MÉRODE, Xavier Frédéric Marie Ghislain Comte de, kath. belg. Theologe, Msgr. u. EB, * 25.3. 1820 in Brüssel, + 11.7. 1874 in Rom. M., Sohn von Philippe Félix Balthasar Othon Ghislain de M. und dessen erster Frau Rosalie de Grammont (+ 27.9. 1823), wuchs bei Großmutter und Tante auf. Seine Schulbildung erhielt er in Namur und Juilly; 1838 trat M. in die belgische Militärakademie ein, wo er am 16.2. 1841 zum Unterleutnant der Kavallerie befördert wird. 1843 wird M. in eine Eliteeinheit versetzt, mit der er Ende 1844 an einer französischen Expedition in Nordafrika teilnimmt und in deren Folge er wegen seines Einsatzes am 27.11. mit dem Kreuz der Ehrenlegion dekoriert wird. Zum Jahresende 1847 nimmt M., gleichzeitig zum Hauptmann befördert, seinen Abschied, um in Rom Theologie zu studieren und die geistliche Laufbahn einzuschlagen. Nach der Ermordung des Premierministers Pellegrino Rossi (16.11. 1848) stürmt M. schwerbewaffnet den Quirinal zur Verteidigung der Kurie. Während der Angriffe Giuseppe Garibaldis auf den Kirchenstaat und der Belagerung Roms wird M., seit 1849 Diakon, für einen Monat verhaftet. Nach der französischen Befreiung wird M. zum Priester geweiht und Militärseelsorger in Viterbo. Pius IX. (s.d.) aus Gaeta zurückgekehrt, ernennt wenig später M. zum Vatikankämmerer. In Rom forciert M. die Gefängnisreform, und sein Konzept der Besserungshäuser nach belgischen Vorbild wird rasch in Perugia und Bologna übernommen. Im April 1850 wird M., mittlerweile Intimus Pius' IX., zum Kriegsminister ernannt; seine Reorganisation der päpstlichen Streitmacht macht die Kurie von der Protektion durch Napoleon III. unabhängig. Die Spannungen zwischen M. und dem Kardinalstaatssekretär Giacomo Antonelli (s.d.), der der auf vermittelnden Ausgleich bedachten Diplomatie den Vorzug gibt, wachsen, da M. den aus Fkr. exilierten General Christoph Louis Léon Juchault de Lamoricière (5.2.1806-10.9.1865), der zudem mit Napoleon III. verfeindet ist, protegiert. Im September 1865 wird M., inzwischen auch Kanonikus an St. Peter, zur Demission gezwungen, denn auch Pius IX. kann M. wegen des wachsenden Drucks nicht mehr halten. Dafür wird M. zum EB in partibus infidelium von Melitene (22.6./1.7.1866) und wenig später zum päpstlichen Großalmosenier ernannt; M. entwickelt nun noch regere karitative Aktivitäten; er fördert die kleine belgische Gemeinde und zeichnet auch für die Ausbesserung der römischen Verkehrswege verantwortlich. M.s Rolle auf dem 1. Vatikan. Konzil ist vergleichsweise unbedeutend. Anfang 1874 macht M. nochmals von sich reden, als er die (angebl.) Katakombe der Domitilla (s.d.) und ihrer Brüder und Mitmärtyrer Achilleus und Nereus in Tor-Mariancia entdeckt. - M., Kardinal in petto, stirbt noch vor seiner Erhebung an einer Lungenentzündung. In seinem Wesen verschmelzen militärischer Wagemut, eine romantisierende mystische Frömmigkeit, asketische Züge und und sozialdiakonisches Engagement.
Lit.:
Thonissen, Vie du comte Félix de M., Louvain 1861; - T.-J. Lamy, Msgr. de M., Brüssel 1875; - Louis Besson, La Vie et les Œuvres de X. de M., Brüssel 1886; - Ders., Frederick Francis X. de M., transl. by Lady Herbert, London 1887; - Fernand Hayward, Pie IX et son temps, Paris 1948; - Roger Aubert, La Chute de Mgr. de M.: RSCI 9 (1955), 331-392; - Ders., Mgr. de M., ministre de guerre sous Pie
IX: Rv. Générale Belge 126 (1956), 1120-1143. 1316-1334; - E.
Y. Hayes, Papst Pius IX. Politik u. Rel. Mit einem Nachwort v. Andreas
Posch, Graz/Köln/Wien 1957; - BnatBelg XIV, 581-590; - EC
VIII, 733-735; - NewCathEnc IX, 689.