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Band XVI (1999)Spalten 965-966 Autor: Johannes Madey

LUDWIG von Toulouse (auch von Anjou), * 1274, wahrscheinlich in Nocera dei Pagani bei Salerno, † 19. August 1297 in Brignoles in der Provence. L. war der Sohn Karls II. von Neapel und Großneffe Ludwig IX. des Heiligen. Als Geisel für seinen Vater war er von 1288 bis 1295 in Gefangenschaft. Nach seiner Befreiung verzichtete er auf seine Kronrechte und ließ sich am 19. Mai 1296 zum Priester weihen Am 24. Dezember 1296 schloß er sich dem Franziskanerorden an. Papst Cölestin V. hatte ihn noch während seiner Gefangenschaft am 9. Oktober 1294 zum Erzbischof von Lyon ernannt, er ließ sich aber nicht zum Bischof weihen und trat dieses Amt auch niemals an, so daß Papst Bonifatius VIII. die Ernennung am 8. April 1295 wieder aufhob. Doch schon ein Jahr darauf ernannte ihn der Papst zum Erzbischof von Toulouse und spendete ihm die Bischofsweihe am 29. Dezember 1296. L. nahm seinen bischöflichen Dienst sehr ernst und entfaltete eine rege seelsorgliche und karitative, wenn auch nur kurze Tätigkeit in Toulouse. Er ist der Verf. einer Reihe von noch nicht gedruckten Sermones. Außerdem verfaßte er einen Traktat über mehrstimmige Musik. Nach seinem Tode setzte man seinen Leib in der Kirche der Franziskaner zu Marseille bei. Schon am 13. April 1317 heiliggesprochen (Fest am 19. August), wurden seine Reliquien am 8. November 1318 erhoben. Alphons von Aragón brachte sie 1433 in die Kathedrale von Valencia. Von dort aus breitete sich seine Verehrung über ganz Europa aus. In der christlichen Kunst wird L. meist als junger Bischof im Franziskanerhabit dargestellt.

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Schriften: Traktat über mehrstimmige Musik, in: Codex Laurentiano-Ashburn 1051 in Florenz.

Biographien: Acta Sanctorum Augusti III, Brüssel 1867, 775-822; - Johannes de Orta, in: Analecta Bollandiana 9 (1890), 281-553. Lit.: Archivum Franciscanum Historicum 1 (1908), 278-290. 569-576; 2 (1909), 378-383; - Socii Bollandiani (Hrsg.), Bibliotheca hagiograpahica latina antiquae et mediae aetatis, Brüssel 1898-1901, 5054-5057; - B. Kleinschmidt, St.Ludwig von Toulouse in der Kunst, in: Archivum Franciscanum Historicum 2 (1909), 197-215; - M. R. Taynber, St. Louis of Toulouse and the process of canonisation in the 14th century, Manchester 1929; - C. Vielle, St-Louis d'Anjou, son temps, son culte, Vanves 1930; - L. Chancerel, S. Louis d'Anjou, Paris 1943; - A. Heysse, De vita S. Ludovici ep. Tolosani contenta in codd. Paris. Nat. lat. 5376 et Ottob. lat 2516, in: Archivum Franciscanum Historicum 40 (1947), 118-142; - ECatt VII, 1645f.; - Processus canonizationis et legendae variae, in: Analecta Franciscana VII, Quaracchi 1951; - J. L. Baudot-L. Chaussin, Vie des saints et bienheureux selon l'ordre du calendrier avec l'historique des fêtes (par les RR. PP. Bénédictins de Paris) VIII, Paris 1935-1956, 345-351; - M.H. Laurent, Le culte de St-Louis d'Anjou à Marseille en XIV siècle, Rom 1954; - E. Pßsztor, Per la storia di S. Ludovico d'Angiò, Rom 1955; - LThK2 VI, 1196.

Johannes Madey

Literaturergänzung

1996

Gérard de Martel, Trois sermons inédits du XIII siècle sur Ruth 3,11, in: AFrH 89.1996, S. 379-424; - Clemente Ciammaruconi, Francesco Brun da Apt, un francescano alla corte angioina fra XIII e XIV secolo, in: ebd. S. 585-614; -

2001

Klaus Krüger: A deo solo et a te regnum teneo. Simone Martinis "Ludwig von Toulouse" in Neapel, in: Tanja Michalsky (HG.): Medien der Macht. Kunst zur Zeit der Anjous in Neapel, Berlin 2001, 79-119.

Letzte Änderung: 09.04.2011