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Band V (1993)Spalten 39-40 Autor: Ansgar Frenken

LIECHTENSTEIN, Georg III. von Liechtenstein, Bischof von Trient (1390-1419). - * ca. 1360, + 1419 auf Schloß Neuspaur/Südtirol. - G. entstammte dem österreichischen Adelsgeschlecht Liechtenstein-Nikolsburg. 1377 nachweislich an der Wiener Universität immatrikuliert. 1381 Dompropst an St. Stephan/Wien und in dieser Eigenschaft zugleich Kanzler der Universität, 1389 außerdem Kanoniker in Passau. Im Jahr darauf ging L. als Gesandter Herzog Albrechts III. nach Rom, dort zum apostolischen Protonotar ernannt. 1390 erfolgte - wohl mit Unterstützung des Herzogs, der in ihm einen loyalen Gefolgsmann sah - die Wahl zum Bischof von Trient durch das dortige Domkapitel und die Bestätigung durch Bonifaz IX., den Papst der römischen Linie. Eine Ernennung zum Kardinal [Kreation am 6. Juni 1411] durch Johannes XXIII., den Papst der Pisaner Linie, hat er abgelehnt. - Seine Amtszeit als Bischof von Trient war geprägt von ständigen Streitereien mit den Bürgern der Stadt Trient, die sich der Gewalt des Bischofs zu entziehen suchten, von Auseinandersetzungen mit seinen Vasallen und schließlich dem latenten Konflikt mit Herzog Friedrich IV. von Habsburg-Tirol, dessen Anspruch auf Oberhoheit über das Bistum L. nicht anzuerkennen bereit war. 1407 wurde L. unter Verzicht auf seine weltlichen Rechte nach Wien abgeschoben, kehrte jedoch 1409 zurück. Ein Jahr später mußte er erneut zugunsten Herzog Friedrichs auf seine weltlichen Rechte verzichten und zog sich nun auf die Nikolsburg/Mähren zurück. Seine Bemühungen, die weltliche Macht über sein Bistum zurückzuerlangen, ließen ihn Hilfe suchen bei Papst Johannes XXIII. und König Sigmund, der ihn zum Rat und princeps aulae ernannte. Seine Strategie brachte schließlich Erfolg: 1411/12 wurde sein Widersacher Friedrich erstmals gebannt, 1415 machte man dem Herzog auf dem Konstanzer Konzil den Prozeß, und 1417 wurde dieser erneut in Bann und Acht getan. Doch erst die Vermittlung Papst Martins V. ermöglichte L. die Rückkehr in sein Bistum. Dessen ungeachtet loderte der Streit wenig später erneut auf. L. starb am 20. August 1419 auf Schloß Neuspaur/Südtirol, möglicherweise infolge Vergiftung. Begraben wurde er im Dom von Trient.

Lit.: Die Matrikel der Universität Wien I, Graz-Köln 1956, VI 1377 (Nr. 55); - Acta Facultatis Artium Universitatis Vindobonensis 1385-1416 ed. Paul Uiblein, Graz-Wien-Köln 1968, 513 f. und Reg.; - Repertorium Germanicum II 317; III 13, 124 u. ö.; IV 1100; - C. Eubel, Hierarchia catholica medii aevi ... I, Münster 21913, 33, 498; - Ulysse Chevalier, Répertoire de sources historique du moyen age. Bio-bibliographie I, Paris 1903-04, 1720 [ältere Literatur]; - Johann Slokar, Warum Herzog Friedrich von Tirol im Jahre 1415 von König Sigmund geächtet und mit Krieg überzogen wurde. Eine historische Untersuchung, in: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlberg 8 (1911) 197-214, 293-303; - Josef Gelmi, Kirchengeschichte Tirols, Innsbruck 1986, 32; - ADB 8, 1878, 699-701; - NDB 6, 1964, 229 f.; 14, 1985, 513 f.

Ansgar Frenken

Letzte Änderung: 25.06.1998