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Band IV (1992) Spalten 1058-1059 Autor: Ulrich Schmidt

LAMPERT von Hersfeld, Geschichtsschreiber, geb. vor 1028, gest. vor 1085. - Die Biographie L.s ist lediglich aus den Andeutungen bekannt, die er selber in seinem Werk gibt. Geboren vor 1028 wahrscheinlich in Franken als Sohn einer begüterten Familie erhielt er wohl in Bamberg unter dem späteren Erzbischof Anno von Köln eine vorzügliche Ausbildung zum Geistlichen. Am 15.März 1058 trat er als Mönch ins Kloster Hersfeld ein und erhielt im September 1058 in Aschaffenburg die Priesterweihe. Ohne Erlaubnis seines Abtes begab er sich noch im gleichen Jahr auf eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, von der er im September 1059 zurückkehrte. L. war ein überzeugter Anhänger der Benediktinerregel und wandte sich strikt gegen jede Reform des Mönchtums. Wohl mehr aus persönlichen als aus politischen Gründen wurde er zum erbitterten Gegner Heinrichs IV. Wahrscheinlich wegen dieser Haltung war seine Stellung in Hersfeld nicht länger haltbar, und er trat 1077 in das Stift Hasungen ein, das auf sein Betreiben zum Kloster umgewandelt wurde und dessen Abt er 1081 wurde. Er starb wohl nicht allzu lange später, wahrscheinlich noch 1182, aber jedenfalls vor 1085. Von seinen Werken ist ein Gedicht in Hexametern, das die jüngste Geschichte Hersfelds behandelte und wohl um 1073 geschrieben wurde, verloren. Die erste erhaltene Schrift ist die Vita s. Lulli, des angelsächsischen Schülers des Heiligen Bonifatius und Gründers des Hersfelder Klosters, der 786 als Erzbischof von Mainz starb. Nur in Bruchstücken ist ein Libellus de institutione Herveldensis ecclesiae, eine Hersfelder Klostergeschichte, erhalten. Sein wichtigstes Werk sind jedoch die um 1078/79 geschriebenen Annalen. Anfangs lediglich die alten Hersfelder Annalen ausschreibend, wird das Werk ab 1040 immer ausführlicher, bis es mit der Darstellung der jüngsten Vergangenheit bis 1077 eine geradezu epische Breite erreicht. L. war ein hervorragender Stilist, seine Annalen stellen einen Höhepunkt der Geschichtsschreibung des 11. Jahrhunderts dar, deren Zuverlässigkeit allerdings unter seiner oft tendenziösen und subjektiven Darstellung leidet.

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Werke: Vita Lulli archiepiscopi Mogontiacensis, hrsg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS rer.Germ. (38), Hannover 1894, 305-340; Libellus de Institutione Herveldensis Ecclesia, hrsg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS rer.Germ. (38), Hannover 1894, 341-354. (Ergänzungen: A. Pannenborg, Ergänzungen zu Lamberts Hersfelder Klostergeschichte, in: Deutsche Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 1 (1896/97) 154-159; Annalen, hrsg. von Oswald Holder-Egger, MGH SS rer.Germ. (38), Hannover 1894, 1-304, deutsche Übersetzung: Annalen, neu übersetzt von Adolf Schmidt, (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 13), Darmstadt 19622.

Lit.: Max Manitius, Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters III, München 1931, 322-329; - Guido Billanovich, Lamperto di Hersfeld e Tito Livio (Opuscoli accademici, Serie Liviana 8), Padova 1945; - Wilhelm Wattenbach / Robert Holtzmann, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter. Deutsche Kaiserzeit I, 3, Tübingen 19482, 456-471; - Edmund E. Stengel, Lampert von Hersfeld, der erste Abt von Hasungen, in: Aus Verfassungs- und Landesgeschichte. FS zum 70. Geburtstag von Theodor Mayer II, Konstanz 1955, 245-258; - Josef Semmler, Lampert von Hersfeld und Giselbert von Hasungen. Studien zu den monastischen Anfängen des Klosters Hasungen, in: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 67 (1956), 261-276; - Wolfgang D. Fritz, Zur Datierung der Annalen Lamperts von Hersfeld, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 7 (1957/58), 673-674; - Ders. , Lamperts Bericht über die Vorgänge von Kaiserswerth 1062, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe 7 (1957/58), 675-677; - Tilman Struve, Lampert von Hersfeld. Persönlichkeit und Weltbild eines Geschichtsschreibers am Beginn des Investiturstreits, in: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 19 (1969), 1-123 und 20 (1970), 32-142; - Ders., Zur Geschichte der Hersfelder Klosterschule im Mittelalter, in: DA 27 (1971), 530-543; - Ders., Reginhard von Siegburg und Lampert von Hersfeld, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 42 (1978), 128-160; - Wolfgang Eggert, Lampertus scriptor callidissimus. Über Tendenz und literarische Technik der »Annalen« des Hersfelder Mönches, in: Jb. für die Geschichte des Feudalismus 1 (1977), 89-120; - Wolfgang Stammler, Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon V, Berlin/New York 19852, Sp. 514-520; - NDB XIII, 461-462; - Lexikon des Mittelalters V, Sp. 1632-1633.

Ulrich Schmidt

Literaturergänzung:

2007

Steffen Patzold, Konsens u. Konkurrenz. Überl. zu e. aktuellen Forschungskonzept d. Mediävistik, in: FMSt 41.2007, S. 75-103.

Letzte Änderung: 09.04.2011