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Band IV (1992) Spalten 1236-1238 Autor: Erika Bosl

LAUCHERT, Friedrich, Literatur- und Kirchenhistoriker, * 1.9. 1863 Meßkirch / Baden als Sohn des Kaufmannes Julius Joseph Marquard Lauchert, + 18.4. 1944 Siersdorf b. Jülich. - Ab seinem 10. Lebensjahr im altkatholischen Glauben erzogen, studierte L. Philosophie und Theologie an den Universitäten von München, Straßburg und Wien. In München promovierte er 1886 zum Dr. phil mit der im gleichen Jahr erschienenen Arbeit »Herders griechische und morgenländische Anthologie und seine Übersetzungen aus Jakob Balde im Verhältnis zu den Originalen betrachtet«. Von 1888-1890 und nochmals 1893-1895 war L. wissenschaftlicher Hilfsarbeiter an der Universitäts- und Landesbibliothek in Straßburg. Das philosophische Staatsexamen legte er 1889 in Straßburg ab. Den Grad eines »Licentiatus theologiae« erwarb L. 1891 an der altkatholischen Fakultät der Universität Bern. Hier lehrte er von 1891-1893 als Privatdozent Patrologie und Christliche Literaturgeschichte. 1895 erfolgte seine Ernennung zum Professor für Dogmatik am altkatholischen Seminar der Universität Bonn, 1896 zum Dr. theol. h.c. an der Universität Bern. In Bonn hielt er ab 1897 auch Vorlesungen über alttestamentliche Exegese. Seine altkatholische Professur in Bonn legte L. 1899 nieder und konvertierte zum Katholizismus. Im gleichen Jahr zog er nach München und lebte hier bis 1901 als Privatgelehrter. Anschließend erhielt L. eine Anstellung an der Stadtbibliothek in Aachen und wurde hier 1914 bis zu seinem Ruhestand 1928 Stadtbibliothekar. Der Schwerpunkt seines Forschungsgebietes waren Patrologie und Theologiegeschichte des 16. und 19. Jahrhunderts. Bis heute Gültigkeit hat sein 1912 erschienenes Werk »Die italienischen literarischen Gegner Luthers«. Neben seiner Mitarbeit an zahlreichen bedeutenden Nachschlagewerken erfuhr seine Sammlung »Die Kanones der wichtigsten altkirchlichen Konzilien, nebst den apostolischen Kanones« (1912) 1961 eine Neuauflage.

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Werke: Geschichte des Physiologus, 1889; Über Dante's religiöse sittliche Weltanschauung, 1891; G.Ch. Lichtenberg's schriftstellerische Tätigkeit in chronologischer Übersicht dargestellt, 1893; Sprichwörter und sprichwörtliche Redensarten bei P. Abranam a S. Clara, 1893; La estoria del rey Anemur e de Josaphat e de Barlaam, 1893; Bibliographie der christkatholischen Kirche der Schweiz, 1893; Die Lehre des Hlg. Athanasius d. Gr., 1895; Franz Anton Staudenmaier (1800-1856) In seinem Leben und Wirken dargestellt, 1901; Leben des Hlg. Athanasius d. Gr., 1911; Zahlreiche Beiträge (über 40) In philosophischen, historischen und theologischen Zeitschriften. Herausgeber: Rulmann Merswing, Des Gottesfreundes im Oberland, Buch von den zwei Mannen, 1896; La estoria de los quatro dotores de la santa Eglesia, Die Geschichte der vier griechisch, lateinischen Kirchenlehrer, in einer alten spanischen Übersetzung von Vinzenz von Beauvais, 1897; Caietanus (de Vio), Thomas: De divina Institutione pontificatus Romani pontificis (1521), 1925.

Lit.: NDB XIII, 698; - Kosch, Kath. Deutschland; - LThK VI, 824; - Kosch, Lit.-Lexikon IX, 1000.

Erika Bosl

Letzte Änderung: 09.04.2011