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Band IV (1992) Spalten 941-943 Autor: Josef Johannes Schmid

LACOMBE, Dominique, französischer Bischof der Revolutionszeit, * 25.7. 1749 in Montréjean (Haute-Garonne), + 7.4. 1823 in Angoulême. - Mit 17 Jahren trat L. 1766 bei den `pères doctrinaires' in Tarbes zum Studium der Theologie ein, das bis zu seiner Priesterweihe 1777 währte. Nach weiteren elf Jahren Lehrtätigkeit wurde er 1788 zum Rektor des Collège du Guienne in Bordeaux ernannt. Schon vor dieser Zeit ein überzeugter Anhänger der aufgeklärten Ideen, unterstützte er begeistert die Revolution von 1789. 1790 wurde er zum Pfarrer der Kirche St. Paul in Bordeaux gewählt (seiner ehemaligen Seminarkirche), im gleichen Jahr zum Mitglied der gesetzgebenden Versammlung ernannt. Er vertrat den Constitutionseid des Klerus und die Abschaffung des geistlichen Gewandes. Einen Tag nachdem dies beschlossen war, reichte er aber am 7.4. 1792 seine Demission aus dieser Körperschaft ein, da er das anstehende Scheidungsgesetz nicht mehr mit seinem Priestertum vereinbaren konnte. Er kehrte nach Bordeaux zurück, wo er jedoch weiter im Sinne der neuen Ideologie wirkte. Für diese `Verdienste' wählte ihn der konstitutionelle Klerus 1797 zum Erzbischof von Bordeaux, worauf er am 14. Februar 1798 aus den Händen Saubrines die Bischofsweihe empfing. Im gleichen Jahr nahm er am 2. Nationalkonzil der Konstitutionskirche teil und wirkte in ihrem Sinne, aber mit großer Umsicht und Eifer bis 1801, als Bonaparte wegen der anstehenden Konkordatsverhandlungen mit dem Hl. Stuhl seinen Rücktritt befahl. Nach zahlreichen diplomatischen Verwicklungen erreichte es der hartnäckige L., zu den zwölf Konstitutionsbischöfen zu gehören, die in das neue System übernommen wurden. Erst 1804 erkannte er unter Vorbehalt die Souveränität des Papstes in spiritualibus an, wozu ihn Napoleon anläßlich seiner Krönungsofferte an Pius VII. quasi gezwungen hatte. Jedoch zeigen seine Mandements von 1809 und 1811, daß dies beim Lippenbekenntnis blieb. Als überzeugter Republikaner geriet er 1814 in schwere Auseinandersetzungen mit den restaurierten Bourbonen und begrüßte begeistert die Rückkehr Napoleons. Während der `100 Tage' weilte er in Paris, um im vollen Pontifikalornat an den Feiern auf dem Champs du Mars teilzunehmen. Nach 1815 stieß er durch seine nach wie vor ungeänderte Haltung auf zunehmenden Widerstand bei Diözesanklerus und Volk. In Angoulême, wo er seit 1802 Bischof war, häuften sich die Proteste. Sein Tod am 7. April 1823 wurde eher erleichtert aufgenommen, auch wenn seine Beisetzung nochmals zum Anlaß einer republikanischen Demonstration wurde. - L. verkörperte den Idealtypus des Revolutionspriesters, der, von den Gedanken der `illumination' bestimmt, nicht die antikirchlichen und antichristlichen Elemente der Revolution, die ihr wesenseigen sind, erkennen wollte oder konnte. Daß er zum Martyrium von Tausenden von Mitbrüdern schwieg, kann nicht entschuldigt werden, auch wenn sein Widerstand gg. das Scheidungsgesetz einen Rest priesterlichen Denkens erkennen läßt. Auch als Ortsbischof war L. persönlich integer und auf das Wohl seiner Diözesanen bedacht. Sein Grab befindet sich in der Cathedrale von Angoulême.

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Werke: neben zahlreichen Hirtenbriefen sind bedeutsam: die kirchenpolitischen Mandements aus Angoulême von 1804, 1809 und 1811 (Einzeldrucke).

Lit.: Annales de la Réligion et du sentiment XV (1791), 134; - Jean Cazaintre, Entretiens pacifiques sur les affaires de la Réligion en France, 1802; - Conduite des Evèques constitutionels transférés a des nouveaux sièges, 1802; - Quelques vérités au clergé d'Angoulême, 1814; - L'ami de la Réligion et du Roi XX (1823), 337-344; - Alphonse J. Mahul, Annuaire nécrologique III, 1823; - Aurélien Vivie, Histoire de la Terreur à Bordeaux, 1877; - Paul Pisani, L'Episcopat constitutionnel, 1907; - Gabriel Tricoire, Les évèques d'Angoulême, 1912; - Jean Leflon, Etienne Aléxandre Bernier, évèque d'Orléans 1762-1806, 1938; - Eduard de Pressance, L'Eglise et la Révolution Française, 1982; - Paul Christophe, Les prêtres de la Revolution Française, 1986; - Jean Jézéquel, La Révolution Française à Angoulême, 1988; - Bernard Cousin, La pique et la croix, 1989; - Yann Fanchois, Réligion et France révolutionnaire, 1989; - Catholicisme VI (1967), 1562-1564; - Nouv. Biogr. Gén. XIII (1967), 541-543; - Hier.Cath. VII, 187.

Josef Johannes Schmid

Letzte Änderung: 09.04.2011