1977; - Nasos Vayenas, The language of irony, Towards a defintion of the poetry of Cavafy, in: Byzantine and Modern Greek Studies 5, Birmingham 1979, 43-56; - Valerie A. Caires, Originality and eroticism, Constantine Cavafy and the Alexandrian epigram, in: Byzantine and Modern Greek Studies 6, Birmingham 1980, 131-156; - Glenn W. Bowersock, The Julian poems of C. P. Cavafy, in: Byzantine and Modern Greek Studies 7, Oxford 1981, 89-104; - Roderick Beaton, C. P. Cavafy, Irony and Hellenism, in: The Slavonic and East European Review 59.4, London 1981, 516-528; - Marina Risva, La pensée politique de Constantin Cavafy, Les Belles Lettres, Paris 1981; - Diana Haas, Cavafy's reading notes on Gibbons `Decline and Fall', in: Folia Neohellenica, Zeitschrift für Neogräzistik 4, Amsterdam 1982, 25-96; - Diskin Dallas, Ho hellenismos kai he theologia ston Kabafe, Athen 1986; - Joseph Brodsky, Less than one, New York 1986; - Gregory Jusdanis, The poetics of Cavafy, Textuality, eroticism, history, Princetin NJ 1987; - Christopher Robinson, C. P. Cavafy, Bristol 1988; - Dietram Müller, Die Verwandlung antiker Motive im Werk des Konstantinos Kavafis, in. Antike und Abendland, Beiträge zum Verständnis der Griechen und Römer und ihres Nachlebens 35, Berlin 1989, 131-132; - Michaela Prinzinger, Complicity and conflict: some aspects of reading and gender in Cavafy, in: Byzantine and Modern Greek Studies 17, Birmingham 1993, 105-125; - Edmond Keeley, Cavafy's Alexandria, Princeton 1996; - Margierite Yourcenar, Konstantions Kavafis, in: Konstantinos Kavafis, Das Gesamtwerk, hrsg. Von Robert Elsie, 5-49.

Martin Tamcke

Letzte Änderung: 21.05.2002