LUBENTIUS, Priester, als Heiliger verehrt, * und + im 4. Jahrhundert.
- Die späten und oft mirakulösen Viten und Legenden sagen aus,
daß L. vom Trierer Bischof Maximin (329-346) zum Priester geweiht
worden sei und zur Seelsorge nach Kobern an der Mosel gesandt wurde,
daß sein Leichnam von dort auf wundersame Weise nach Dietkirchen/Lahn
gelangt sei und daß L. durch Offenbarung des Herrn nach Germanien
gekommen sei und dort an der Lahn eine Kirche erbauen ließ, in der
sich auch seine Grabstätte befinde. (Vita Maximins 751/68; Legende
des 12. Jahrhunderts; Gesta Trevirorum um 1100). Bereits 1893 hat
Philipp de Lorenzi festgestellt, daß nach Abstreifen des wuchernden
Legendenschmuckes »immer noch ein gesunder historischer Kern übrigbleibt.«
Die in Kobern gefundenen Grabsteine und Grabinschriften lassen keinen
Zweifel daran, daß zur spätrömischen Zeit dort das Christentum ebenso
verbreitet war wie etwa in Trier oder in den Kastellorten von Boppard
bis Andernach am Rhein. Die kritische Überprüfung der Trierer Bischofsliste
konnte zudem den historischen Kern der Vita Maximins herausschälen,
so daß die Person des L. als Schüler Maximins und Priester in Kobern
glaubhaft erscheint. Die Behauptung einer Mission des L. im Lahngebiet
läßt sich dagegen wissenschaftlich bislang nicht nachweisen: die Schilderung
der wundersamen Translation des Sarges lahnaufwärts enthält dagegen
einen unverrückbaren historischen Kern, nämlich die Übertragung der
Lubentiusreliquien von Kobern nach Dietkirchen im 8. oder 9. Jahrhundert.
Dort wurden sie gleichsam zum »Grundstock« einer der bedeutendsten
Kirchen des Erzbistums Trier im Rechtsrheinischen: die 841 erstmals
bezeugte Kollegiat- und Stiftskirche St. Lubentius in Dietkirchen
wurde später Titelkirche des Archidiakonates Dietkirchen, eines umfangreichen
kirchlichen Verwaltungsbezirks, der große Teile des heutigen Bistums
Limburg umfaßte. Diese Kirche besitzt u.a. ein Kopfreliquiar von L.
Weitere Reliquien befinden sich in Kell (Kreis Mayen-Koblenz), Kobern,
Lahnstein, Limburg und Trier. In Kell ist Ende des 15. Jahrhunderts
eine Lubentiusbruderschaft bezeugt. L. war Patron der Lahnschiffer.
Festtag: 13. Oktober.
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u. 23-24; - MGSS rer. Mer. III, 71-82; - BiblSS VIII, 185-186;
- Anton Josef Ignaz Liehs, Leben und Thaten der Heiligen, deren
Andenken besonders im Bisthum Trier gefeiert wird, Trier 1837, 227-230;
- Das Leben des h. Lubentius, des ersten Apostels an der untern
Mosel und der Lahn. Zur fünfzehnhundertjährigen Gedächtnißfeier den
Diöcesen Trier und Limburg gewidmet, Limburg 1869; - Johann Evangelist
Stadler, Vollständiges Heiligenlexikon Bd. III, Augsburg 1869, 865-866;
- Joseph Mohr, Die Heiligen der Diözese Trier, Trier 1892, 303-307;
- Philipp de Lorenzi, Art. Lubentius, in: Wetzer und Welte's Kirchenlexikon
2VIII (1893) 178-180; - N.N. Falk, Zur Verehrung des hl.
Lubentius, in: Pastor bonus 6 (1894) 479-481; - Emil Schaus, Die
Überlieferung vom heiligen Lubentius, in: Annalen des Vereins für
Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 37 (1907) 162-179;
- Georg Reitz, Sind die Berichte über die hl. Castor und Lubentius
Legende oder Geschichte?, in: Mittelrheinische Geschichtsblätter 2
(1921) Nr. 12, 3-6; - Gerhard Kleinfeld - Hans Weirich, Die mittelalterliche
Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum, Marburg 1937,
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des Trierischen Landes, in: Pastor bonus 48 (1937) 189-198 u. 241-251;
- Vies des Saints X, Paris 1952, 405; - Eugen Ewig, Trier
im Merowingerreich, Trier 1954, 52; - Josef Roeder, Der Sarkophag
des heiligen Lubentius, in: Heimatkalender für den Landkreis Koblenz
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im alten Erzbistum Trier. Das Landkapitel Kaimt-Zell (= Rheinisches
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Martin Persch
Letzte Änderung: 09.04.2011