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Band V (1993)Spalten 797-799 Autor: Paul Duclos

MARET, Henry, Dekan der theologischen Fakultät an der Sorbonne, * 20.4. 1805 in Meyrueis (Lozère), † 16.6. 1884 in Paris. M. litt sein ganzes Leben lang unter Schwerhörigkeit. Von den kirchlichen Studien in Saint-Sulpice (Paris) enttäuscht, begeistert er sich zuerst für Lamennais. 1830 zum Priester geweiht, wird er Mitstreiter bei »Avenir« und bleibt mit den früheren Jüngern Lamennais' auch nach der Verurteilung durch Rom (1834) verbunden. 1841 wird M. durch Affre an die theologische Fakultät der Sorbonne berufen. Bei einem Aufenthalt in München bewundert er die Überlegenheit der deutschen Wissenschaft gegenüber der französischen Theologie. Während der 1848er Revolution gründete er im Februar mit Lacordaire und Ozanam die Tageszeitung »L'Ere nouvelle« (Das neue Zeitalter) und kämpft als dessen Direktor offen für eine demokratische Republik. Nach dem Staatsstreich vom 2.12. 1851 kehrt M. an die Theologische Fakultät zurück, von der er von 1853 bis zu seinem Tod 1884 Dekan bleibt. - Es gelingt M., bekannte Professoren dorthin zu ziehen, wie z.B. Lavigerie, Meignan, Bautain, Graytry. Das Institut leidet aber darunter, daß sie keine Kanonische Grade vergeben kann, da sie nicht von Rom anerkannt wird. 1856 schließt sich der Dekan dem Second Empire an und nimmt dank seiner Beziehungen auf ministerieller Ebene an den Abschlußexamen teil. M. wird 1860 zum Bischof von Vannes ernannt, jedoch gewährt ihm Rom nur den Bischofssitz von Sura i.p.i.. - Als sich das Konzil nähert, verfaßt M. seine Schrift »Du concile général et de la paix religieuse«, die ihm zum hervorragenden Theologen des Angriffs gegen die päpstliche Infallibilität macht. In diesem gut aufgebauten und der Zeit angepaßten Form des Aufsatzes läßt er sich vom Gedankengut Bossnets inspirieren. M. beschäftigt sich hauptsächlich mit der Aussöhnung der Kirche mit der moderenen Welt. Er ist von den Einwänden betroffen, die die christliche Tradition und die rationale Kritik gegen die Unfehlbarkeit des Papstes hervorbringt. In der Kirche, einer Monachie, die wirkungsvoll durch die Aristokratie gemäßigt ist, lobt er daher die Notwendigkeit der Zustimmung des Episkopats zu den päpstlichen Lehrentscheidungen. Ohne Zweifel wäre es besser gewesen, M. hätte den Vätern des Konzils das Erstleserecht seines Werkes vorbehalten; so erscheint es vor dem Konzil, wird zu einem Manifest und löst eine lebhafte Polemik aus. Jedoch als guter Priester unterwirft sich M. rasch dem promuligierten Dogma und zieht sogar sein Buch aus dem Verkauf zurück. 1873 wird er zum Abt des Kapitels von Saint-Denis und von Leo XIII. zum Erzbischof von Lépante ernannt. Er verfolgt weiterhin seinen Plan, die theologische Fakultät an der Sorbonne zu erhalten, die ihm als Symbol der immer stärker bedrohten Konsolidierung von Kirche und Staat erscheint. Trotz seiner letzten Arbeit »La vérité catholique et la paix religieuse« (Die katholische Wahrheit und der religiöse Frieden) wird die Fakultät 1885 im Jahr seines Todes aufgelöst. - Sicherlich hat M. - aus der Sicht des 19. Jh.s - zu sehr auf die hierarchische Machtordnung innerhalb der Kirche bestanden, und seine Niederlagen sind zum Teil auf einen Mangel an Realismus zurückzuführen; jedoch erkennt man mit Abstand besser die Zukunftssichten dieses frommen und sehr gewissenhaften Mannes. Mit der Ablehnung der Unterscheidung zwischen These und Hypothese sieht er in der Freiheit das essentielle Recht des Menschen, mit dem Aufzeigen der klerikalen Theokraten zeigt er seinen tiefen Sinn für den Dialog innerhalb der Kirche.

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Werke: Essai sur le pantheisme, Paris 1840, 31845 (dt. Schaffhausen, 1842); Théodicée chrétienne, Paris 1842, 21850 (dt. Mainz 1845); Philosophie et religion, 2 Bde., 1856; Du Concile général et de la paix religieuse, 2 Bde, Paris 1869; La vérité catholique et la paix religieuse, Paris 1884. - Hrsg. (mit F. Ozananam und H. Lacordaire) »Ère nouvelle«, Paris 1848 ff.

Bibliograohien: Catholocisme (bis 1975) VIII, 38-39.

Lit.: G. Bazin, Vie de Mgr M., 4 Bde., 1891 (trop panégyrique, mais donne des inédits importants); - Duroselle, Débuts du catho.social en France, 1951; - Palanque, Catho. libéraux et gallicans, 1962, Aix-en-P. -Marchasson, Diplomatie romaine et République fr. Rev. Hist. Ec., Louvain, »Gallicanisme de M.«, Bde. 52, 401-465; - Cl. Bressolette, L'abbé M., Combat pour une démocratie chr., 1977, et Ecclésiologie politique de M., 1984; - DThC IX, 2033-2037.

Paul Duclos

Literaturergänzung:

2009

Claude Bressolette. Les relations du Père Gratry et de Mgr Maret, dans Olivier Prat (dir.). Alphonse Gratry. Marginal ou précurseur? (1805-1872), Paris, Cerf, 2009, p. 43-65.

Letzte Änderung: 09.04.2011