MARINUS und ANIANUS: hl. Bischof u. hl. Diakon, irische oder westfränkische Herkunft, geb. 7. Jh., gest. 7./8. Jh. Fest: 15.11. - Die beiden flüchteten nach Romuald Bauerreiss vor den Alpenslawer in die Einöden Wilparting und Alb, Oberbayern. Dort wirkten sie als Missionare und starben den Martertod. Ihre Vita (Handschriften aus dem 12. u. 13. Jh.) geht nach Bauerreiss auf eine Notiz Arbeos von Freising zurück. Zwar ist sie sehr umstritten, kann aber dennoch nicht als ganz unhistorisch zurückgewiesen werden. Papst Eugen I. soll sie zuvor (655?) in Rom zum Wanderbischof (Marinus) und zum Diakon (Anianus) geweiht haben. Sie bauten sich südlich von München bei Irschenberg Einsiedlerhütten. Hier sollen sie etwa 40 Jahre gelebt haben. Als sie auf Missionswanderungen waren, wurden sie von Räubern totgeschlagen und auf dem Scheiterhaufen, verbrannt. Im 15. und im 18. Jh. wurden ihre Gebeine erhoben. Ihr Kult ist bezeugt durch den Eintrag ihres Festes in das Sakramentar Heinrichs II. Im 12. Jh. waren sie Patrone von Rott am Inn. Es entstand ein Streit zwischen Rott und Wilparting um den Besitz ihrer Reliquien. Durch Erhebungen in den Jahren 1723 und 1776 wurde dieser Streit zugunsten entschieden. In Wilparting erscheinen ihre Gräber als Hochgräber. Bis heute gilt Wilparting als Wallfahrtsstätte zu diesen beiden Heiligen. In der Kunst wird Marinus als Bischof mit Buch und Stab gezeigt, Anianus mit Buch und Palme.
Lit.: Vita, hrsg. von B. Sepp, Regensburg 1892; - R. Bauerreiß: Die »Vita sancti Marini et Aniani« u. Arbeo von Freising: SM 51, (1933) 37 f. (Lit. ); - G. Baesecke: BGDSL 68 (1945); - LThK I
2, Sp. 562 (R. Bauerreiß); - V. Schauber: Pattloch Namenstagskalender, Dokumentation von H. M. Schindler, Augsburg 1994, 359; - J. Torsy: Der Große Namenstagskalender, Aktualisierte und erweiterte Neuausgabe von H. J. Kracht, Freiburg-Basel-Wien 1997
2, 311; - LThK
3, Sp. 678 (W. Störmer); - MGH SS 15/2, 1069; - K. Hausberger: Die Hl. Marinus u. Anianus: BaSa 3, 21 ff.; - L. Steinberger: Zur Legende der hl. Marinus und Anianus, Patrone des Stiftes Rott: SMGB 34 (1913) 117 ff.; - H. Berg: Christentum im bayerischen Raum um 700; - H. Dickerhof u. a. (Hrsg.): Der hl. Willibald-Kloster-Bischof oder Bistumsgründer? Rb 1990, 69-113, bes. 80 ff.; - BiblSS VIII 1180-1181; - LCHI 5, Sp. 166-167 (L. Schütz).
Ekkart Sauser
Letzte Änderung: 09.04.2011