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Band V (1993)Spalten 770 Autor: Adolf Lumpe

MARCELLINUS COMES, spätlat. Geschichtsschreiber aus dem 6. Jh. - M. C. stammte aus einer vornehmen Familie in Illyrien, war Leiter der Kanzlei Justinians I. vor dessen Regierungsantritt (daher der Beiname »Comes«, d. h. Hofbeamter) und stand auch nachher mit ihm in näheren Beziehungen. Eine Stelle b. Cassiodor deutet viell. auf späteren Eintritt in den geistlichen Stand hin. Er verfaßte in Konstantinopel eine Chronik in lat. Sprache, die an die Weltchronik des Eusebios und Hieronymus anschließt und von 379 bis 534 (viell. sein Todesjahr) reicht; sie wurde von einem Unbekannten bis 548 fortgesetzt. Sein Interesse galt hauptsächlich Ostrom; Nachrichten aus dem Westen, die er den »Historiae« des Orosius und der Schrift »De viris illustribus« v. Gennadius entnommen hat, bringt er nur, soweit sie für die byz. Gesch. von Bedeutung sind. Für die Chronologie dienten ihm die »Fasti consulares Constantinopolitani« (das Verz. der oström. Konsuln) als Grundlage. Er berücksichtigt außer der politischen Gesch. auch die Kirchengesch., wobei er streng orthodoxe Anschauungen bekundet. Das Werk wurde ausgiebig von Jordanes für seine »Röm. Gesch.« benutzt. Cassiodor erwähnt zweimal noch ein anderes Werk von M. C.; es handelt sich dabei wohl nur um eine Schrift, wahrsch. ein Itinerarium mit topographischen Notizen über Konstantinopel und Jerusalem.

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Werke: Der Titel des Geschichtswerks wird gewöhnlich mit »Chronicon« angegeben, ist aber als »Chronica« (wahrsch. nicht mehr Neutr. Plur., sondern bereits Fem. Sing.) überl. - Ausgg.: MPL 51, 917-948; Theodor Mommsen, MG AA XI, 37-108.

Lit.: Oswald Holder-Egger, Unterss. über einige annalistische Quellen z. Gesch. des 5. und 6. Jh. II, in: NA 1, 1876, 213-368, hier 250-253: Die Chron. des M. C.; - Ders., Unterss. usw. w. o. III, in: NA 2, 1877, 47-109: Die Chron. des M. C. und die oström. Fasten; - Pierre Courcelle, Les lettres grecques en occident, Paris 1948, 354. 374; - Manitius I, 79 u. ö. (s. Reg.); - Schanz IV/2, 110-112; - Bardenhewer V, 268 f.; - Altaner 233; - LThK VII, 1; - EC VIII, 9; - NewCathEnc IX, 188 f.

Adolf Lumpe

Letzte Änderung: 09.04.2011