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Verlag Traugott Bautz
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MANTEGNA, Andrea, Maler u. Kupferstecher. * 1431 Isola di Cartura bei Padua als Sohn des Tischlers Biagio M., † 13.9. 1506 in Mantua. 1453 Eheschließung mit Nicolosia Bellini, der Tochter des Malers Jacopo Bellini (Schwester v. Giovanni u. Gentile Bellini), Söhne: Francesco u. Lodovico. - M., tätig in Padua, Verona, Mantua und Rom, gilt als der bedeutendste oberitalienische Maler des Quattrocento. Er beeinflußte nachhaltig den Stil dieser Kunstlandschaft und gab der Renaissancemalerei und dem Kupferstich neue Impulse, die ihn weit über Italiens Grenzen hinaus berühmt machten. - 1441-1448 lernte M. bei dem archäologisch orientierten Maler Francesco Squarcione in Padua u. führt dort mit siebzehn seinen ersten Auftrag für S. Sofia aus (die Altartafel ist nicht mehr vorhanden). - Unter dem Eindruck der Fresken des Andrea del Castagno, die er bei einem Venedigaufenthalt kennengelernt hatte, vor allem aber unter Einwirkung des damals in Padua tätigen Bildhauers Donatello, nahm M. 1448 in Gemeinschaftsarbeit mit anderen oberitalienischen Malern seine ersten Fresken in Angriff: die Ausmalung der Kapelle für Antonio Orvetari in der Chiesa degli Eremitani in Padua, die er infolge des Ablebens oder Ausscheidens seiner Mitarbeiter alleine weiterführte und 1457 abschloß. Die im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstörten Fresken mit Szenen aus dem Leben der hll. Jakobus und Christophorus sowie die Himmelfahrt Mariens zeigen die Auseinandersetzung mit den modernen Strömungen und zunehmend die Entwicklung seines eigenen, unverkennbaren Stils: Neben dekorativen Elementen, die venezianischen Einfluß verraten, fällt vor allem die Statuarik der Personenführung, die Vorliebe für monumentale antike Szenerie und in der Farbigkeit eine gewisse Monochromie ins Auge. Die Schönheit der Ausführung, raffinierte perspektivische Effekte, und das antike Ambiente mit authentischen Details erregten bei den Zeitgenossen höchste Anerkennung. Schon hier zeigt sich M.s Begeisterung für das Altertum. In dieser antikenberauschten Epoche hat wohl kein anderer Maler seiner Generation der Antike so nahe gestanden wie M. - Der nächste größere Auftrag führte ihn nach Verona, wo er 1456-59 den Hochaltar für San Zeno Maggiore schuf. Das monumentale Altarbild mit der Sacra conversazione im oberen Bildteil wird von einem geschnitzten, wiederum antik gehaltenen Architekturrahmen zu einer hallenartigen Raumbühne gegliedert, auf der sich die Heiligen um die thronende Madonna mit Kind scharen. Die Bildidee der Sacra Conversazione wird im oberitalienischen Raum hier zum ersten Mal in einem größeren Zusammenhang aufgeführt. 1459 folgt M. dem Ruf an den markgräflichen Hof nach Mantua, wo M. unterbrochen nur von Aufenthalten in Florenz (1466-68) und Rom (1488/89), bis an sein Lebensende wirkte. - Die Interessensgleichheit zwischen der humanistisch gesinnten Familie Gonzaga und ihrem antikenbegeisterten Hofmaler sollte über drei Generationen (Ludovico, Federico und Francesco II. sowie dessen Gattin Isabella d'Este) eine äußerst fruchtbare Allianz ermöglichen. Davon zeugen heute noch die drei Mantuaner Hauptwerke: die Fresken der sog. »Camera degli Sposi« im herzoglichen Palast (Castello di San Giorgio, 1473-1474), die ganz in antikischer Manier gehaltene Bildfolge vom »Triumph Cäsars« (beg. 1488, 1490-ca. 1492) und die Ausmalung des Farneser Studiolos der Isabella d'Este. Die Gestaltung der Camera degli Sposi eröffnet der Malerei neue Mittel der Raumillusion: M.s Kunst suggeriert eine weite, offene Halle mit Blick auf Landschaft und Terrasse, wo nur ein bescheidener quadratischer Raum ist, dessen Wände ein variationsreiches Dekorationssystem gliedert. Auf dieser Raumbühne entfaltet er in porträtistischer Treue Familienszenen der Gonzaga und schafft damit eines der ersten Gruppenportraits der Kunstgeschichte, so wie er mit der äußerst kühnen »sotto in su«-Komposition des Deckengemäldes - einer Balustrade, über deren Rand Frauen und Putti in den Raum hinunterschauen - das erste illusionistische Deckengemälde ausführt, das noch für die italienischen Barockmaler von Bedeutung war. Die 1486 aufgenommene Arbeit am »Triumph Cäsars«, der sich heute in Hampton Court befindet, wurde 1488 durch die damals weithin gerühmte Ausmalung einer später abgerissenen Privatkapelle für Innocenz II. im Vatikan unterbrochen und erst 1492 vollendet. Der große neunteilige Zug von Menschen, Triumphwagen und Tieren (Wasserfarbe auf großformatiger Leinwand, heute stark restauriert), gedacht als Dekoration für eine architektonisch gegliederte Wand, zeigt in leichter Untersicht eine motiv- und detailreich fortlaufende Komposition. Thematik, heroischer Stil und sonderlich die vielzähligen Antikenzitate verraten intensive Altertumsstudien. Andere Hauptwerke der Mantuaner Zeit sind zerstört, so die Ausstattung der Schloßkapelle (1460-64), als deren Relikte man das sog. Uffizien-Tryptichon mit der Anbetung der Könige, Himmelfahrt und Darbringung im Tempel vermutet. Zum Spätwerk gehören die für Isabella d'Este gemalten allegorischen Bilder des Louvre: der »Parnaß« und der »Sieg der Tugend über das Laster«, deren kompositionelle Gestaltung eine Rezeption in Gang setzen, die sich bis Poussin verfolgen läßt. - Neben den großen zyklischen Arbeiten entstanden zahlreiche Tafelbilder meist sakraler Thematik, aber auch einige Bildnisse, so die des Kardinals Mezzarota (Berlin) und Francesco Gonzagas (Neapel). Darunter finden sich Werke von zarter lyrischer Gestimmtheit wie sie die toskanische Malerei kennt, so im »hl. Georg« der Akademie in Venedig. Vom Spätwerk sei der »tote Christus« (um 1480) mit seiner ausdrucksstarken extremen Verkürzung erwähnt. - Die letzte Schaffensphase repräsentieren die von antiken Reliefs inspirierten Grisailles: »Samson und Delila,«, »Triumph des Scipio« und andere antike und biblische Themen. - Auch den Kupferstich, mit dem sich M. seit den 80er Jahren auseinandersetzte, entwickelte er zu erster Blüte und machte ihn neben Pollaiuolo zu einem ernstzunehmenden künstlerischen Ausdrucksmittel. - M. gehört zu den wirkungsreichsten Malern des Quattrocento. Seine Themen und kompositionellen Lösungen beeinflußten nicht nur den direkten Umkreis, sondern auch die Maler des Nordens, so Dürer bis hin zu Rubens und Poussin und gaben der barocken Freskenmalerei entscheidende Impulse.
Werkauswahl: Ovetari-Fresken der Eremitani-Kapelle in Padua, 1448-57; Lukas-Polyptychon, Mailand, Brera, 1453-54; Hlg. Euphemia, Neapel, Gal. Naz., 1454; Christus am Ölberg, London, Nat. Gallery, 1455 (?); Marientriptychon aus S. Zeno Maggiore in Verona, (die drei Teile der Predella in Tours, Mus. des Beaux-Arts u. Paris, Louvre), 1456-59; Kardinal Lodovico Mezzarota, 1459-60 (?); Tod Mariä, Madrid, Prado, 1461 (?); Triptychon (Mitte: Anbetung der Könige, linker Flügel: Beschneidung des Jesusknaben, rechter Flügel: Auferstehung Christi), Florenz, Uffizien, 1460-70 (?); Darbringung im Tempel, Gemäldegalerei 1465-ca.1492; Der hlg. Georg, Venedig, Akademie, 1467; Der tote Christus, Mailand, Brera, 1480 (?); Der hlg. Sebastian, Paris, Louvre, 1480 (?); Maria mit Kind u. Engeln, Mailand, Brera, 1485; Triumph Cäsars, Hampton Court Palace, 9 Lw.bilder, 1486-ca.1492; Christus als Schmerzensmann, von zwei Engeln gestützt, Kopenhagen, Statens Mus. f. Kunst, ca. 1489; Maria mit Kind, Gemäldegalerei Berlin, (?); Samson und Dalila, London, Nat. Gallery, 1495; Maria della Vittoria, Paris, Louvre, 1496; Sacra conversazione (Madonna Trivulzio), Mailand, Mus. del Castello Sforzesco, 1497; Parnaß, Paris, Louvre, ca. 1497; Sieg der Tugend über die Laster, Paris, Louvre, 1504 (?).
Lit.: Früheste Quellen: Giorgio Vasari, Le Vite de più eccelenti architetti, pittori et scultori italiani, 1550, I, 508-513 (2. etw. veränd. Aufl. 1568, 1, 487-492); - Bernardino Scardeone, De antiquitate urbis Patavii et claris civibus Patavinis, 1560, 371-373; - (weitere zeitgenöss. u. frühe Berichte zu M. in: Paul Kristeller, 1901/1902, Anhang). - Monographien zu Leben und Werk/ Bibliographien: Alfred Woltmann, A.M., 1878 (Kunst u. Künstler des Mittelalters, Abt. 2,1, Nr. 51), 1878; - Henry Thode, M., 1897; - Charles Yriarte, M., sa vie-sa maison-son tombeau-son œuvre dans les musées et les collections, 1901 (1900); - Maud Cruttwell, A.M., 1902 (1908); - Paul Kristeller, A.M., 1902; - André Blum, M.: biographie critique, 1911; - Guglielmo Pacchioni, A.M., 1921; - Fritz Knapp, M. 1924; - Alberto Neppi, M., 1934; - William George Constable, M. and humanism in fifteenth century Italy, 1937; - Wilhelm Boeck, M. Der Meister der oberitalienischen Frührenaissance, 1942; - Paolo d'Ancona, M., 1956; - Erika Tietze-Conrat, M., Gemälde, Zeichnungen, Stiche, 1956; - Albert Kutal, A.M., 1958; - Giuseppe Fiocco, L'Arte di A.M., 19592; - T. P. Znamerovskaja, A. Manten'ja, 1961; - Renata Cipriani, Tutta la pittura di A.M., 1962; - Paul Hetherington, A.M., 1964; - Angiola Maria Romanini, L'itinerario pittorico del M. e il »primo« Rinascimento padano-veneto. In: Arte in Europa (Festschr. f. E. Arslan), 1965-1966, 437-464; - Arte in Europa Franca Boccazzi Zava, M. 1966 (engl. Übers. 1971); - Maria Bellonci/ Niny Garavaglia, L'opera completa del M. 1967, (dt., span. 1970, engl.: Andrew Martindale/Niny Garavaglia, The complete Paintings of M., 1971); - A. Smith, A.M. and Giovanni Bellini, 1975; - Ettore Camesasca, M., 1981; - Ronald W. Lightbown, M. with a complete catalogue of paintings, drawings and prints, 1986; - Jack Greenstein, M. andpainting as historical narrative, 1992. - Einzeluntersuchungen: U. 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Ingeborg Dorchenas
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Letzte Änderung: 29.01.2008