LATSCHKA, Adam: * 1847, † 1905 in Wien, Priester und Sozialapostel. - L. war zunächst Kooperator in Böhmischkrut, Perchtoldsdorf und schließlich an der Votivkirche zu Wien, wo damals Pfarrer Dr. Godfried Marschall war, der spätere Wiener Weihbischof. Bald wurde er in das aufblühende katholische Vereinswesen eingeführt. Vor allem stand die Arbeiterfrage inmitten seiner Interessen. Als erster in der Wiener Gemeindepolitik wirkender Priester erbrachte er wichtige Leistungen - so daß Franz Loidl feststellen konnte: "Er bewies wiederholt in Reden, Referaten und Vorschlägen eine beachtliche Fortschrittlichkeit und konnte so manche engherzige Eigenbrötelei im Lager der Christlichsozialen überwinden helfen. Vor allem setzte er sich für die Fürsorge und sozia1politische Fragen ein" (In: Geschichte des Erzbistums Wien... S. 289). Sehr interessiert zeigte er sich auch an einer Lösung der brennenden Wohnungsprobleme, der Schaffung eines Nutzviehmarktes und der Gewährung des Verpflegskostenersatzes für Mitglieder der Arbeiterkrankenkasse in Spitälern. Große Sorge trug er für die Stiftung eines Mädchenasyls, für dessen Erhaltung ein von ihm gegründeter Verein "Christliche Familie" aufkommen sollte. In dieselbe Richtung ging auch die Gründung des "Vereins der katholischen Arbeiterinnen", dem er sehr viel Zeit widmete. - 1897 übernahm er die Pfarre Alt-Ottakring, 1899 die Pfarre Neu-Ottakring. Vor allem gegen die Verwahrlosung junger Menschen arbeitete er sehr intensiv. In speziell religiöser Hinsicht arbeitete er für die Jugend durch die Herausgabe der sehr geschätzten Gebet- und Liederbücher.
Lit.: Franz Loidl, Monsignore Adam Latschka, politisch-sozialer, vor allem Arbeiterinnen-Seelsorger und erster Pfarrer von Neu-Ottakring, in: Beiträge zur Wiener Diözesangeschichte 3 (1962) 53-59; — ders.: Geschichte des Erzbistums Wien, Wien-München 1983 288-289.