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Band V (1993)Spalten 1013-1014 Autor: Walter Troxler

MATHIEU, Césaire (eigentl. Adrien Jacques Marie), EB von Besançon, Kardinal; * 20. Januar 1796 Paris, + 9. Juli 1875 Besançon. - Der in Paris geborene M. trat nach der Elementarausbildung eine Ausbildung zum Kaufmann in Lyon an. Darauf bildete er sich in Paris zum Staatsbeamten und Advokaten aus. Trotz einer Berufung durch die Familie Montmorency, trat M. 1819 ins Seminar von St. Sulpice ein und wurde 3 Jahre später zum Priester geweiht. Als Sekretär des Bischofs von Evreux sollte er Seminare gründen, es fehlte jedoch am nötigen Geld, worauf M. 1828 Priester und schon bald Großvikar in Paris wurde. Nach verschiedenen ungünstig ausgegangenen Wahlen wurde M. 1832 zum Bischof von Langres erwählt und im folgenden Frühling geweiht. Vehement wehrte er sich gegen die von der Regierung geplante Aufhebung von vielen Bistümern. Durch seine Ernennung zum Erzbischof von Besançon (1834) trat er eine schwieriges Amt an. Denn durch die Haltung seines Vorgängers in der Julirevolution war der Klerus gespalten und M. mußte dessen Einigkeit wieder herstellen. Sein Temperament, seine autoritäre Art und seine gallikanische Ausrichtung führten zu verschiedenen Spannung zwischen ihm und seinem Klerus, der in ländlichen Gebieten eher ultramontan gesinnt war. Die Freiheit des Unterrichts verlangte M. für die bestehenden und neuerrichteten Ausbildungsstätten - darunter St. Francois in Besançon - seines Sprengels. Er unterstützte viele Kongregationen von Frauen, die in der Ausbildung oder in Pflegeberufen tätig waren. Um das verbreitete Simultaneum in Montbéliard zu verdrängen, ließ M. 11 Kirchen für die Katholiken bauen. M. war dem Papst sehr ergeben; trat im Senat für die weltliche Macht des Papstes ein, widersetzte sich aber dennoch lange Zeit der Einführung der römischen Liturgie. Sein Rat war trotzdem oft erfragt worden, so vor allem von Nuntius Garibaldi in Bischofsernennungen. Nicht zuletzt deshalb erhielt er 1850 die Kardinalswürde. Als Teilnehmer am Vatikanischen Konzil gehörte M. zu den Gegnern der Infallibilität, unterwarf sich aber uneingeschränkt. Nach der Konzilsperiode nahm der Einfluß M.s in politischen Angelegenheiten rasch ab. - M.s Bedeutung lag in seiner politischen und kirchenpolitischen Rolle innerhalb Frankreichs.

Werke: Vie de M. l'abbé Boudon. Besançon 1837; Le pouvoir temporel des papes justifiés par l'histoire. Paris 1863.

Lit.: T. N. Penard, Servage des gens de mer. Lettres à S.E. le Card. M. [als Antwort auf M.s Stellungnahme zu einem Artikel in »L'Avenir commercial«] o.O. 1862; - Louis Besson, Vie du Cardinal M. 2 Bde. Paris 1882; - Jean - François Bergier, Supplément à la vie du Card. M. Besançon 1883; - Paul Poupard, Correspondance inédite entre Mgr. Antonio Garibaldi, internonce à Paris et Mgr. C. M. archevêque de Besançon. Contribution à l'histoire de l'administration ecclésiastique sous la monarchie de juillet. Paris-Rom 1961; NBG XXXIV, 248-249; - DHGE XVIII, 409; - Catholicisme VIII, 879-881; - LThK VII 1962, 167.

Walter Troxler

Letzte Änderung: 10.07.1998