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Band V (1993)Spalten 1486-1488 Autor: Manfred Heim

MICHAUD, Eugène Philibert, französischer Geistlicher, altkatholischer Theologe, 1876-1915 Professor an der christkatholischen, seit 1889 auch an der philosophischen Fakultät in Bern, * 13.3. 1839 in Pouilly-sur-Saône (Burgund), + 3.12. 1917 in Bern. - M., erstes von zwei Kindern des Forstbeamten Claude-Henry Michaud und seiner Frau Anne-Marie, geb. Mahet, trat nach dem Studium am Priesterseminar in Dijon 1861 bei den Dominikanern von Flavigny-sur-Ozerain ein. Vor Ablegung der ewigen Gelübde verließ er drei Jahre später den Konvent aus Enttäuschung über die veränderte geistige Entwicklung innerhalb des Ordens nach dem Tod des berühmten und besonders die Jugend begeisternden Dominikaners und Kanzelredners Lacordaire 1861 (»Delacordairisation«). M. stellte sich dem Erzbischof von Paris, Georges Darboy, als Weltgeistlicher zur Verfügung und übernahm eine Vikariatsstelle in der französischen Hauptstadt. Der junge Priester erfuhr lebhafte Förderung durch Darboy und Generalvikar Guillaume-Réné Meignan (seit 1864 Bischof von Châlons-sur-Marne), der zusammen mit Abbé François Martin de Noirlieu den Kontakt M.s zu Ignaz Döllinger in München herstellte. Bei diesem reichte M. auf Empfehlung Darboys und Meignans seine Arbeit über Wilhelm von Champeaux und die Schulen von Paris im 12. Jahrhundert ein und wurde 1867 »in absentia« zum Dr. theol. promoviert. M., der sich zunehmend wissenschaftlichen Fragen zuwandte und als Journalist wie Prediger auf sich aufmerksam machte, fand Zugang zu Vertretern des authentischen liberalen französischen Katholizismus. In einem offenen Brief an den Nachfolger Darboys - dieser wurde am 24.5.1871 von der Pariser Commune erschossen - auf den erzbischöfl. Stuhl von Paris, Guibert, bezeichnete M. die Infallibilität als Verrat am wahren Katholizismus und brach am 5.2. 1872 mit der römisch-katholischen Kirche: Unter diesem Datum reichte er seine Demission als Vikar an der Madeleinekirche ein, kurz darauf erfolgte seine Exkommunikation. Mit zum Teil scharfer antirömischer Polemik bestritt M. die Unauflöslichkeit der Ehe und erhob die Forderung nach Abschaffung der Beichte und nach Einführung der Kommunion unter beiderlei Gestalt, wobei er den Empfang des Sakramentes unter einer Gestalt ausdrücklich ablehnte. 1876 wurde er Professor für Dogmatik und Kirchengeschichte in französischer Sprache an der zwei Jahre zuvor gegründeten christkatholischen Fakultät der Universität Bern, im gleichen Jahr vom altkatholischen Bischof der Schweiz Eduard Herzog zum Generalvikar für die romanische Schweiz ernannt (bis 1878). 1880 wurde M. dank seiner Verbindung zu General Alexander Kiréeff, dem Sekretär der Gesellschaft der Freunde geistlicher Aufklärung in St. Petersburg - mit ihm unterhielt M. von 1872 bis zu dessen Tod 1910 einen regen Briefwechsel -, Korrespondent des russischen Erziehungsministeriums. 1889 erfolgte die Berufung zum ordentlichen Professor für französische Literatur und Sprache an der philosophischen Fakultät in Bern, unter Beibehaltung seiner Professur an der dortigen christkatholisch-theologischen Fakultät. 1893 übernahm M. die Leitung der Revue Internationale de Théologie, die er bis 1910 innehatte.

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Werke: Guillaume de Champeaux et les écoles de Paris au XIIe siècle, d'après les documents inédits, 1867; L'esprit et la lettre dans la morale religieuse, 2 Bde., 1869/70; Guignol et la révolution dans l'Eglise romaine, 1872; Plutôt la mort que le déshonneur, 1872; Comment l'Eglise romaine n'est plus une Eglise catholique, 1872; Les faux libéraux de l'Eglise romaine, 1872; Programme de réforme de l'Eglise d'occident, 1872; De la falsification des catéchismes français et des manuels de théologie par le parti romaniste de 1670 à 1868, 1872; La papauté antichrétienne, 1873; Le mouvement contemporain des églises, 1874; De l'état présent de l'Eglise catholique romaine en France, 1875; Catéchisme catholique, 1876; Discussion sur les sept conciles oecuméniques, étudiés au point de vue historique libéral, 1878; Louis XIV et Innocent XI, d'après les correspondances diplomatiques inédites du ministère des Affaires Etrangères de France, 4 Bde., 1882/83; La politique de compromis avec Rome en 1689. Le Pape Alexandre VIII et le duc de Chaulnes, d'après des correspondances diplomatiques inédites, 1888; Lettres inédites de Doellinger adressées à M. le prof. M. du 1er août 1867 au 30 sept. 1874, in: RITh, 1899, 233-255; Les enseignements essentiels du Christ, 1907; Méditations de philosophie religieuse, Bd. 1: L'ascension vers Dieu, 1912; Bd. 2: Dieu dans l'univers, 1912; La vie en Dieu, 1913. - Hrsg. der RITh von 1893 bis 1910.

Lit.: Olga Novikoff, Le Général Alexandre Kiréeff et son dévouement à l'ancien-catholicisme, 1911; - Dies., Quelques lettres du Général Alexandre Kiréeff au prof. M. sur l'ancien-catholicisme, 1913; - Alfons Chrétien, Prof. E.M., in: IKZ 26, 1928, 1-27; - Victor Conzemius, Aspects ecclésiologiques de l'évolution de Döllinger et du Vieux-catholicisme, in: RevSR 34, 1960, 247-279; - Raoul Dederen, Un réformateur catholique au XIXe siècle. E.M. (1839-1917). Vieux-catholicisme - Oecuménisme, Diss. Genf, 1963 (QQ., Lit.); - Victor Conzemius, E.M., Ein katholischer Reformator des 19. Jahrhunderts? Zu einer M.-Biographie, in: ZSKG 58, 1964, 177-204 [= zugleich Rez. zu Dederen]; - Ders., E.M.s Briefe an Ignaz v. Döllinger, in: ebd. 309-356; - Urs Küry, Die altkatholische Kirche. Ihre Geschichte, ihre Lehre, ihr Anliegen (Die Kirchen der Welt III), 19823; - Herwig Aldenhoven, Eduard Herzog (1841-1924), Eugène Michaud (1839-1917) und Arnold Gilg (1887-1967), in: Gegen die Gottvergessenheit. Schweizer Theologen im 19. und 20. Jahrhundert, hrsg. v. Stephan Leimgruber u. Max Schoch, 1990, 501-516, 506-512; - DThC IX, 506-629; - RGG IV3, 936.

Manfred Heim

Letzte Änderung: 09.04.2011