LAUCHERT, Friedrich, Literatur- und Kirchenhistoriker, * 1.9. 1863
Meßkirch / Baden als Sohn des Kaufmannes Julius Joseph Marquard Lauchert,
+ 18.4. 1944 Siersdorf b. Jülich. - Ab seinem 10. Lebensjahr
im altkatholischen Glauben erzogen, studierte L. Philosophie und Theologie
an den Universitäten von München, Straßburg und Wien. In München promovierte
er 1886 zum Dr. phil mit der im gleichen Jahr erschienenen Arbeit
»Herders griechische und morgenländische Anthologie und seine Übersetzungen
aus Jakob Balde im Verhältnis zu den Originalen betrachtet«. Von 1888-1890
und nochmals 1893-1895 war L. wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an
der Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg. Das philosophische
Staatsexamen legte er 1889 in Straßburg ab. Den Grad eines »Licentiatus
theologiae« erwarb L. 1891 an der altkatholischen Fakultät der Universität
Bern. Hier lehrte er von 1891-1893 als Privatdozent Patrologie und
Christliche Literaturgeschichte. 1895 erfolgte seine Ernennung zum
Professor für Dogmatik am altkatholischen Seminar der Universität
Bonn, 1896 zum Dr. theol. h.c. an der Universität Bern. In Bonn hielt
er ab 1897 auch Vorlesungen über alttestamentliche Exegese. Seine
altkatholische Professur in Bonn legte L. 1899 nieder und konvertierte
zum Katholizismus. Im gleichen Jahr zog er nach München und lebte
hier bis 1901 als Privatgelehrter. Anschließend erhielt L. eine Anstellung
an der Stadtbibliothek in Aachen und wurde hier 1914 bis zu seinem
Ruhestand 1928 Stadtbibliothekar. Der Schwerpunkt seines Forschungsgebietes
waren Patrologie und Theologiegeschichte des 16. und 19. Jahrhunderts.
Bis heute Gültigkeit hat sein 1912 erschienenes Werk »Die italienischen
literarischen Gegner Luthers«. Neben seiner Mitarbeit an zahlreichen
bedeutenden Nachschlagewerken erfuhr seine Sammlung »Die Kanones der
wichtigsten altkirchlichen Konzilien, nebst den apostolischen Kanones«
(1912) 1961 eine Neuauflage.
Werke: Geschichte des Physiologus, 1889; Über Dante's
religiöse sittliche Weltanschauung, 1891; G.Ch. Lichtenberg's schriftstellerische
Tätigkeit in chronologischer Übersicht dargestellt, 1893; Sprichwörter
und sprichwörtliche Redensarten bei P. Abranam a S. Clara, 1893; La
estoria del rey Anemur e de Josaphat e de Barlaam, 1893; Bibliographie
der christkatholischen Kirche der Schweiz, 1893; Die Lehre des Hlg.
Athanasius d. Gr., 1895; Franz Anton Staudenmaier (1800-1856) In seinem
Leben und Wirken dargestellt, 1901; Leben des Hlg. Athanasius d. Gr.,
1911; Zahlreiche Beiträge (über 40) In philosophischen, historischen
und theologischen Zeitschriften. Herausgeber: Rulmann Merswing, Des
Gottesfreundes im Oberland, Buch von den zwei Mannen, 1896; La estoria
de los quatro dotores de la santa Eglesia, Die Geschichte der vier
griechisch, lateinischen Kirchenlehrer, in einer alten spanischen
Übersetzung von Vinzenz von Beauvais, 1897; Caietanus (de Vio), Thomas:
De divina Institutione pontificatus Romani pontificis (1521), 1925.
Lit.: NDB XIII, 698; - Kosch, Kath. Deutschland; -
LThK VI, 824; - Kosch, Lit.-Lexikon IX, 1000.
Erika Bosl
Letzte Änderung: 09.04.2011