Verlag Traugott Bautz
www.bautz.de/bbkl
Zur Hauptseite
Bestellmöglichkeiten
Abkürzungsverzeichnis
Bibliographische Angaben für das Zitieren
Suche in den Texten des BBKL
Infobriefe des aktuellen Jahres
Spenden für die Arbeit am BBKL
Um auch weiterhin die Arbeit am BBKL zu ermöglichen, brauchen wir Ihre Unterstützung..
NEU: Unser E-News Service
Wir informieren Sie über Neuigkeiten und Änderungen per E-Mail.
Helfen Sie uns, das BBKL aktuell zu halten!
Bestellmöglichkeiten

Band XIV. (1998) Spalten 1173-1175 Autor: Ekkart Sauser

LAKNER, Franz, Jesuit und Theologieprof., * 27.4. 1900 in Friedau/Steiermark, + 7.6. 1974 in Innsbruck. - 1919, nach abgelegter Reifeprüfung, studierte L. drei Jahre an der theol. Fakultät in Innsbruck und erwarb dort das Doktorat der scholastischen Philosophie. 1922 Eintritt in den Jesuitenorden und nach Abschluß des Noviziates zunächst Lehrer am Freinberg in Linz. 1929 in Innsbruck zum Priester geweiht, promovierte er 1932 mit einer Arbeit über »Kleutgen und die kirchliche Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundert«, 1933 folgte die Habilitationsschrift über »Die Idee bei Anton Günther«. Ab 1936 wirkte er als Dozent für Dogmatik an der theol. Fakultät in Innsbruck. 1937 übernahm er als Rektor die Leitung des Canisianums in Innsbruck. Er dürfte maßgebend daran beteiligt gewesen sein, daß Paulus Rusch am 15. Oktober 1938 zum Bischof und Apostolischen Admistrator von Innsbruck-Feldkirch von Pius XI. ernannt wurde. Diese Ernennung wurde von großer Bedeutung für die künftige seelsorgliche Entwicklung in Tirol und Vorarlberg. Bereits an diesem Ergebnis zeigte sich, was der eigentliche Kern der Tätigkeit von L. war: Wege zu bahnen in eine neue Art und Weise, Theologie zu treiben und Seelsorge zu wirken. Nach Schließung der theol. Fakultät durch die Nazis am 20. Juli 1938 konnte L. in Rom die Errichtung einer päpstlichen Fakultät am Canisianum erreichen und zwar am 15. August 1938. Die Dinge kamen jedoch anders: Am 21.11.1938 wurde die Aufhebung des Canisianums verfügt. L. reiste am 23. November als Rektor des Hauses nach Sitten im Wallis voraus, um für die Übersiedlung des Canisianums dorthin zu sorgen. In Sitten war L. die ganze Zeit über bis 1945 Rektor des Kollegs und der Fakultät. 1939 übernahm er auch das Amt des Regens aus den Händen des alten, berühmten Jesuiten P. Michael Hoffmann. Bereits in den Sittener Jahren und schon davor bemühte sich L. mit den Patres H. Rahner, J.A. Jungmann und Fr. Dander um eine Erneuerung der Theologie im Sinne der »Verkündigungstheologie«. Nach der Rückkehr aus Sitten übernahm L. das Amt des Regens im Canisianum, das er bis 1949 innehatte. 1948 wurde er außerordentlicher Professor für Dogmatik an der Innsbrucker theol. Fakultät. 1962 wurde er Ordinarius dieses Faches. Bis 1962 war es in einem gewissen Maße sehr still um L. Er war ständig etwas krank, man nahm kaum in der Öffentlichkeit Notiz von ihm. Da ereignete sich 1962 seine Wahl zum Dekan der theol. Fakultät Innsbruck. Von da ab wurde es immer lebendiger mit und um L. Immer wieder wählte ihn die Fakultät zum Dekan, bis zum Jahre 1965. Unmittelbar darauf wurde er für das Studienjahr 1965/1966 zum Rektor der Universität Innsbruck gewählt. Man kann ruhig von einem eigentlichen »Charisma Lakner« sprechen. Es bestand darin, daß er ein vielfältig organisatorisches Talent entfaltete, Türen aufstieß zu neuen Entwicklungen größeren oder kleineren Stiles, das Studienangebot für Ostkirchenkunde an der theol. Fakultät durch die Einführung der Vorlesung über die Ikonen im Wintersemester 1962/63 spezifizierte, eine Spezifizierung, die bis heute dauert und 1967 auch auf die theol. Fakultät Trier übergegriffen hat, die Öffnung der theol. Fakultät für die Habilitation auch nichtjesuitischer Wissenschaftler wirkkräftig betrieb und wesentlich dazu beitrug, daß in seiner Rektoratszeit der Beschluß gefaßt wurde, an der Innsbrucker Universität auch eine technische Fakultät zu errichten. 1970 wurde er zum Mitglied der internationalen und der österreichischen Theologenkommission ernannt. Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gilt L. als einer der Mitbegründer der Innsbrucker Verkündigungstheologie. Seine Überlegungen zu Problemen der Erlösungstheologien sind beachtenswert. Immer wieder kam er auf die verschiedenen Denkstrukturen des Westens und des Ostens zu sprechen, lebendig war sein Interesse für die Ostkirche, was er auch immer wieder in seine Vorlesungen einfließen ließ, bis hin zu seiner Rektoratsrede: »Die Bedeutung der ostkirchlichen Studien für die heutige Theologie« vom 20. November 1965. Theologisch bedeutsam wurde seine Feststellung: »Das Geheimnis des Kreuzesleidens Christi bleibt menschlichen Hypothesen und Systematisierungsversuchen absolut unzugänglich.« (Sacramentum mundi II, 251) L. gilt auch als Förderer der Vorlesungen über die frühchristliche Kunst und patristische Theologie an der theol. Fakultät Innsbruck in Zusammenarbeit mit H. Rahner, J.A. Jungmann und E. Sauser.

weiterlesen ...
Werke: Kleutgen und die kirchliche Wissenschaft Deutschlands im 19. Jahrhundertss, in: ZKTH 57 (1933) 161-214; Die »Idee« bei Anton Günther. Historische Voraussetzungen der Grundkonzeption von A. Günthers philosophisch-theologischem Organon, in: ZKTH 59 (1935) 1-56, 196-245; Das Zentralobjekt der Theologie. Zur Frage um Existenz und Gestalt einer Seelsorge-Theologie, in: ZKTH 62 (1938) 1-36; Theorie einer Verkündigungs-Theologie: Schriftenreihe »Theologie der Zeit«, 1. Heft, Wien 1938, 63 S.; Vollständige Neubearbeitung von Ludwig Lerchers »Institutiones Theologiae Dogmaticae (3.-5. Aufl.) (1940-1945); Zwei Paradigmen der Verkündigungs-Theologie, in: ZKTH 64 (1940) 152-154; »Lebendige Theologie« oder »Theologie der Verkündigung«, in: ThPQ 92 (1939) 591-594; Die dogmatische Theologie an der Universität Innsbruck, in: ZKTH 80 (1958) 101-141; Wertende Gedanken zu neueren Erscheinungen auf dem Gebiet der Mariologie, in: ZKTH 87 (1965) 160-195; Hat die Mariologie nach dem Vaticanum II wesentliche Fortschritte gezeitigt?, in: ZKTH 90 (1968) 462-475; Die Bedeutung der ostkirchlichen Studien für die heutige Theologie, Innsbruck 1966; Handbüchlein für die monatliche Geisteserneuerung Fribourg 1946; Neuherausgabe von M.J. Scheeben, Handbuch der kath. Dogmatik, 4. Buch, Freiburg i.Br. 1961.

Lit.: P. Schupp, In memoriam P. Franz Lakner SJ, in: ZKTH 96 (1974), 345-46; - K.H. Neufeld, Die Brüder Rahner - eine Biographie, Freiburg-Basel-Wien 1994, S. 146, 149, 150; - O. Oesch, P. Michael Hofmann S.J., Innsbruck 1951, 205, 221-224.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 09.04.2011