Verlag Traugott Bautz |
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LAKEBRINK, Bernhard. Katholischer Philosoph; * 5.8. 1904 in Asseln (bei Paderborn), † 7.2. 1991 in Paderborn. - Nach dem Abitur am Theodorianum-Gymnasium in Paderborn studiert L. in Bonn, München und Freiburg (im Breisgau) Jurisprudenz und Philosophie. In Bonn promoviert er sich im Februar 1930 bei Adolf Dyroff mit einer Arbeit über »Das Wesen der theoretischen Notwendigkeit unter besonderer Berücksichtigung der Kantischen und modernen Interpretation (Natorp, Heidegger)«. Danach ist er bis zu Beginn der 50er Jahre an verschiedenen Gymnasien des Rheinlandes (u.a. an dem traditionsreichen Kölner Dreikönigsgymnasium) als Lehrer tätig. 1934 widersetzt sich der junge Gelehrte durch seine Mitarbeit an den gegen Rosenberg gerichteten »Studien zum Mythos des 20. Jahrhunderts« gleichermaßen mutig wie wissenschaftlich kompetent der Vereinnahmung der mittelalterlichen Philosophie und Theologie, besonders Meister Eckarts, durch die nationalsozialistische Ideologie. 1954 habilitiert er sich an der Albertus-Magnus-Universität zu Köln bei dem Mediävisten Josef Koch mit einer Arbeit zum Verhältnis von Thomismus und Hegelschem Denken. Darauf nimmt L. zunächst eine Gastprofessur in Münster, 1959 einen Ruf an die Universität Freiburg im Breisgau als Nachfolger Max Müllers an. Dort lehrt er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1973 als Ordinarius für Philosophie. Nach seiner Emeritierung zieht er sich nach Paderborn zurück. Am 29.5. 1987 wird er von Luigi Kard. Ciappi zum Mitglied der »Päpstlichen Römischen Akademie des Hl. Thomas und der Katholischen Religion« ernannt. - L.s Denken ist geprägt von der Spannung zwischen dem typisch neuzeitlichen Denken auf der einen Seite, das nach ihm in der Dialektik Hegels, die - indem sie eine Identität von Sein und Denken postuliert - den Prozeß der Auflösung der Metaphysik initiiert, seinen prägnantesten Ausdruck gefunden hat; und der mittelalterlichen Philosophie und Theologie auf der anderen Seite, deren Perfektion in der thomistischen Analektik (eine Wortprägung Lakebrinks, mit der er die dem Thomismus eigene Methode in Abgrenzung zur neuzeitlichen Dialektik zu umschreiben sucht) aufgewiesen wird. L.'s Sympathien gehören dabei ganz unzweifelhaft der thomistisch-objektivistischen Analektik, die er spekulativ tiefschürfend und dennoch in stetem kritischem Dialog mit dem modernen Denken entfaltet. In deutlicher Nähe zu Cornelio Fabro verteidigt er gegen Heideggers Vorwurf der Seinsvergessenheit das metaphysische Denken des Aquinaten als eigentliche Philosophie des Seins, welche es letztlich allein schlüssig vermag, die absolute Priorität des Seins (als »actualitas omnium actuum«) vor dem Werden, des Aktes vor der Potenz zu wahren. Insofern bietet die thomistische Philosophie das unverzichtbare Fundament eines konsequenten Theismus und einer theozentrischen Theologie. Auf dieser Basis erarbeitet L. eine profunde, wenngleich auch nicht unumstrittene Kritik des s.E. mehr von der Existentialphilosophie als von Thomas geprägten Transzendentalthomismus in Philosophie und Theologie.
Bibliographie: Studi Tomistici 24 (1984) 196-198.
Lit.: Wilhelm Neuss, Kampf gegen den Mythos des 20. Jahrhunderts, Köln 1947; - Cornelio Fabro (Hg.), Gegenwart und Tradition. Eine Festschrift für Bernhard Lakebrink, Freiburg/Breisgau 1969; - Anon., 65. Geburtstag von Professor Lakebrink, in: Badische Zeitung 6.8. 1969, 16; - Josef Frey, Laudatio für Bernhard Lakebrink, in: Vereinigung ehemaliger Theodorianer (Hg.), Jahresbericht 1979, 35-37; - Hans Joachim Werner, Klaus Hedwig u.a., Vorwort, in: Studi Tomistici 24 (1984) 5-8; - Johannes Bökmann, Gratulation an B. L. zur Aufnahme in die Päpstliche Thomasakademie, in: Theologisches 17 (1987) 8-9; - Richard Schenk, Die Gnade vollendeter Endlichkeit, Freiburg/Breisgau 1989, 98-99; - David Berger, »Gipfel, wie sie die menschliche Intelligenz niemals zu denken vermocht hätte«. Über die Aktualität der Leitmotive des Thomismus, in: Colloquia Manilana 7 (1999-2000) 149-155; - David Berger, Thomismus. Große Leitmotive der thomistischen Synthese und ihre Aktualität für die Gegenwart, Köln 2001, 140-147.
David Berger
Wir danken besonders dem Sohn B.L.'s, Dr. Markus Lakebrink (Frechen bei Köln), für die zahlreichen Informationen.
Literaturergänzung:
David Berger, In d. Schule d. Hl. Thomas von Aquin. Studien zur Geschichte d. Thomismus. Bonn 2005, S. 363-383b.
Letzte Änderung: 09.04.2011