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Band XXI (2003)Spalten 771-773Ekkart Sauser

LACHLAN von Stanbrook, Laurentia: Benediktinerin, Äbtissin, * 11.1. 1866, † 23.8. 1953 in Stanbrook, England. - Mit 16 Jahren kam sie im September 1881 sehr gegen ihren Willen zu den Nonnen in die Schule nach Stanbrook. Als jüngstes von 7 Kindern war sie in Schottland geboren. Zart, ja beinahe zerbrechlich und von ihrem Vater sehr geliebt, war ihre Begabung überdurchschnittlich und ihr Eigenwille sehr ausgeprägt. Jedoch es dauerte nicht allzu lange - einige Monate nur - da packte sie doch die klösterliche Atmosphäre in Stanbrook und in Ste Cecile, Solesmes. Als ein Schlüsselerlebnis in diesem Zusammenhang wird genannt der feierliche Wechselgesang der Mönche und Nonnen zum Himmelfahrtsfest in der Kirche des Frauenklosters. - Bei Corona Bamberg ist zu lesen: "Bis an ihr Lebensende vergegenwärtigt sie sich diesen entscheidenden Augenblick, als der Lobgesang der Kirche wie eine Woge über sie zusammenschlug" (Unter der Führung des Evangeliums... S. 171-172). Am 2. Februar 1884 wird sie Postulantin in Stanbrook. Unter vielen Kämpfen ging sie den Weg des Ordenslebens. Bald wurde sie Subpriorin und Priorin. Als solche beeinflußte sie die Spiritualität der Gemeinschaft sehr. C. Bamberg nennt sie Organistin und Kantorin, Leiterin und Inspiratorin der geistigen Arbeiten, Meisterin der Laienschwestern, gesuchte Ratgeberin aller. (Unter der Führung des Evangeliums... S. 172). In hohem Alter noch wird sie Äbtissin, die sie durch 22 Jahre bis zu ihrem Tode blieb. - Ihre Bedeutung für den Benediktinerorden überhaupt umschreibt C. Bamberg: "Kein Zweifel, sie war führend in der wissenschaftlichen wie praktischen Erneuerung des Gregorianischen Chorals um die Jahrhundertwende, ihr Name ist eng verbunden mit Größen auf diesem Gebiet wie Gueranger und Mocquerau im französischen Solesmes, sie stand brieflich und nicht selten auch von Angesicht zu Angesicht in Kontakt mit allen bedeutenden Kennern der Gregorianik, sie wurde von Pius X. durch ein Handschreiben und von Pius XI. durch die Auszeichnung Bene merenti geehrt. Auch trieb sie beachtliche und beachtete Studien auf dem weiten Feld der vormittelalterlichen und mittelalter1ichen Geschichte des Offiziums. Man nannte sie eine Gelehrte in der großen Tradition der Mauriner, eine wahre Tochter St. Benedikts und P. Jean Mabillons." Dazu "nahm sie in einem ausgedehnten Brief- und Sprechzimmerapostolat intensiv teil am Leben der Menschen jenseits der Klostermauern und übte einen erstaunlichen Einfluß aus auf einen großen und sehr unterschiedlichen Kreis von Ratsuchenden und Freunden. Unter ihnen ragt heraus der mit bissigem Humor seine verletzliche Seele oftmals abschirmende Bernard Shaw, der Frau Laurentia bis zuletzt rührend treu blieb... Unwillkürlich wird man an Hilda von Whitby... erinnert, Hilda wie Laurentia haben ein Werk hingestellt wie wenige Männer, wenige Mönche... Sie begegnete dem Bleigewicht des Klosteralltags mit der Kraft ihrer hinreißenden Persönlichkeit... Das Leben leben war ihre Devise, darin besteht auch recht eigentlich ihr Beitrag zum Benediktinertum." (Unter der Führung des Evangeliums... S. 173-175).

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Lit.: C. Bamberg: Unter der Führung des Evangeliums - Dem Gedächtnis Sankt Benedikts 480-1980, Würzburg 1980, 169-175; - Freiheit jenseits des Gitters. Die Äbtissin Laurentia und George Bernard Shaw, Hamburg 1958.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 09.04.2011