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Band XVII (2000)Spalten 823-824 Autor: Wilhelm Baum

LALIBELA (Gebre Masqual), Kaiser von Äthiopien (zw. 1205 u. 1225). - Um 1150 wurde die Zagwe-Dynastie in Äthiopien nach dem Niedergang des aksumitischen Reiches von Kaiser Märara begründet. Nur wenige Quellen beleuchten die Regentenwechsel; neben der "Geschichte der Patriarchen von Alexandrien" - insbesondere Johannes' VI. (1189-1216) - ist das "Goldene Buch von Debre Libanos" in Shimezana in Süd-Erithrea eine Hauptquelle, wurde dieses Kloster von L. reich beschenkt. Seine ein einer "Gädl" (Vita) niedergeschriebene Biographie berichtet von einer Reise nach Jerusalem, wo er den göttlichen Auftrag zur Erbauung der Felsenkirchen bekommen haben soll, die nach Stätten in Palästina benannt sind. Während der Regierungszeit seines Bruders Harbé wanderte er Jahre im Exil umher; anschließend soll er 40 Jahre regiert haben. Seine Gemahlin Masqal Kebra soll ihn zur Abdankung zugunsten seines Neffen Neakkouto-Le-ab bewogen haben. Sein Sohn Yitbarak wurde um 1268 von Yekuno-Amlak, dem Gründer der Dynastie der Salomoniden abgesetzt. Auf Lalibelas Regierungszeit dürfte der Bau der Felsenkirchen in Adefa (Roha) zurückgehen; später ging der Name des Negus auf die Stadt über, wo noch heute sein Grab verehrt wird. In seine Regierungszeit fällt die Amtszeit des Abuna Michael, der nach einem Angriff der Kreuzfahrer aus Rosette in Ägypten flüchtete. Seine Ernennung wurde von der Kaiserin bekämpft, die ihren Bruder favorisierte. Unter Lalibela, der eine große Armee unterhielt, begann die Expansion der Zagwe-Dynastie zu den Häfen Massaua und Zeila am Roten Meer. Die Gegenwehr gegen die Ayyubiden-Sultane in Ägypten sollte das Los der Kopten in Ägypten erleichtern. Der Mönch Gebre-Menfas-Qeddus gründete auf dem Kraterberg Ziqwala im Südosten des heutigen Addis-Abeba an der Grenze zum islamischen Gebiet ein Kloster, das den südlichsten Punkt des mittelalterlichen Christentums in Äthiopien markiert. 1225 wurde das Nationalepos "Kebra Nagast" aus dem Koptischen ins Arabische übersetzt; der - schon im 10. Jahrhundert erwähnte - darin enthaltene Mythos von der Abstammung der Kaiser von Salomon und der Königin von Saba wurde zur Staatsideologie, die bis ins 20. Jahrhundert Beachtung fand.

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Quellen: Perruchon J.: Extrait de la vie d` Abba Jean, 74e patriarche d'Alexandrie, relativ à l'Abyssinie, in: Revue Sémitique 6, 1898, 267-271, 365-372 u. 7, 1899, 76-85.

Lit.: Perruchon J.: Vie de Lalibela, roi d`Ethiopie, Paris 1892; - Conte Rossini C.: L'evangelio d'oro di Dabra Libanos, in: Rendiconti della Reale Accademia dei Lincei (Classe di scienze morali, storiche e filologiche), 1901, 10, 177-219; - Jean-Baptiste Coulbeaux: Histoire Politique et Religieuse d` Abyssinie, vol. 1, Paris 1929; - Jean Doresse: L'Empire du Prete Jean, vol. 2, Paris 1957; - Otto F. Meinardus: Christian Egypt. Faith and Life, Cairo 1970; - Sergew Hable-Sellassie: Ancient and medieval Ethiopian history to 1270, Addis Abeba 1972; - Taddesse Tamrat: Church and State in Ethiopia 1270-1527, Oxforf 1972; - ders.: Ethiopia, in: The Cambridge History of Africa, vol. 3, Cambridge 1977, 98-182; - Bartnicki Andrzej/Mantel-Niecko Joanna: Geschichte Äthiopiens, Bd. 1, Berlin 1978; - Baum Wilhelm: Die Verwandlungen des Mythos vom Priesterkönig Johannes, Klagenfurt 1999.

Wilhelm Baum

Letzte Änderung: 09.04.2011