LAHUSEN, Christoph Friedrich, ev. Theologe und Kirchenführer, * 22.3. 1851
in Bremen als Sohn eines Kaufmanns, + daselbst 17.10. 1927. -
Nach manchen inneren Kämpfen fand der junge L. den Weg »vom Kaufmannshaus
zur Kanzel«, wobei der Biblizist Tobias Beck, der große Prediger Rudolf
Kögel und der begnadete Seelsorger Emil Frommel seinen theologischen
Werdegang bestimmten. Nach dem Studium in Berlin, Tübingen und Bonn
war er Hilfsprediger und Schulleiter an der deutschen Botschaft in
Rom, absolvierte anschließend das Domkandidatenstift in Berlin, kam
1878 als Pfarrer nach Mettmann (Rheinland), von dort 1883 nach Hamm (Westfalen) und 1886 nach Bremen, wo er 13 Jahre als Pfarrer
an der Liebfrauenkirche seiner Vaterstadt wirkte. Im Jahre 1899 wurde
er als Nachfolger von Ernst Dryander Pfarrer an der Dreifaltigkeitskirche
in Berlin. Seine kirchenregimentliche Arbeit begann er 1902, zunächst
im Brandenburger Konsistorium, dann als Oberkonsistorialrat im Ev.
Oberkirchenrat, wo er u.a. Dezernent für die Auslandsgemeinden war.
1911 wurde L. Generalsuperintendent von Berlin, von 1918-1921 als
Nachfolger Dryanders geistlicher Vizepräsident des Ev. Oberkirchenrates,
als welcher er noch anfangsweise am Neubau der ev. Kirche nach dem
Zusammenbruch mitwirkte. L. war Mitglied des Herrenhauses und Propst
des Stiftes Heiligengrabe in der Mark Brandenburg. - Unter den
Aufgaben des Kirchenregiments und der Generalsuperintendentur blieb
ihm, wie er in seiner Autobiographie schreibt, die Verkündigung des
lebendigen Gotteswortes immer das Höchste und Heiligste. »In allen
Stellungen und Ämtern wollte er nur `Pastor bleiben' und nichts anderes
als ein Prediger und Seelsorger sein.« Davon zeugen seine in großer
Zahl veröffentlichten Predigten und die von seinem Sohn Hermann L.
herausgegebenen Briefe. In den kirchlichen Auseinandersetzungen seiner
Zeit war L. stets um Aussöhnung bemüht.
Werke: Ein Abschieds- und Antrittswort an die Mettmanner
ev. Gemeinde (zusammen mit Pfarrer Petersen). 1878; Einer trage des
andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Predigt über
Gal 6, 32. 1894; Konfirmationsrede, gehalten Palmsonntag, den 18.
März 1894. 1894; Alles und in allen Christus; Predigten. 1899; Er
wohnte unter uns. Predigt aus dem Leben Jesu.
2 1904; Das Evangelium
des Paulus, des Apostels Jesu Christi. Predigten. 1907; Das apostolische
Glaubensbekenntnis für unsere Zeit der Gemeinde ausgelegt.
2
1910; Herr, hier bin ich, sende mich. Predigt am Schlußgottesdienst
des 35. Kongresses für Innere Mission in der Stiftskirche zu Stuttgart.
1910; Gottes Zeugnis von seinem Sohn. Ein Wort zu der Frage, ob Jesus
gelebt hat. Predigt über Joh. 15, 6-12.
21910; Blutsverwandtschaft
und Geistesverwandtschaft. Predigt am 19. Sonntag nach Trinitatis
1911. 1911; In entscheidungsvoller Zeit die rechte Wahl. Predigt
am 21.1. 1912. 1912; Sola fide. Allein durch den Glauben; Ein evangelisches
Zeugnis in Tagen des Streites. 1912; Der Glaube ist nicht jedermanns
Ding. Predigt. 1913; Die Tafeln vom Sinai im Lichte Jesu. Predigten.
1913; Himmelfahrt, Mt 11, 27-30. Predigt. 1913; Wohl dem Volk, das
jauchzen kann; Festpredigt zur 100-Jahrfeier der Schlacht bei Leipzig.
1913; Wider Furcht, Schlaf und Tod. Vier Predigten. 1913; In ernster
Stunde. Zum Massenstreik gegen die Staatskirche. 1914; Nur Mut und
Treue; Predigt am Kirchensonntag 1914. 1914; Ist Gott für uns, wer
mag wider uns sein? Predigt am 16.8. 1914 in der Dreifaltigkeitskirche
zu Berlin.
41914. Immanuel, Gott mit uns. Zwei Predigten, Weihnachten
1914 und Neujahr 1915. 1915; Das Vater Unser. Predigten. 1915; Unser
täglich Brot gib uns heute. Predigt am 20.2. 1915. 1915; Die fünfte
Bitte des Vaterunsers und England. Predigt am 7.3. 1915 in der Dreifaltigkeitskirche
zu Berlin. 1915; Christbaum und Schwert, Kriegspredigten (zusammen
mit Max Braun). 1915; Durch Dienst zum Thron. Predigt am 19.3. 1916.
1916; Ernte und Sieg. Ernte-Bittsonntag Rogate 1916. Predigt. 1916;
Seid geduldig und getrost; Zwei Predigten. 1916; Wann kommt das Reich
Gottes? Predigt am 11.2. 1917. 1917; Das unbewegliche Reich. Predigt
zu Himmelfahrt 1917. 1917; Allein durch den Glauben. Predigt zur
Reformationsfeier 1917. 1917; Wenn Gott nur mit uns ist! Predigt
am 31.12. 1916. 1917; Sieg und Frieden. Predigt zur 4. Jahreswende
des Krieges am 4.8. 1918. 1918; Die unergründlichen Wege Gottes.
Predigt am außerordentlichem Landes-Bettag, den 20. Oktober 1918 in
der Dreifaltigkeitskirche in Berlin. 1918; Wir wollten Jesum gerne
sehen. Abschnitte aus dem Ev. des Joh. in Predigten ausgelegt. 1920.
Lit.: Autobiographie in: »Die neue Christoterpe«. 1926;
- Hermann Lahusen: D. Friedrich Lahusen, Vater und Seelsorger.
Briefe an seinen Sohn. 1929; - Oskar Söhngen (Hrsg.): Hundert
Jahre evangelischer Oberkirchenrat der altpreussischen Union 1850-1950.
1950, 185.
Hans Fritzsche
Letzte Änderung: 09.04.2011