LAFOSSE, Fulgence, Augustinereremit, * zweites Viertel des 17. Jh.
in Vergt (Frankreich). - 1657 trat L. als Novize bei den Augustiner-Eremiten
in Bordeaux ein, zeitweilig war er auch Schüler der Gemeinschaft Jesu.
Vermutlich 1676 erreichte er den Doktor der Theologie in Toulouse
und unterrichtete anschließend im dortigen Augustinerkloster. 1678
scheiterte sein Versuch, einen Lehrstuhl an der Universität Toulouse
zu erhalten, doch konnte er wenig später einen Lehrstuhl in Bordeaux
besetzen. In dieser Zeit erschien von ihm ein groß angelegtes Werk
über das Gottesverständnis des Augustinus. Seine Auffassung der Gnadenlehre
und seine Ablehnung des Begriffes der »Natura pura« stieß jedoch auf
Widerstand. Als sich L. 1684/85 in Bayonne aufhielt, wurde gegen ihn
- wie gegen andere Augustiner auch - der Vorwurf des Jansenismus erhoben.
1686 untersagte das Provinzkapitel von Agen und 1689 das von Limoges,
seine Lehren in der Provinz Toulouse zu verbreiten. Über seinen weiteren
Lebensweg gibt es keine gesicherten Auskünfte. L.s Einfluß erstreckte
sich vor allem auf die jüngere augustinische Schule.
Werke: Augustinus theologus, sive Theologia secundum genium
divi Augustini et discipulorum ejus interpretationem, Bd. 1-3, Tolosae
1676-80, Bd. 4, Burdigalae 1683; Catechismus ordinandorum pro disponendis
clericis ad ordines recipiendos, Pau 1691, Nachdr. Rotomagi 1692.
Lit.: Ossinger, Bibliotheca augustiniana, Ingolstadt 1768,
366; - Lanteri, Postrema saecula sex religionis augustinianae,
Bd.III, Rom 1860, 152; - Lopez Bardon, Monastici augustini Crusenii
continuatio, Bd. 2, Valladolid 1903; 182; - Hurter IV, 35; -
EC I, 510; - Catholicisme VI, Sp. 1609-11.
Hartmut Lohmann
Literaturergänzung:
1992
Leon Renwart, F.L., O.E.S.A., représentent méconnu de l'école augustinienne, in: Augustiniana 42.1992, S. 173-206.
Letzte Änderung: 09.04.2011