MESSMER, Sebastian Gebhard, der vierte - und letzte in Europa geborene - Erzbischof von Milwaukee, Wisconsin, * 29. August 1847 im Schweizer Goldach (SG), † 1930 ebd. - Seine theologischen Studien absolvierte er an der Theologischen Universität der Jesuiten in Innsbruck und lebte im Nikolaihaus, aus dem das bis heute bestehende ›Collegium Canisianum‹ entstand. Der künftige Bischof wurde am 23. Juli im Konzilsjahr 1871 in Innsbruck zum Priester geweiht, übersiedelte aber bald darauf in die Vereinigten Staaten. Hier wurde er Mitglied des Lehrkörpers des Seton Hall College in South Orange, New Jersey, und als Priester in die Diözese Newark inkardiniert. Um den kirchenrechtlichen Doktorgrad zu erwerben studierte er in Rom, bevor er 1891 zum Nachfolger Bischof Friedrich X. Katzers (s. d.), eines gebürtigen Oberösterreichers, berufen wurde, der 1890 aus Green Bay in Wisconsin zum Erzbischof von Milwaukee bestellt worden war. M., am 27. März 1872 zum Bischof geweiht, blieb bis zum 28. November 1903 Bischof von Green Bay und wurde wiederum zum Nachfolger des am 23. Juli verstorbenen Katzers berufen, und am 10. Dezember des Jahres übernahm er den erzbischöflichen Stuhl (vgl. Messmer for Archbishop. Propaganda Agrees to Nominate Wisconsin Bishop to the Pope. In: New York Times, Formularende November 25, 1903). Er übernahm die größte Erzdiözese in Wisconsin in unruhigen Zeiten, vor allem ethnische Konflikte standen im Mittelpunkt, die er zu lösen hatte. Zudem zeigt sich, daß gerade in diesen Jahrzehnten die (nord-)amerikanische Kirche sich sich stark von der europazentrierten Sicht des ›importierten‹ Klerus zu lösen begann - Katzer wie Messmer sind im Grunde noch Exponenten der alten Sichtweise der Kirche. Dennoch gelang es dem neuen Erzbischof, die ethnischen Barrieren innerhalb seines Sprengels zu überbrücken, wenn auch durch eine starke Zentralisierung. In dieser ersten Zeit als Bischof begann auch seine Mitarbeit in der ›American Federation of Catholic Societies‹, deren Ziel es war, den nordamerikanischen Katholizismus innerhalb der Gesellschaft der USA und gegenüber der europäischen Kirche Gehör zu verschaffen. Als ein Beitrag zur Stärkung der kirchlichen Autorität gilt sein damals verbreitetes ›Handbook for Catholic Parishioners‹ (1907). Gegenüber ›nationalkirchlichen‹ Bestrebungen, etwa der stark zuziehenden Polen, reagiert er als Bischof sehr empfindlich - eine lang und heftig geführte Debatte, die fast zum Schisma in der Diözese führte, war das Resultat (vgl. Th. Borun, We, the Milwaukee Poles.Milwaukee 1946. A. J. Kuznewski, Faith and Fatherland. Notre Dame 1980. W. Kruszka, A History of Poles in America to 1908. Washington DC 2001). Um den unterschiedlichen Notwendigkeiten der Seelsorge zu dienen errichtete M.. Seelsorgen für die afrikanischen (1908) und mexikanischen Amerikaner (1929) seiner Diözese und verhinderte damit, daß wiederum Streitigkeiten innerhalb des Bistums ausbrachen. Zudem war ihm, trotz seiner Abneigung gegen die säkulare Frauenbewegung, die Stärkung der Mitarbeit der Frauen innerhalb der Diözese ein Anliegen. Er förderte die ›Marquette Women's League‹ und das ›Milwaukee Archdiocesan Council of Catholic Women‹ und befürwortete viele Laienorganisation, die er in der Diözesanorganisation zu vernetzen versuchte, in der Diözesanorganisation zu vernetzen, so etwa die ›Archdiocesan Union of the Holy Name Society‹, die ›Federation of American Catholic Societies‹ sowie ›Western Catholic Summer School‹. Weiters brachte M. die ›Knights of Columbus‹ in sein Bistum und belebte die ›St. Vincent De Paul Society‹. Seinen Weitblick für die künftige Diözesanentwicklung bewies der Bischof darin, daß er vom Heiligen Stuhl früh schon Weihbischöfe - die ersten waren 1911-1913 Joseph Koudelka und 1914-†1915 Edward Kozlowski - erbat, die ihn in seinen Bemühungen unterstützen konnten. M. brachte auch fast 30 Ordensgemeinschaft dazu, in seinem Bistum Niederlassungen zu errichten. - Persönlich ging ihm der Ruf nach, ein Konservativer zu sein, der besonders gegen den Sozialismus seiner Zeit Stellung bezog. Zudem war er war einer der Gegner der Einführung der Prohibition von (aus Angst, der Messwein für die Eucharistie könnte unter das Verbot fallen) und sprach sich immer gegen den Kriegseintritt der USA 1917 aus, wenngleich er nach Kriegseintritt der USA seine Unterstützung nicht versagte. M. war ein äußerst freigiebiger, dem sozialen Handeln und der Armenfürsorge zugeneigter Priester, der als ›Archbishop of Christian Charity‹ bekannt war und der 1916 ein karitatives Diözesanbüro - großteils aus persönlichen Mitteln - stiftete und die sehr divergierenden Projekte zu seiner Zeit damit zentralisierte und stärkte: Mit diesem ›Amt‹, dem alle karitativen Tätigkeiten zugeordnet waren, verdoppelte sich die Wohlfahrt für Arme, Waisen und Kranke. Neben der Caritas legte M. auch großes Gewicht auf die Schulbildung und er forcierte die Gründung katholischer Schulen und Universitäten - unter seiner Ägide bekam das damalige Marquett College Universitätsstatus. Bleibendes Verdienst M.s ist die unter ihm initierte und stark geförderte Gründung und Verbreitung des ›Catholic Herald‹ (1922) als diözesane Zeitung, die bis heute existiert.
Werke: Handbook for Catholic Parishioners. Herder 1907. Outlines of Bible knowledge. Herder 1927.
Lit.: B. J. Blied, Three archbishops of Milwaukee: Michael Heiss (1818-1890) Frederick Katzer (1844-1903) Sebastian Messmer (1847-1930). Milwaukee 1955; - Who's Who in America 16 (1930); - Th. Borun, We, the Milwaukee Poles.Milwaukee 1946; - A. J. Kuznewski, Faith and Fatherland. Notre Dame 1980; - W. Kruszka, A History of Poles in America to 1908. Washington DC 2001.