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Band V (1993)Spalten 290-292 Autor: Martin Persch

LUBENTIUS, Priester, als Heiliger verehrt, * und + im 4. Jahrhundert. - Die späten und oft mirakulösen Viten und Legenden sagen aus, daß L. vom Trierer Bischof Maximin (329-346) zum Priester geweiht worden sei und zur Seelsorge nach Kobern an der Mosel gesandt wurde, daß sein Leichnam von dort auf wundersame Weise nach Dietkirchen/Lahn gelangt sei und daß L. durch Offenbarung des Herrn nach Germanien gekommen sei und dort an der Lahn eine Kirche erbauen ließ, in der sich auch seine Grabstätte befinde. (Vita Maximins 751/68; Legende des 12. Jahrhunderts; Gesta Trevirorum um 1100). Bereits 1893 hat Philipp de Lorenzi festgestellt, daß nach Abstreifen des wuchernden Legendenschmuckes »immer noch ein gesunder historischer Kern übrigbleibt.« Die in Kobern gefundenen Grabsteine und Grabinschriften lassen keinen Zweifel daran, daß zur spätrömischen Zeit dort das Christentum ebenso verbreitet war wie etwa in Trier oder in den Kastellorten von Boppard bis Andernach am Rhein. Die kritische Überprüfung der Trierer Bischofsliste konnte zudem den historischen Kern der Vita Maximins herausschälen, so daß die Person des L. als Schüler Maximins und Priester in Kobern glaubhaft erscheint. Die Behauptung einer Mission des L. im Lahngebiet läßt sich dagegen wissenschaftlich bislang nicht nachweisen: die Schilderung der wundersamen Translation des Sarges lahnaufwärts enthält dagegen einen unverrückbaren historischen Kern, nämlich die Übertragung der Lubentiusreliquien von Kobern nach Dietkirchen im 8. oder 9. Jahrhundert. Dort wurden sie gleichsam zum »Grundstock« einer der bedeutendsten Kirchen des Erzbistums Trier im Rechtsrheinischen: die 841 erstmals bezeugte Kollegiat- und Stiftskirche St. Lubentius in Dietkirchen wurde später Titelkirche des Archidiakonates Dietkirchen, eines umfangreichen kirchlichen Verwaltungsbezirks, der große Teile des heutigen Bistums Limburg umfaßte. Diese Kirche besitzt u.a. ein Kopfreliquiar von L. Weitere Reliquien befinden sich in Kell (Kreis Mayen-Koblenz), Kobern, Lahnstein, Limburg und Trier. In Kell ist Ende des 15. Jahrhunderts eine Lubentiusbruderschaft bezeugt. L. war Patron der Lahnschiffer. Festtag: 13. Oktober.

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Lit.: ActaSS Oct. VI (1853) 200-204, Maii VII (1688) 21 u. 23-24; - MGSS rer. Mer. III, 71-82; - BiblSS VIII, 185-186; - Anton Josef Ignaz Liehs, Leben und Thaten der Heiligen, deren Andenken besonders im Bisthum Trier gefeiert wird, Trier 1837, 227-230; - Das Leben des h. Lubentius, des ersten Apostels an der untern Mosel und der Lahn. Zur fünfzehnhundertjährigen Gedächtnißfeier den Diöcesen Trier und Limburg gewidmet, Limburg 1869; - Johann Evangelist Stadler, Vollständiges Heiligenlexikon Bd. III, Augsburg 1869, 865-866; - Joseph Mohr, Die Heiligen der Diözese Trier, Trier 1892, 303-307; - Philipp de Lorenzi, Art. Lubentius, in: Wetzer und Welte's Kirchenlexikon 2VIII (1893) 178-180; - N.N. Falk, Zur Verehrung des hl. Lubentius, in: Pastor bonus 6 (1894) 479-481; - Emil Schaus, Die Überlieferung vom heiligen Lubentius, in: Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung 37 (1907) 162-179; - Georg Reitz, Sind die Berichte über die hl. Castor und Lubentius Legende oder Geschichte?, in: Mittelrheinische Geschichtsblätter 2 (1921) Nr. 12, 3-6; - Gerhard Kleinfeld - Hans Weirich, Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum, Marburg 1937, 98; - Nikolaus Kyll, Die Einführung des Christentums bei der Landbevölkerung des Trierischen Landes, in: Pastor bonus 48 (1937) 189-198 u. 241-251; - Vies des Saints X, Paris 1952, 405; - Eugen Ewig, Trier im Merowingerreich, Trier 1954, 52; - Josef Roeder, Der Sarkophag des heiligen Lubentius, in: Heimatkalender für den Landkreis Koblenz 8 (1954) 89-91; - Ferdinand Pauly, Siedlung und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier. Das Landkapitel Kaimt-Zell (= Rheinisches Archiv 49), Bonn 1957, 70-71; - Ders., Aus der Geschichte des Bistums Trier Bd. I, Trier 1968, 24-26; - Rainer Rückert, Das Büstenreliquiar des heiligen Lubentius, in: Nassauische Annalen 69 (1958) 87-93; - Hiltgart L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst, Stuttgart 1959, 336; - St. Lubentius neu anerkannt, in: Der Sonntag (Limburg) Nr. 43 vom 22.10.1961, 16; - Friedrich Wiechert, Die Reliquien des Heiligen Lubentius zu Dietkirchen/Lahn, in: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte 16 (1964) 67-93; - Hans Becker, St. Lubentius und Dietkirchen im Lichte neuer Forschungen und Arbeiten, in: Festschrift für Alois Thomas. Archäologische, kirchen- und kunsthistorische Beiträge, Trier 1967, 13-30; - F. Ebert, Art. Lubentius, in: Kurzbiographien vom Mittelrhein und Moselland, Trier 1967-1975, 472; - Elisabeth Haas-Reck, Der heilige Lubentius, in: Heimatkalender für den Landkreis Koblenz 23 (1969) 105-108; - Lorenz Müller, St. Lubentius und Dietkirchen an der Lahn. Eine Untersuchung, Dehrn 1969; - Wolf-Heino Struck, St. Lubentius und die Anfänge des Christentums an der Lahn, in: Nassauische Annalen 81 (1970) 294-303; - Hans A. Haas, Der hl. Lubentius, Pfarrpatron von Kobern, und seine Zeit, Kobern-Gondorf 1981; - Jakob Torsy, Lexikon der deutschen Heiligen, Seligen, Ehrwürdigen und Gottseligen, Köln 1959, 353; - Ders., Der Große Namenstagskalender, Freiburg - Basel - Wien 101984, 292 f.; - Otto Wimmer - Hartmann Melzer - Josef Gelmi, Lexikon der Namen und Heiligen, Innsbruck - Wien 1988, 522; - Kirchliches Handlexikon II, 712; - LThK 1VI, 670; - LThK 2VI, 1167; - LCI VII, 411-412.

Martin Persch

Letzte Änderung: 09.04.2011