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Band IV (1992) Spalten 1258-1259 Autor: Paul Duclos

LA VALETTE, Antoine, bekannt durch die »Affäre Lavalette«, * 26.10. 1708 in Martrin (Aveyron), + 13.12. 1767 in Toulouse. - 1725 trat er in das Noviziat der Jesuiten von Toulouse ein. 1740 wurde er zum Priester geweiht und 1742 auf die Antillen in die Mission geschickt. 1746 wurde er, nachdem sein Geschäftssinn erkannt worden war, Bevollmächtigter des zentralen Amtssitzes von Martinique. Unternehmerisch, geschickt, aber von tollkühnem Wagemut, verringerte er die Schulden der Mission, indem er viele Schiffsladungen mit Kaffee, Zucker und Indigo nach Frankreich verschickte. 8 Jahre lang schien ihm alles zu gelingen, so gut, daß er 1753 zum Superior und zum apostolischen Präfekten der Inseln befördert wurde. Nach Anschuldigungen von Siedlern, die auf seinen Erfolg eifersüchtig waren, wurde er vom Marinesekretär nach Paris beordert. Es gelang ihm, sich das Vertrauen der Obrigkeit des Ordens trotz seiner Finanzaktionen, die sie vor vollendete Tatsachen stellte, zu bewahren. Nach Martinique zurückgekehrt, entsandte er abermals Schiffe. Doch wurden sie 1756 von englischen Piraten gekapert, was einen Verlust von 600.000 Pfund bedeutete, der den Konkurs der Marseiller Firma Lioncy et Gouffre nach sich zog. Im Verlauf des Krieges mit England wurden auch die nachfolgenden Konvois abgefangen. Während es dem Bevollmächtigten der Inseln in Paris nicht gelang, die Schulden zu bezahlen, weigerte sich La Valette, die Anordnungen des Provinzials zu befolgen und setzte stattdessen seine Wechselgeschäfte und seinen Handel mit zwielichtigen Leuten fort. Zweifellos erwies sich die Rechts- und Finanzlage der Jesuiten in Frankreich als zu schwierig, um die Marseiller Firma sofort zu befriedigen, doch eine Anleihe auf die bedeutenden Besitzungen der Antillen hätte die Schulden weitgehend decken können. Bei dieser Lage der Dinge war die Unbesonnenheit und Unvorsichtigkeit der Obrigkeit und des Bevollmächtigten von Paris unbegreiflich, die nicht nur auf diese Anleihe verzichteten, sondern vor allem einen Prozeß vor dem Parlament in Paris anstrengten (anstatt vor dem »Conseil Royal«, was viel vorteilhafter gewesen wäre) und sich damit in die Höhle des Löwen begaben. Sofort beeilten sich 1760 die Widersacher der Jesuiten (die bereits aus Portugal vertrieben worden waren), dem Gericht Informationen zu liefern, und zwar nicht nur über die Affäre La Valette, sondern über den ganzen Orden: Seine Statuten, seine Organisation und seine Moral wurden untersucht, während Wechsel in Höhe von 3.000.000 Pfund, von dem unerwarteten Vorteil profitierend, auf ihn zukamen. Am 6.8. 1762 verkündete das Parlament die Auflösung des Ordens in Frankreich. Was P. La Valette anbetrifft, so verließ er den Orden im Mai 1762, versehen mit reichlicher Wegzehrung. Vor dem Inspektor, der vom General geschickt worden war, mußte er bekennen, daß er ohne Wissen der Obrigkeit Handel getrieben hatte. Er gelangte nach Holland und kehrte 1764 nach Toulouse zurück, wo er im Beisein eines Oratorianers starb.

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Werke: Sommervogel, 11, 1773-78.

Lit.: Crétineau-Joly, Hist. de la Cie de J., 3° éd. 1851, 190-204; - Rochemonteix, Le P.L. à La Martinique,1907; - Biogr. Univ., 23, 393-96; - Hoefer, Biog.Gén., 29, 970-73; - Delattre, Etablissements des jés., 2, 541-42; - Catholicisme, 7, 73-75.

Paul Duclos

Letzte Änderung: 09.04.2011