MAI, Angelo (7.3. 1782-8.9. 1854) - Geboren in Schilpario bei
Bergamo erhielt er seine elementare Erziehung vom Geistlichen A. Mozzi
de' Capitani, S.J., ehemaligem Professor in Mailand, der sich in seine
Heimatstadt Bergamo zurückgezogen hatte. 1799 wurde M. in die »Compagnia
di Gesù« aufgenommen und verbrachte sein Noviziat unter der Führung
von J. Pignatelli. Letzterem folgte er 1804 nach Neapel, um humanistische
Wissenschaften zu studieren. Nach der Einnahme der Stadt durch die
Franzosen begab er sich nach Rom, um sich theologischen Studien zu
widmen, und anschließend nach Orvieto, wo er 1808 durch B. Lambruschini
die Priesterweihe erhielt. Im selben Jahr nach Rom zurückgekehrt,
sah er sich bald wegen der französischen Besatzung gezwungen, sich
in seine Heimat zurückzuziehen. Am 9.8. 1810 wurde er durch die Vermittlung
von Mozzi als »scrittore« in die Bibliotheca Ambrosiana zu Mailand
aufgenommen. Dort leitete er die Anordnung von über 45.000 Handschriften;
er wurde zum Fachmann besonders für die Palimpseste und machte auf
diesem Gebiet einige interessante Entdeckungen. 1819 wurde er als
Kustos der Bibliotheca Vaticana nach Rom berufen. Er arbeitete dort
bis zu seiner Erhebung zum Kardinal am 12.2. 1838 durch Papst Gregor
XVI. 1833 wurde Mai zum Sekretär der Kongregation De propaganda fide
gewählt. Bis zum hohen Alter setzte er seine Tätigkeit unvermindert
fort. Im Sommer 1854 wurde er von einem Brustleiden befallen. Er starb
in Castelgandolfo, wo er sich gerade von seiner Krankheit erholen
sollte.
Werke: Das Hauptverdienst Mais besteht in der Edition
antiker Autoren. Durch seine paläographische Tätigkeit hat er außerdem
als verschollen gehaltene Schriften wiederentdeckt, darunter sechs
Bücher der Schrift De republica Ciceros, die seit dem 12. Jahrhundert
als verloren galten, die er auch 1822 herausgab. Seine Ausgaben betrafen
jedoch hauptsächlich spätantike und byzantinische Autoren; sie sind
in folgenden Sammelwerken erschienen: Scriptorum veterum nova collectio,
Bd. 1-10 (1825-1838). Bd. 1 (1825): Fragmente des Eusebios, Quaestiones
ad Amphilochium des Photios; Bd. 2 (1827) : Griechische Historiker;
Bd. 3 (1828): Euphraim der Chronograph, Fragmente des Marius Victorinus;
Bd. 4-5 (1831): Katalog der orientalischen Handschriften der Vaticana;
Bd. 6 (1832): Theodoros von Mopsuestia, Theorianos, lateinische Autoren;
Bd. 7 (1833): Leontios von Byzantion, Anastasios Sinaites, Eustathios
Monachos, Niketas; Bd. 8 (1833): Eusebios' Chronographie, Kyrillos
von Alexandria; Bd. 9 (1837): Photios, Leontios u.a.; Bd. 10 (1838):
syrische Autoren in der lateinischen Übersetzung von J.- A. Assémani.
- Nova patrum bibliotheca,Bd. 1 -7 (1844-1854), fortgesetzt von J.
Cozza Luzi, Bd. 8-10 (1871-1905) . Bd. 1 (1852): Reden des Augustinus
und andere patristische Schriften; Bd. 2-3 (1844-1845): Kyrillos von
Alexandria; Bd. 4 (1847): Gregor von Nyssa, Niketas von Byzantion,
Petros von Sizilien, Fragmente anderer Kirchenväter; Bd. 5 (1849):
Nikephoros Patriarches, Theodoros Studites; Bd. 6 (1853): Festbriefe
des Athanasios; Bd. 7 (1854): Fragmente verschiedener Kirchenväter;
Bd. 8 (1871): Theodoros Studites, Georgios Metochites, Symeon Stylites;
Bd. 9 (1888): Theodoros Studites; Bd. 10 (1905): Theodoros Studites,
liturgische Texte. - Spicilegium Romanum,Bd. 1-10 (1839-1844) (spätantike
und byzantinische Autoren, Bd. 6 [1841] enthält Biographien der Päpste).
Klassische Autoren hatte M. in einer ebenfalls 10 bändigen Reihe herausgegeben:
Classicorum auctorum collectio (1828-1838).
Lit.: B. Prina, Biografia del cardinale A. Mai. Bergamo
1882; - G. Gervasoni, Angelo Mai. Milano 1924; - J. Cozza
Luzi, Epistolario del cardinale Angelo Mai. Bergamo 1883; - É.
Amann, in: DTC 9 (1926) 1650 f.; - Nomenclator literarius theologiae
catholicae, V. Innsbruck 1911, 1255 f.; - S. Timpanaro Jr.,
Angelo Mai. Atene e Roma N.S. 1 (1956) 3 f.