LACOMBE, Dominique, französischer Bischof der Revolutionszeit, * 25.7.
1749 in Montréjean (Haute-Garonne), + 7.4. 1823 in Angoulême.
- Mit 17 Jahren trat L. 1766 bei den `pères doctrinaires' in Tarbes
zum Studium der Theologie ein, das bis zu seiner Priesterweihe 1777
währte. Nach weiteren elf Jahren Lehrtätigkeit wurde er 1788 zum Rektor
des Collège du Guienne in Bordeaux ernannt. Schon vor dieser Zeit
ein überzeugter Anhänger der aufgeklärten Ideen, unterstützte er begeistert
die Revolution von 1789. 1790 wurde er zum Pfarrer der Kirche St.
Paul in Bordeaux gewählt (seiner ehemaligen Seminarkirche), im gleichen
Jahr zum Mitglied der gesetzgebenden Versammlung ernannt. Er vertrat
den Constitutionseid des Klerus und die Abschaffung des geistlichen
Gewandes. Einen Tag nachdem dies beschlossen war, reichte er aber
am 7.4. 1792 seine Demission aus dieser Körperschaft ein, da er das
anstehende Scheidungsgesetz nicht mehr mit seinem Priestertum vereinbaren
konnte. Er kehrte nach Bordeaux zurück, wo er jedoch weiter im Sinne
der neuen Ideologie wirkte. Für diese `Verdienste' wählte ihn der
konstitutionelle Klerus 1797 zum Erzbischof von Bordeaux, worauf er
am 14. Februar 1798 aus den Händen Saubrines die Bischofsweihe empfing.
Im gleichen Jahr nahm er am 2. Nationalkonzil der Konstitutionskirche
teil und wirkte in ihrem Sinne, aber mit großer Umsicht und Eifer
bis 1801, als Bonaparte wegen der anstehenden Konkordatsverhandlungen
mit dem Hl. Stuhl seinen Rücktritt befahl. Nach zahlreichen diplomatischen
Verwicklungen erreichte es der hartnäckige L., zu den zwölf Konstitutionsbischöfen
zu gehören, die in das neue System übernommen wurden. Erst 1804 erkannte
er unter Vorbehalt die Souveränität des Papstes in spiritualibus an,
wozu ihn Napoleon anläßlich seiner Krönungsofferte an Pius VII. quasi
gezwungen hatte. Jedoch zeigen seine Mandements von 1809 und 1811,
daß dies beim Lippenbekenntnis blieb. Als überzeugter Republikaner
geriet er 1814 in schwere Auseinandersetzungen mit den restaurierten
Bourbonen und begrüßte begeistert die Rückkehr Napoleons. Während
der `100 Tage' weilte er in Paris, um im vollen Pontifikalornat an
den Feiern auf dem Champs du Mars teilzunehmen. Nach 1815 stieß er
durch seine nach wie vor ungeänderte Haltung auf zunehmenden Widerstand
bei Diözesanklerus und Volk. In Angoulême, wo er seit 1802 Bischof
war, häuften sich die Proteste. Sein Tod am 7. April 1823 wurde eher
erleichtert aufgenommen, auch wenn seine Beisetzung nochmals zum Anlaß
einer republikanischen Demonstration wurde. - L. verkörperte den
Idealtypus des Revolutionspriesters, der, von den Gedanken der `illumination'
bestimmt, nicht die antikirchlichen und antichristlichen Elemente
der Revolution, die ihr wesenseigen sind, erkennen wollte oder konnte.
Daß er zum Martyrium von Tausenden von Mitbrüdern schwieg, kann nicht
entschuldigt werden, auch wenn sein Widerstand gg. das Scheidungsgesetz
einen Rest priesterlichen Denkens erkennen läßt. Auch als Ortsbischof
war L. persönlich integer und auf das Wohl seiner Diözesanen bedacht.
Sein Grab befindet sich in der Cathedrale von Angoulême.
Werke: neben zahlreichen Hirtenbriefen sind bedeutsam:
die kirchenpolitischen Mandements aus Angoulême von 1804, 1809 und
1811 (Einzeldrucke).
Lit.: Annales de la Réligion et du sentiment XV (1791),
134; - Jean Cazaintre, Entretiens pacifiques sur les affaires
de la Réligion en France, 1802; - Conduite des Evèques constitutionels
transférés a des nouveaux sièges, 1802; - Quelques vérités au
clergé d'Angoulême, 1814; - L'ami de la Réligion et du Roi XX
(1823), 337-344; - Alphonse J. Mahul, Annuaire nécrologique III,
1823; - Aurélien Vivie, Histoire de la Terreur à Bordeaux, 1877;
- Paul Pisani, L'Episcopat constitutionnel, 1907; - Gabriel
Tricoire, Les évèques d'Angoulême, 1912; - Jean Leflon, Etienne
Aléxandre Bernier, évèque d'Orléans 1762-1806, 1938; - Eduard
de Pressance, L'Eglise et la Révolution Française, 1982; - Paul
Christophe, Les prêtres de la Revolution Française, 1986; - Jean
Jézéquel, La Révolution Française à Angoulême, 1988; - Bernard
Cousin, La pique et la croix, 1989; - Yann Fanchois, Réligion
et France révolutionnaire, 1989; - Catholicisme VI (1967), 1562-1564;
- Nouv. Biogr. Gén. XIII (1967), 541-543; - Hier.Cath. VII,
187.