MATHIEU, Césaire (eigentl. Adrien Jacques Marie), EB von Besançon,
Kardinal; * 20. Januar 1796 Paris, + 9. Juli 1875 Besançon. -
Der in Paris geborene M. trat nach der Elementarausbildung eine Ausbildung
zum Kaufmann in Lyon an. Darauf bildete er sich in Paris zum Staatsbeamten
und Advokaten aus. Trotz einer Berufung durch die Familie Montmorency,
trat M. 1819 ins Seminar von St. Sulpice ein und wurde 3 Jahre später
zum Priester geweiht. Als Sekretär des Bischofs von Evreux sollte
er Seminare gründen, es fehlte jedoch am nötigen Geld, worauf M. 1828
Priester und schon bald Großvikar in Paris wurde. Nach verschiedenen
ungünstig ausgegangenen Wahlen wurde M. 1832 zum Bischof von Langres erwählt und im
folgenden Frühling geweiht. Vehement wehrte er sich gegen die von
der Regierung geplante Aufhebung von vielen Bistümern. Durch seine
Ernennung zum Erzbischof von Besançon (1834) trat er eine schwieriges
Amt an. Denn durch die Haltung seines Vorgängers in der Julirevolution
war der Klerus gespalten und M. mußte dessen Einigkeit wieder herstellen.
Sein Temperament, seine autoritäre Art und seine gallikanische Ausrichtung
führten zu verschiedenen Spannung zwischen ihm und seinem Klerus,
der in ländlichen Gebieten eher ultramontan gesinnt war. Die Freiheit
des Unterrichts verlangte M. für die bestehenden und neuerrichteten
Ausbildungsstätten - darunter St. Francois in Besançon - seines Sprengels.
Er unterstützte viele Kongregationen von Frauen, die in der Ausbildung
oder in Pflegeberufen tätig waren. Um das verbreitete Simultaneum
in Montbéliard zu verdrängen, ließ M. 11 Kirchen für die Katholiken
bauen. M. war dem Papst sehr ergeben; trat im Senat für die weltliche
Macht des Papstes ein, widersetzte sich aber dennoch lange Zeit der
Einführung der römischen Liturgie. Sein Rat war trotzdem oft erfragt
worden, so vor allem von Nuntius Garibaldi in Bischofsernennungen.
Nicht zuletzt deshalb erhielt er 1850 die Kardinalswürde. Als Teilnehmer
am Vatikanischen Konzil gehörte M. zu den Gegnern der Infallibilität,
unterwarf sich aber uneingeschränkt. Nach der Konzilsperiode nahm
der Einfluß M.s in politischen Angelegenheiten rasch ab. - M.s
Bedeutung lag in seiner politischen und kirchenpolitischen Rolle innerhalb
Frankreichs.
Werke: Vie de M. l'abbé Boudon. Besançon 1837; Le pouvoir
temporel des papes justifiés par l'histoire. Paris 1863.
Lit.: T. N. Penard, Servage des gens de mer. Lettres à
S.E. le Card. M. [als Antwort auf M.s Stellungnahme zu einem Artikel
in »L'Avenir commercial«] o.O. 1862; - Louis Besson, Vie du Cardinal
M. 2 Bde. Paris 1882; - Jean - François Bergier, Supplément à
la vie du Card. M. Besançon 1883; - Paul Poupard, Correspondance
inédite entre Mgr. Antonio Garibaldi, internonce à Paris et Mgr. C.
M. archevêque de Besançon. Contribution à l'histoire de l'administration
ecclésiastique sous la monarchie de juillet. Paris-Rom 1961; NBG XXXIV,
248-249; - DHGE XVIII, 409; - Catholicisme VIII, 879-881;
- LThK VII 1962, 167.