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Band V (1993)Spalten 76-79 Autor: Martin Persch

LINDEN, Jakob, Katechetischer und apologetischer Schriftsteller, * 10.5. 1853 in Heimersheim/Ahr, † 4.11. 1915 in Aachen. - L. besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier und trat nach der Reifeprüfung am 30.9. 1874 in das Noviziat der aus Deutschland ausgewiesenen Jesuiten im Exaeten (Niederlande) ein. Nach Vollendung seiner philosophischen und theologischen Studien wurde er im Jahre 1877 in Ditton Hall (England) zum Priester geweiht. Seine Ordensoberen bestimmten ihn für die Katechismus-Arbeit. Doch war er auch als Seelsorger und in der Verwaltung tätig, so in den Ordenshäusern in Wijnansrade (1890-92), Exaeten (1903-10), s'Heerenberg (1910-14) und Villa Aalbeek bei Valkenburg (1914-15). Seit 1887 war L. nach eigenen Worten damit betraut, »daß das Werk Deharbes auf der Höhe der Zeit bleibe.« In Weiterführung des Katechismus seines Ordensbruders Joseph Deharbe (1800-1871) bemühte er sich zunächst um die Revision des Kölner Katechismus (1887), der in den norddeutschen Diözesen, mit Ausnahme von Culm, Mainz und Osnabrück, von allen Bistümern angenommen worden war. Zu einer gründlichen Revision im Sinne L.s (»Verminderung des Memorierstoffes, konkrete, kindliche Ausdrucksweise und Beseitigung der unvollständigen Sätze in den Antworten«) konnten sich die Verantwortlichen jedoch nicht entschließen, so daß L. im Jahre 1900 privatim »als Versuch zur Lösung der Katechismusfrage« den mittleren Deharbeschen Katechismus neu bearbeitet in Regensburg herausgab. Er erlebte, daß sein eigentlich nicht zum Gebrauch, sondern lediglich zur Begutachtung bestimmtes Werk achtmal aufgelegt und in sieben Sprachen übersetzt wurde, und hat so »wohl den größten Katechismuserfolg der Neuzeit errungen« (Theodor Mönnichs). Die Kritiker, an der Spitze der Freiburger Weihbischof Friedrich Justus Knecht, tadelten zwar manche Stellen als zu abstrakt, schwerfällig oder unkindlich und fanden unbekannte Ausdrücke sowie die Länge und Art der Fragen unbefriedigend. Aufs Ganze gesehen war das Werk L.s gegenüber Deharbe aber ein gewaltiger Fortschritt durch die Verminderung des Lernstoffes, Reduzierung abstrakter Begriffe und die Anschaulichkeit wie Kindgemäßheit. Nach öfterer Revision wurde der Katechismus auf Anregung des Münchener Ordinariates in den Jahren 1909 bis 1913 in den meisten süddeutschen Diözesen eingeführt. L.s Plan eines Einheitskatechismus für alle deutschen Diözesen wurde erst 1925 verwirklicht. Als Apologet benutzte L. zumeist das Pseudonym Dr. J. Schmitz. Die »kleine Apologetik« lag bei seinem Tode in französischer, holländischer, italienischer, polnischer und russischer Ausgabe vor und erlebte elf Auflagen in deutscher Sprache. Als Apologet ist L. heute vergessen, in der Geschichte der Katechetik hat sein Name bis heute einen außergewöhnlichen Klang.

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Werke: Vgl. Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schriftums (GV) 1700-1910, Bd. 89, München-New York-London-Paris 1983, 48 sowie Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schriftums (GV) 1911-1965, Bd. 80, München 1978, 493-494. Ferner u.a.: Zur Geschichte des Einheitskatechismus, in: Katechetische Blätter 37 (1911) 7-12; Die Reueformel im bayerischen Einheitskatechismus, in: Katechetische Blätter 38 (1912) 191- 192; Erwiderung auf Dr. Ketterers »Randglossen zum neuen Katechismus«: a.a.O. 272-273; Zur Revision des Einheitskatechismus, in: Katechetische Blätter 40 (1914) 148-152; Nochmals der »Kleine Katechismus« und seine Beurteilung durch Dr. Heinrich Mayer, München: a.a.O. 43-47; Zur Katechismusfrage, in: Katechetische Monatsschrift 26 (1914) 346-351 und 27 (1915) 2-10; Die deutschen Katechismen seit Deharbe bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, in: Christlich-pädagogische Blätter 38 (1915) 237-247; Bemerkungen zu P. Wöhrmüllers Kritik des Einheitskatechismus, in: Katechetische Blätter 41 (1915) 105-108.

Lit.: Friedrich Justus Knecht, Zur Katechismusfrage mit besonderem Hinblick auf die Bearbeitung des Deharbeschen Katechismus von P. Linden, Freiburg 1908. - Königliches Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Trier 1563-1913. Festschrift zur Feier des 350jährigen Jubiläums der Anstalt am 6.-8. Oktober 1913, Trier 1913, 65; - Lexikon der Pädagogik II (1913) 1342, 2II (1953) 1112 irrig auf einen angeblich eigenständigen Artikel Linden hinweisend 3III (1062) 1112; - Paul Heinze, P. Lindens Einheitskatechismus und dessen Kritiker, in: Katechetische Blätter 41 (1915) 35-40, 66-72, 101-105, 122-129 und 154-160; - Johann Evangelist Pichler, Prälat Dr. Jakob Schmitt +. P. Jakob Linden +, in: Christlich-pädagogische Blätter 38 (1915) 354-355; - Fr. Schumacher, Zur Erinnerung an Domkapitular Dr. Jakob Schmitt und P. Jakob Linden, S.J., in: Katechetische Monatsschrift 28 (1916) 3-14, hier: 7-14; - Friedrich Wilhelm Bürgel, Die Stellung des + Pater Linden zur Münchener katechetischen Methode, in: Katechetische Monatsschrift 28 (1916) 123- 132; - Theodor Mönnichs, Artikel Linden, in: Ludwig Koch, Jesuiten-Lexikon. Die Gesellschaft Jesu einst und jetzt, Paderborn 1934, 1109; - Wilhelm Busch, Der Weg des deutschen katholischen Katechismus von Deharbe bis zum Einheitskatechismus. Grundlegende Studien zur Katechismusreform, Freiburg i. B. 1936, 56-68; - Johannes Hofinger, Geschichte des Katechismus in Österreich von Canisius bis zur Gegenwart. Mit besonderer Berücksichtigung der gleichzeitigen gesamtdeutschen Katechismusgeschichte, Innsbruck - Leipzig 1937, 272; - Leopold Lentner, Katechetisches Wörterbuch, Freiburg-Basel-Wien 1961, 384; - Lexikon der Pädagogik. Neue Ausgabe, Bd. II, Freiburg-Basel-Wien 1970, 401; - Friedrich Trzaskalik, Studien zur Geschichte und Vermittlung des katholischen Katechismus in Deutschland (= Kölner Veröffentlichungen zur Religionsgeschichte), Köln 1984, passim; - Der Katechismus von den Anfängen bis zur Gegenwart. Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek Regensburg St. Petersweg 11-13. 18. September bis 18. Dezember 1987, München-Zürich 1987, 44; - Kosch, KD 2614; - LThK1 VI 582; - LThK2 VI 1062 f.; - NDB XIV 591 f.

Martin Persch

Werkeergänzung:

2009

Die Wahrheit d. kath. Religion. Grundlehren u. Unterscheidungslehren. Unveränd. Neuaufl. d. 1912 veröff. Ausg. Stuttgart 2009.

Letzte Änderung: 09.04.2011