LAMBERT von Balven, geb. zu Balve (Westf.) gegen Ende des 15.
Jahrhunderts; Verwandter des Reformators Anton Corvinus. - Über
seinen Bildungsgang ist wenig bekannt. In seiner Zeit wurde er wegen
seiner Beredsamkeit, seinen außerordentlichen Kenntnissen der Sprachen
und der Kirchengeschichte als ein bedeutender Mann angesehen. Das
wissenschaftliche Niveau seiner Auslegungen der Hl. Schrift setzten
sich erheblich von dem anderer Ordensgeistlicher seiner Zeit ab. Aus
welchen Gründen er Hofkaplan Herzogs Heinrich d.J. von Braunschweig
in Wolfenbüttel wurde, ist unbekannt. Durch seinen unruhigen, stolzen
und ehrgeizigen Charakter wurde er am Hofe verschiedentlich in Intrigen
verwickelt. Auf den Herzog selbst übte er großen Einfluß aus. Sein
Verhältnis zur Reformation ist während seiner Braunschweiger Zeit
undurchsichtig. Heimlich scheint er dem neuen Bekenntnis zugeneigt
zu haben, öffentlich trat er jedoch als ihr Gegner auf. Nach dem Tode
des Abtes Johannes wurde er 1536 zum letzten katholischen Abt des
Zisterzienserkloster Riddagshausen gewählt, dem er zeitweise großen
Schaden zufügte. 1539 versuchte er zusammen mit dem herzoglichen Großvogt,
Balthasar von Stechow, durch Verrat die aufständische Stadt Braunschweig
in die Hand des Herzogs zu bringen. Das Komplott wurde verraten, die
darin verwickelten Braunschweiger Bürger hingerichtet. Das Kloster
Riddagshausen zog sich in Folge der Ereignisse den Namen »Verräterhausen«
zu. 1540 erhielt er in Leipzig die Würde eines Licentiaten der Theologie.
Hier bekannt er sich offen zu Luthers Lehre; setzte sich aber in der
Folgezeit, aus Rücksicht auf die Gunst seines Landesherren und die
erheblichen Einkünfte aus seiner Klosterpfründe, wieder für die Grundsätze
der katholischen Kirche ein. Sein schwankendes Verhalten wurde ihm
von protestantischer Seite sehr verübelt. Aufgrund dieser Kränkungen
schlug seine Haltung gegenüber der Reformation in Haß um, und er bekämpfte
sie in der Folgezeit. - Als der Herzog 1542 durch den Schmalkaldischen
Bund aus seinem Land vertrieben wurde, wurde das Kloster zunächst
am 22. Juli 1542 durch die Truppen der Verbündeten und dann durch
Bernhard von Mila, dem Befehlshaber der kursächsischen Truppen, der
sein Lager beim Kloster aufgeschlagen hatte, ausgeplündert und niedergebrannt.
Kaum hatte sich das Kloster erholt, wurde es erneut verwüstet. L.v.B.
versuchte nach Braunschweig zu fliehen. Jedoch die Stadt verweigerte
ihm die Aufnahme, obwohl das Kloster dort einen eigenen Hof besaß.
Erst nach der Rückkehr des Herzogs 1547 gelangte er wieder in den
Besitz des Klosters, dessen Wiederaufbau er nachhaltig betrieb. Doch
1550 wurde das Kloster bei der Belagerung Braunschweigs erneut verwüstet.
Die Zerstörung wurde vervollständigt als Graf Volrad von Mansfeld
die braunschweigischen Lande heimsuchte. Der erneute Versuch B. das
Kloster wieder aufzubauen, wurde durch den Markgrafen Albrecht von
Brandenburg zunichte gemacht. Von den Rückschlägen deprimiert zog
er sich krank nach Wolfenbüttel zurück, wo er am 8. November 1553
starb.
Werke: Oratio - In frequentissimo doctorum virorum coetu
habita, cum primum sascro sanctae Theologicae professionis lauream
peteret, Leipzig 1540, Neudruck: Hannover 1550; Catechismus ecclesiae:
lere und Handelinge des hilligen Christendoms, uth der Wahrheit des
Goettlichen Wordes, kort und leflick beschreren, tho der Behof der
armen Parherrn im Foerstendome Brunswigk, o.O. 1550 - Herzog Heinrich
dezidiert; Gemene Cateches edder anvenklieke Underwisinge der jungen
Christen yn fragestükke gestellt, o.O.o.J. - in niederddt. Sprache.
Lit.: Fr. Anton Knittel, in: Braunschweigischen Anzeigen
Jg. 1747, 73 u. 75; - Joecher Gelehrten-Lexikon, Bd. 3 (Delmenhorst
1810; ND: Hildesheim 1965); - Ballstedt, Geschichte des Klosters
Riddagshausen, Schöningen 1809; - R. von Liliencron, Die historischen
Volkslieder der Deutschen, Bd. 4 Leipzig 1869, 484-491; - ADB
II (Leipzig 1875) 35-36.