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Band V (1993)Spalten 890-891 Autor: Paul Duclos

MARTELLANGE, Etienne, jesuitischer Architekt; * 1568 (oder1569) in Lyon, + 21.9. 1641 in Paris, Sohn eines angesehenen Malers. M. tritt 1590 in das Jesuitennoviziat von Avignon ein. Trotz guter Studien verzichtet er auf Weihe und gibt sich zufrieden damit, ein einfacher »Bruder« zu sein, während seine beiden Brüder Benoìt und Olivier Priester im Jesuitenorden werden, jedoch sehr früh sterben. Obwohl M. durch viele Krankheiten beeinträchtigt ist, erfreut sich M. von 1605 an eines solchen etablierten Rufes, daß König Heinrich IV. sich seiner Talente für das Kollegium (Collège) de La Flèche bedient, ebenso wie im folgenden Jahr die Königin Marie de Médicis; diese königliche Protektion wird ermutigt durch die herzliche Verbindung zwischen M. und dem berühmten P. Coton, ein Freund Heinrichs IV. Von den Kirchen, an denen M. arbeitet, kann man jene von Avignon, Besancon, Bourges, Chambéry, Dijon, La Flèche, Le Puy, Lyon, Orléans, Paris, Rennes und Roanne hervorheben. Einer seiner größten architekturellen Erfolge ist die Kirche des Noviziates von Paris in der Nähe der Place Saint-Sulpice (heute zerstört); man sagt, daß Bernin auf einer Durchreise in Paris über sie eine großartige Elogie verfaßte. Abgesehen von den Plänen und Modellen seiner Arbeiten hinterläßt M. ein Reisejournal, in dem er Ansichten religiöser Monumente zeichnet, von denen einige heute zerstört oder umgebaut sind: der Glockenturm der Kollegiatskirche von Dole, die Abteien von Cluny und Paray-le-Monial, sowie eine bemerkenswerte Studie von Sisteron. - Im Zusammenhang mit dem M. spricht man häufig vom »jesuitischen Stil«. P. Moisny und der P. de Dainville bezeichnen diesen Ausdruck als inkorrekt. Wie alle Architekten ihrer Epoche lassen sich die Architekten der Kompanie zur Glorifikation des Herrn vom Barockstil inspirieren; der »Gesu« in Rom ist ein schönes Beispiel hierfür. In Frankreich jedoch ist das »Martellange Schema« charakterisiert durch seine harmonische Nüchternheit (er baut schnell mit geringen Bausummen). Seine Kirchen haben entweder nur ein einziges Schiff oder einen »Zentralplan« (wie in Avignon oder Bésancon).

Werke: Sommervogel 5, 614-615; Cabinet des estampes de la Biblioth.Nationale, et Biblio. municipale de Quimper; Perspective de Viator, übers. ins lateinische und fränzösische durch »Maistre Martel-Ange«, 1616.

Lit.: Charvet, »Et.M«., in: Soc.litt.de Lyon, 1873-1874; - Bouchot, Notice sur la vie et les trav. d'E.M., in: Biblioth. de l'Ecole des Chartes, 1886; - Biogr. Univ., 27, 91 (mis à »Martel«); - Fouqueray, Hist. de la Cie de Jésus en Fr., 3 + 4 (Illustriert); - Delattre, Etablissements des jésuites en Fr., 5 Bde. (Tables: villes où a travaillé E.M.); - Pierre Moisy , Les églises des jésuites de l'ancienne Assistance de France, 2 Bde., 1960, Rome (wichtig); - Dainvielle, »Légende du style jésuite«, in: Etudes, 287, 3-16; - Archivum Hist.Soc.J., 32, 195; - J. Valléry-Radot, Le Frère M., in: L'Oeil, April 1962, 34-61; - Catholicisme 8, 726-727.

Paul Duclos

Letzte Änderung: 27.06.1998