MARTELLANGE, Etienne, jesuitischer Architekt; * 1568 (oder1569)
in Lyon, + 21.9. 1641 in Paris, Sohn eines angesehenen Malers.
M. tritt 1590 in das Jesuitennoviziat von Avignon ein. Trotz guter
Studien verzichtet er auf Weihe und gibt sich zufrieden damit, ein
einfacher »Bruder« zu sein, während seine beiden Brüder Benoìt und
Olivier Priester im Jesuitenorden werden, jedoch sehr früh sterben.
Obwohl M. durch viele Krankheiten beeinträchtigt ist, erfreut sich
M. von 1605 an eines solchen etablierten Rufes, daß König Heinrich
IV. sich seiner Talente für das Kollegium (Collège) de La Flèche
bedient, ebenso wie im folgenden Jahr die Königin Marie de Médicis;
diese königliche Protektion wird ermutigt durch die herzliche Verbindung
zwischen M. und dem berühmten P. Coton, ein Freund Heinrichs IV. Von
den Kirchen, an denen M. arbeitet, kann man jene von Avignon, Besancon,
Bourges, Chambéry, Dijon, La Flèche, Le Puy, Lyon, Orléans, Paris,
Rennes und Roanne hervorheben. Einer seiner größten architekturellen
Erfolge ist die Kirche des Noviziates von Paris in der Nähe der Place
Saint-Sulpice (heute zerstört); man sagt, daß Bernin auf einer Durchreise
in Paris über sie eine großartige Elogie verfaßte. Abgesehen von den
Plänen und Modellen seiner Arbeiten hinterläßt M. ein Reisejournal,
in dem er Ansichten religiöser Monumente zeichnet, von denen einige
heute zerstört oder umgebaut sind: der Glockenturm der Kollegiatskirche
von Dole, die Abteien von Cluny und Paray-le-Monial, sowie eine bemerkenswerte
Studie von Sisteron. - Im Zusammenhang mit dem M. spricht man
häufig vom »jesuitischen Stil«. P. Moisny und der P. de Dainville
bezeichnen diesen Ausdruck als inkorrekt. Wie alle Architekten ihrer
Epoche lassen sich die Architekten der Kompanie zur Glorifikation
des Herrn vom Barockstil inspirieren; der »Gesu« in Rom ist ein schönes
Beispiel hierfür. In Frankreich jedoch ist das »Martellange Schema«
charakterisiert durch seine harmonische Nüchternheit (er baut schnell
mit geringen Bausummen). Seine Kirchen haben entweder nur ein einziges
Schiff oder einen »Zentralplan« (wie in Avignon oder Bésancon).
Werke: Sommervogel 5, 614-615; Cabinet des estampes de
la Biblioth.Nationale, et Biblio. municipale de Quimper; Perspective
de Viator, übers. ins lateinische und fränzösische durch »Maistre
Martel-Ange«, 1616.
Lit.: Charvet, »Et.M«., in: Soc.litt.de Lyon, 1873-1874;
- Bouchot, Notice sur la vie et les trav. d'E.M., in: Biblioth.
de l'Ecole des Chartes, 1886; - Biogr. Univ., 27, 91 (mis à »Martel«);
- Fouqueray, Hist. de la Cie de Jésus en Fr., 3 + 4 (Illustriert);
- Delattre, Etablissements des jésuites en Fr., 5 Bde. (Tables:
villes où a travaillé E.M.); - Pierre Moisy , Les églises des
jésuites de l'ancienne Assistance de France, 2 Bde., 1960, Rome (wichtig);
- Dainvielle, »Légende du style jésuite«, in: Etudes, 287, 3-16;
- Archivum Hist.Soc.J., 32, 195; - J. Valléry-Radot, Le Frère
M., in: L'Oeil, April 1962, 34-61; - Catholicisme 8, 726-727.