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Band IV (1992) Spalten 1020-1021 Autor: Peter-Johannes Schuler

LAMBERT von Balven, geb. zu Balve (Westf.) gegen Ende des 15. Jahrhunderts; Verwandter des Reformators Anton Corvinus. - Über seinen Bildungsgang ist wenig bekannt. In seiner Zeit wurde er wegen seiner Beredsamkeit, seinen außerordentlichen Kenntnissen der Sprachen und der Kirchengeschichte als ein bedeutender Mann angesehen. Das wissenschaftliche Niveau seiner Auslegungen der Hl. Schrift setzten sich erheblich von dem anderer Ordensgeistlicher seiner Zeit ab. Aus welchen Gründen er Hofkaplan Herzogs Heinrich d.J. von Braunschweig in Wolfenbüttel wurde, ist unbekannt. Durch seinen unruhigen, stolzen und ehrgeizigen Charakter wurde er am Hofe verschiedentlich in Intrigen verwickelt. Auf den Herzog selbst übte er großen Einfluß aus. Sein Verhältnis zur Reformation ist während seiner Braunschweiger Zeit undurchsichtig. Heimlich scheint er dem neuen Bekenntnis zugeneigt zu haben, öffentlich trat er jedoch als ihr Gegner auf. Nach dem Tode des Abtes Johannes wurde er 1536 zum letzten katholischen Abt des Zisterzienserkloster Riddagshausen gewählt, dem er zeitweise großen Schaden zufügte. 1539 versuchte er zusammen mit dem herzoglichen Großvogt, Balthasar von Stechow, durch Verrat die aufständische Stadt Braunschweig in die Hand des Herzogs zu bringen. Das Komplott wurde verraten, die darin verwickelten Braunschweiger Bürger hingerichtet. Das Kloster Riddagshausen zog sich in Folge der Ereignisse den Namen »Verräterhausen« zu. 1540 erhielt er in Leipzig die Würde eines Licentiaten der Theologie. Hier bekannt er sich offen zu Luthers Lehre; setzte sich aber in der Folgezeit, aus Rücksicht auf die Gunst seines Landesherren und die erheblichen Einkünfte aus seiner Klosterpfründe, wieder für die Grundsätze der katholischen Kirche ein. Sein schwankendes Verhalten wurde ihm von protestantischer Seite sehr verübelt. Aufgrund dieser Kränkungen schlug seine Haltung gegenüber der Reformation in Haß um, und er bekämpfte sie in der Folgezeit. - Als der Herzog 1542 durch den Schmalkaldischen Bund aus seinem Land vertrieben wurde, wurde das Kloster zunächst am 22. Juli 1542 durch die Truppen der Verbündeten und dann durch Bernhard von Mila, dem Befehlshaber der kursächsischen Truppen, der sein Lager beim Kloster aufgeschlagen hatte, ausgeplündert und niedergebrannt. Kaum hatte sich das Kloster erholt, wurde es erneut verwüstet. L.v.B. versuchte nach Braunschweig zu fliehen. Jedoch die Stadt verweigerte ihm die Aufnahme, obwohl das Kloster dort einen eigenen Hof besaß. Erst nach der Rückkehr des Herzogs 1547 gelangte er wieder in den Besitz des Klosters, dessen Wiederaufbau er nachhaltig betrieb. Doch 1550 wurde das Kloster bei der Belagerung Braunschweigs erneut verwüstet. Die Zerstörung wurde vervollständigt als Graf Volrad von Mansfeld die braunschweigischen Lande heimsuchte. Der erneute Versuch B. das Kloster wieder aufzubauen, wurde durch den Markgrafen Albrecht von Brandenburg zunichte gemacht. Von den Rückschlägen deprimiert zog er sich krank nach Wolfenbüttel zurück, wo er am 8. November 1553 starb.

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Werke: Oratio - In frequentissimo doctorum virorum coetu habita, cum primum sascro sanctae Theologicae professionis lauream peteret, Leipzig 1540, Neudruck: Hannover 1550; Catechismus ecclesiae: lere und Handelinge des hilligen Christendoms, uth der Wahrheit des Goettlichen Wordes, kort und leflick beschreren, tho der Behof der armen Parherrn im Foerstendome Brunswigk, o.O. 1550 - Herzog Heinrich dezidiert; Gemene Cateches edder anvenklieke Underwisinge der jungen Christen yn fragestükke gestellt, o.O.o.J. - in niederddt. Sprache.

Lit.: Fr. Anton Knittel, in: Braunschweigischen Anzeigen Jg. 1747, 73 u. 75; - Joecher Gelehrten-Lexikon, Bd. 3 (Delmenhorst 1810; ND: Hildesheim 1965); - Ballstedt, Geschichte des Klosters Riddagshausen, Schöningen 1809; - R. von Liliencron, Die historischen Volkslieder der Deutschen, Bd. 4 Leipzig 1869, 484-491; - ADB II (Leipzig 1875) 35-36.

Peter-Johannes Schuler

Letzte Änderung: 09.04.2011