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Band XXII (2003) Spalten 843-852 Autor: Ronny Baier

MORTON, John; englischer Prälat und Staatsmann; während der Regentschaft von König Heinrich VII. der mächtigste Mann im Staate; Bischof von Ely (1479-1486), dann Erzbischof von Canterbury (1486-1500), Lordkanzler (seit 1487) und Kardinal (ab 1493); * um 1420 wahrscheinlich in Bere Regis oder Milborne St. Andrew, Dorsetshire, England; † 15. September 1500 in Knowle, Kent. - John Morton war der älteste von fünf Söhnen von Richard Morton und seiner Frau Elizabeth. Seine schulische Erziehung erhielt der junge John in der Benediktinerabtei von Cerne. Von dort wechselte er ans Balliol College nach Oxford. Er studierte beide Rechte und Theologie und erhielt die Priesterweihe. 1446 erscheint sein Name unter den Vize-Kanzlern der Universität Oxford. Nachdem er seinen Doktor in Kirchenrecht erworben hatte, zog Morton nach London, wo er als Anwalt am erzbischöflichen Court of Arches tätig war (der Name kommt von seiner Lage neben der Kirche St. Mary-le-Bow oder auch St. Mary of the Arches genannt. Die Kirche war auf Pfeilern, Arches, im sumpfigen Grund an der Themse errichtet worden). Sein Protegé Kardinal Thomas Bouchier begünstigte den jungen John Morton, wo er konnte und brachte ihn in Kontakt mit einflußreichen Kreisen. Auf Bouchiers Vorschlag wurde er Kanzler des Herzogtums Cornwall. Morton wurde ab diesem Zeitpunkt zu einem regelrechten Sammler von Ämtern und Pfründen. 1450 wird er Subdekan in Lincoln, 1453 Prinzipal des Peckwater Inn in Oxford (an seiner Stelle steht heute das Peckwater Quad des Christ Church College) und 1458 Dompräbendar in Salisbury und Lincoln. - Während der Rosenkriege zwischen den Häusern Lancaster und York stand Morton zumeist auf der Seite Lancasters. Das Übel dieses aufreibenden Bürgerkrieges begann damit, daß König Edward III. neben seinem ältesten Sohn, Edward (der schwarze Prinz genannt) für seine andern vier Söhne eigene Herzogtümer einrichtete (Clarence, Lancaster, York, Gloucester). Im Laufe der Zeit verbanden sich die Erben dieser Herzogtümer durch Einheirat mit anderen einflußreichen Familien des Landes, die bald so mächtig und selbstherrlich auftraten, daß selbst die Krone machtlos war. Es begann die Zeit der Magnatenanarchie. Im Machtgeflecht bildeten sich dann um die beiden mächtigsten Familien (Lancaster und York) politische Lager, die um die Vormacht im Land stritten. Die Auseinandersetzungen erreichten 1453 einen ersten Höhepunkt, als bei König Heinrich VI. aus dem Haus Lancaster der Wahnsinn ausbrach und er in völlige Lethargie verfiel. Herzog Richard von York machte sich sofort zum Protektor und regierte mit eiserner Hand. Die plötzliche Genesung Heinrichs beendete jedoch Richard von Yorks kurzes Protektorat. Die Gegner Yorks sammelten sich um den König und es blieb Richard nur die Möglichkeit zu fliehen oder zu kämpfen. Im Mai 1455 trafen die Heere Richards und Heinrichs bei St. Albans aufeinander, der Kampf endete mehr oder weniger unentschieden. Doch vier Jahre später brach der Krieg der beiden königlichen Linien wieder aus. König Heinrich wurde im Juli 1460 bei Northampton gefangengenommen. Er behielt zwar seine Krone, mußte jedoch die Regierung an Richard von York abtreten und diesen zu seinem Nachfolger bestimmen. Die Königin, Margarethe von Anjou, wollte jedoch ihrem kleinen Sohn Edward die Krone retten und sammelte 1460 in den Lancaster-Ländern Nordenglands Truppen. Diese schlugen das Heer Richards am 29. Dezember 1460 in der Schlacht bei Wakefield. In dieser Schlacht verlor Richard von York sein Leben. Sein Bundesgenosse, der Earl of Warwick, wurde zurückgeschlagen. Damit schien das Haus Lancaster gerettet. Aber der Sohn Richards, Edward Herzog von York, sammelte in Wales ein neues Heer der Yorkisten, vereinigte sich mit dem Earl of Warwick und traf am 29. März 1461 in der Schlacht von Towton auf die Truppen des Hauses Lancaster. John Morton war in dieser entscheidenden Schlacht auf Seiten Lancasters zugegen. Das Haus Lancaster wurde geschlagen, viele der mit ihm verbundenen Adligen fanden in Towton den Tod. John Morton, dem man seine bevorstehende Gefangennahme mitteilte, floh wie auch Heinrich, dessen Frau Margarethe und ihr achtjähriger Sohn Edward nach Schottland. Morton segelte von dort direkt nach Flandern und sollte England für die nächsten zehn Jahre nicht wiedersehen. In England galt er als Verräter und wurde als solcher in Abwesenheit verurteilt. Damit verlor er alle Titel, Ämter und Pfründe. Edward Herzog von York, wurde unterdessen am 29. Juni 1461 Jahres in Westminster zum König Edward IV. gekrönt. Margarethe von Anjou sammelte im Norden Englands ein weiteres Mal die Anhänger des Hauses Lancaster und schickte 1464 ihren hörigen Gatten erneut in die Schlacht. Doch er wurde gefangengenommen und in den Tower nach London verbracht, wo er in wachsender Umnachtung dahindämmerte. Margarethe von Anjou ging daraufhin ins Exil nach Flandern und Frankreich. Dort traf sie John Morton wieder, der fortan den Kontakt zu ihr hielt. - In England beanspruchte inzwischen Richard Neville, der Earl of Warwick, der engste Bundesgenosse von König Edward IV. und ein Vorkämpfer der Sache von York die erste Rolle in der Politik. Er wollte den jungen König mit einer französischen Prinzessin vermählen, doch dieser heiratete heimlich Elizabeth Woodville und ließ deren familiären Anhang an den Hof kommen. Den Rat der großen Magnaten des Landes mißachtete Edward immer mehr, woraufhin der gekränkte Warwick 1469 Edward überraschend gefangennahm. Damit waren sowohl Edward IV. als auch der entmachtete Heinrich VI. in seiner Gewalt. Diese Tatsache brachte Warwick seinen Spitznamen "The Kingmaker" ein. Warwick wollte Edward dazu zwingen, die Woodvilles vom Hof zu verbannen und sich auf den Rat der Hochgeborenen zu stützen. Er unterstrich seine Forderung mit der Exekution des Vaters und des Bruders von König Edwards Frau. Nach einem halbherzigen Versprechen erhob Edward im März Anklage gegen Warwick wegen Hochverrates. Warwick floh daraufhin nach Frankreich. Hier nahm er auf maßgebliche Vermittlung von John Morton Partei für die Lancaster Königin Margarethe von Anjou. Er verlobte sogar seine Tochter Anne mit Margarethes Sohn Edward. Mit französischer Unterstützung landete Warwick am 13. September 1470 mit John Morton im Gefolge in England und rief am 3. Oktober Heinrich VI. wieder zum rechtmäßigen König des Landes aus. Edward trat seinen Gegnern mit Heeresmacht entgegen, mußte jedoch noch bevor es zum Kampf kam, erleben, wie seine Magnaten zum Feind überliefen. Edward IV. floh nach Burgund, das auf der Seite Yorks stand. Heinrich VI. kam am 3. Oktober aus dem Tower frei und regierte noch einmal für wenige Monate. Am 11. April landete Edward IV. in Yorkshire und zog mit einer von Burgund und der Hanse bezahlten Armee nach Süden, wo er nördlich von London in der Schlacht bei Barnet die Truppen Warwicks besiegte. Warwick selbst wurde nach verlorener Schlacht auf der Flucht gefangengenommen und hingerichtet. John Morton eilte gleich nach der Schlacht nach Weymouth, um Königin Margarethe und ihren Sohn in Empfang zu nehmen, die hier erwartet wurden. Morton brachte die beiden zunächst in die Abtei von Cerne, wo er seine frühe Schulbildung erhalten hatte und dann in die Abtei von Beaulieu. Dort blieben sie, während am 4. Mai 1471 in Tewkesbury das letzte Aufgebot des Hauses Lancaster vernichtend geschlagen wurde. Margarethe mußte mit dieser Niederlage all ihre Hoffnungen begraben. Ihr Sohn Edward wurde ermordet und ihr Mann - nun geistig völlig verwirrt - wurde in den Tower gebracht, wo er am 21. Mai 1471 verstorben ist. Es wird wohl nie letztlich zu klären sein, ob er ermordet wurde oder einfach gebrochenen Herzens starb. Margarethe von Anjou wurde von ihrem Vater freigekauft und kehrte nach Frankreich zurück, wo sie am 25. August 1482 verstarb. - John Morton wollte jedenfalls nicht noch einmal ins Exil und suchte die Aussöhnung mit dem Hause York. König Edward IV. achtete den ehrbaren und vertrauenswürdigen Kirchenmann und Juristen. Er hob das gegen Morton 1461 gefällte Urteil auf und ernannte ihn 1472 zum "Master of the Rolls" (Präsident des Berufungsgerichts). Schon wenig später erhielt Morton vom König die Einkünfte der Erzdiakonate von Winchester und Chester zugesprochen. Wie groß das Vertrauen König Edwards IV. in Morton war, zeigt die Mission, die er ihm 1474 anvertraute. John Morton reiste auf den Kontinent, um den habsburgischen Kaiser und den König von Ungarn für eine Allianz gegen König Ludwig XI. von Frankreich zu gewinnen. Nur ein Jahr später finden wir Morton in Picquigny wieder, wo er einer der Chefunterhändler für den Friedensvertrag mit Ludwig XI. war. Denn kaum hatte der Krieg begonnen, machte der französische König auch schon ein Friedensangebot. Er verzichtete ein für allemal auf die englischen Thronansprüche und sprach König Edward eine beträchtliche Geldzahlung und Jahrespension zu. Für seine diplomatischen Dienste erhielt Morton ebenfalls eine stolze Jahrespension von zweitausend Pfund. 1478 wird er Bischof von Ely. Er gab seinen Posten am Berufungsgericht auf und widmete sich ganz seinen geistlichen Aufgaben als Hirte des Bistums. Er wurde zum Tutor Edwards, des Prinzen von Wales bestellt. In seinem Haus in London fanden Vorlesungen und gelehrte Gespräche mit begabten Studenten und Lehrern statt, was ihn als einen Freund der Bildung und der Gelehrsamkeit auszeichnet. Auch seine Verbindungen zu Oxford erneuerte Morton. Alles entwickelte sich zum besten, bis König Edward IV. 1483 plötzlich starb und der so lang entbehrte und eben wachsende Friede im Land wiederum gefährdet wurde. - Als Edward IV. starb, trat in England dessen Bruder Richard von Gloucester auf den Plan. Dieser hatte noch die lange Zeit der Kindschaft Heinrichs VI. vor Augen und das Machtvakuum, das damals von Adelsclans ausgefüllt wurde und letztlich zu den Rosenkriegen führte. Er schickte daher Edward, den Prinzen von Wales (1470-1483), und dessen Bruder Richard (1472-1483) in den Tower, wo sie ermordet wurden. Morton befand sich als treuer Anhänger Edwards und seines Thronerben in einer gefährlichen Lage. Der Usurpator Richard von Gloucester ließ ihn denn auch prompt verhaften und in den Tower bringen. Im Juli 1483 krönte sich Richard selbst als Richard III. und regierte das Land mit straffer Hand. Auf eine Petition der Universität Oxford hin, ließ er Morton wieder frei und überstellte ihn der Aufsicht des Herzogs von Buckingham in Brecknock Castle. Nach der Ermordung der beiden Prinzen im Tower kamen Morton und auch Buckingham und andere Adelige mehr und mehr zu dem Schluß, daß die Hoffnung des Landes nicht in Richard III. liegen konnte, sondern in Henry Tudor, der als letzter bedeutender Sproß aus dem Haus Lancaster im französischen Exil lebte. So nahmen Buckingham und Morton Kontakt mit Reginald Bray auf, der beide wiederum mit Margaret Beaufort, der Counteß of Richmond bekannt machte, der Mutter des im Exil lebenden Henry Tudor. Es ist gut möglich, daß es John Morton war, der Margaret Beaufort den Vorschlag unterbreitete, daß ihr Sohn doch die Tochter des verstorbenen Königs Edward IV., Elizabeth von York, heiraten sollte, um so die Rosenkriege zu beenden und eine vereinigte Thronlinie zu gründen. Kurz nach dem Tod des einzigen Sohnes von Richard III. im April 1484 plante Buckingham einen Aufstand im Westen des Landes, um Henry Tudor das Signal zur Invasion von der Bretagne aus zu geben. Morton zog sich heimlich nach Ely zurück, denn er glaubte nicht an den Erfolg einer lokalen Erhebung und er sollte Recht behalten. Die Revolte wurde schnell niedergeschlagen, Buckingham verhaftet und hingerichtet. Damit kam die Invasion Henry Tudors erst einmal ins Stocken. Morton, der nun seines Lebens nicht mehr sicher war, floh nach Flandern, wo er bis nach der Schlacht von Bosworth blieb. Nur einmal reiste er nach Paris, wo er sich mit Richard Fox, dem späteren Bischof von Winchester (siehe dort) traf, um über die Zukunft Englands zu sprechen. John Morton warnte kaum daß er in Flandern war Henry Tudor davor, daß der Herzog der Bretagne ihn zu verraten und an Richard III. auszuliefern gedachte. Henry zog sich daraufhin in den Herrschaftsbereich des Königs von Frankreich zurück. Es sollte noch fast ein Jahr dauern, bis die Invasion beginnen konnte. Dann aber war es soweit. Im Sommer 1485 landete Henry Tudor bei Milford Haven in Wales und beanspruchte den Thron für das Haus Lancaster. Von dort marschierte er mit einer immer größer werdenden Armee über Shrewsbury, Stafford und Tamworth nach Bosworth in Leicestershire, wo die letzte Schlacht der Rosenkriege stattfinden sollte. Henry Tudor siegte und Richard III. fand den Tod. Damit begann die Zeit der Tudors in England. Nach der Thronbesteigung Henry Tudors als Henry VII. kehrte Morton aus dem Exil in Flandern zurück. Henry baute seine Macht nach den Erfahrungen der Rosenkriege nun zunehmend auf Kirchenmänner auf, deren Loyalität er sicher sein konnte. Noch 1485 war Morton zum "Privy Councillor" ernannt worden, am 8. Oktober 1486 wurde er bereits neuer Erzbischof von Canterbury und im März 1487 war er Lordkanzler. Von da an war Morton nach dem König der mächtigste Mann im Staat und der Kirche. Er bekämpfte moralische Vergehen und Mißstände in beiden. Er beendete klerikale Mißbräuche und setzte die Residenzpflicht für Bischöfe und Pfarrer durch. 1490 brach er zu ausgedehnten Visitationen in die Diözesen Lichfield, Coventry, Bath und Wells, Winchester, Lincoln und Exeter auf. Er setzte sich in Rom stark für die Heiligsprechung von König Heinrich VI. ein, welche ihm jedoch nicht gelang. Dafür durfte er aber die Heiligsprechung von einem seiner Amtsvorgänger erleben, nämlich die von Anselm von Canterbury. 1493 wird Morton von Papst Alexander VI. zum Kardinal von Sta. Anastasia ernannt. Seine damalige Position war gleichsam ein Vorgeschmack von der Machtfülle, die später Kardinal Wolsey innehaben sollte: Morton war Haupt der englischen Kirche als deren Primas. Er war Kardinal und Legat des Heiligen Stuhles. Er war als Lordkanzler der oberste Administrator im Staat, gerade auch in Sachen Rechtssprechung. 1495 erwählte ihn die Universität Oxford zu ihrem Kanzler, um damit seinen Einsatz für Wissenschaft und Bildung zu ehren. Morton eröffnete jeweils die Parlamente und er verteidigte in glühenden Reden die Außenpolitik des Königs. Er bestimmte zudem die Finanz- und Steuerpolitik des Landes. Morton stellte sich vor die Finanzwünsche des Königs und nahm alle Anfeindungen und jede Kritik an der Finanzpolitik auf sich, um den Ruf des Königs zu wahren. Mortons Steuerpolitik war bei seinen (adeligen) Gegnern unter dem Namen "Morton´s Fork" bekannt. Er reiste gewöhnlich zu den Großen des Landes, um die Steuern für das kommende Jahr festzulegen. Diese wurden beschönigend "Benevolenzien" genannt. Wenn die Adeligen Morton einen üppigen Empfang bereiteten, wurden sie von ihm als sehr wohlhabend und für eine großzügige Zuwendung an die Krone bereit eingestuft. Erhielt er bei seinen Besuchen einen eher mageren Empfang, dann war das für Morton ein Zeichen, daß die betreffenden Adeligen und Magnaten geizten und ebenfalls genug auf der Seite hatten, um dem König eine großzügige Summe zu zahlen. Dieses Dilemma erschien wie zwei Zinken einer Gabel. Wie auch immer, die Steuer war zu zahlen und Morton war der, welcher sie "aufspießte", um sie in die königliche Scheune einzubringen. Morton war auf jeden Fall auch ein großer Bauherr. Er erneuerte den Bischofspalast in Canterbury. Daneben entstanden unter seiner Regie die bischöflichen Residenzen in Maidstone, Aldington Park, Ford und Charing. Er erneuerte auch die Brücke von Rochester und gab der Kirche von Bere Regis ihre wunderbare Holzdecke. Als Bauherr arbeitete Morton aber auch sehr zukunftsorientiert. So ließ er bspw. von Peterborough nach Guyhirne nahe Wisbech einen großen Kanal bauen, den sogenannten "Morton´s Leame", der maßgeblich zur Kultivierung der High Fen beitrug. - John Morton war ein höchst bedeutender Staatsmann in einer schweren und krisenreichen Zeit. Thomas More (siehe dort), der als Junge zwei Jahre in Mortons Haushalt erzogen und von diesem später nach Oxford geschickt wurde, beschreibt in seinem Werk "Utopia" (im ersten Buch in der sogenannten "Cardinal Morton Episode) seinen ehemaligen Herrn in treffenden und würdigen Worten. More legt sie der Gestalt des Raphael Hythlodeus in den Mund. Morton war demnach "a man not more honourable for his authority than for his prudence and virtue ... In his speech he was fine, eloquent and pithy. In the law he had profound knowledge; in wit he was incomparable; and in memory wonderful excellent. These qualities, which in him were by nature singular, he by learning and use hade made perfect. The King put much trust in his counsel: the weal public also in a manner leaned unto him." Dieser Beurteilung ist eigentlich nichts hinzuzufügen. - Literaturwissenschaftler stritten sich einmal darüber, ob Thomas More wirklich der Verfasser der "History of Richard III." ist oder, ob er nicht vielmehr ein lateinisches Original von John Morton ins Englische übersetzt hat. Beachtet man Mortons eigene Erlebnisse mit Richard III. und bedenkt man seine Gelehrsamkeit, dann mag man Morton ein solches Werk durchaus zutrauen. Aber selbst wenn es bei Thomas More als Verfasser des besagten Werkes bleibt, kann man Morton auf jeden Fall bescheinigen, daß er nicht nur ein guter Staatsmann gewesen ist, sondern auch ein weiser und gelehrter Mensch, der ganz den humanistischen Vorstellungen eines Thomas More entsprochen hat.

Lit.: William Shakespeare, King Richard III. (London 1592/93. Hier erscheint Morton in der Gestalt des Bischofs von Ely); - English chronicle of the reigns of Richard II, Henry IV, Henry V and Henry VI, hrsg. v. J. S. Davies (= Camden Society, Old Series 64), London 1856; - W.F. Hook, Lives of the Archbishops of Canterbury, 12 Bde., London, 1860-84; - J. Gairdner (Hrsg.), Letters and Papers, Richard III. and Henry VII., 2 Bde., London 1861/63; -Th. Williams, Lives of the English Cardinals, London 1868; - T. Mozley, Henry VIII, Prince Arthur and Cardinal Morton, London 1878; - R.I. Woodhouse, Life of John Morton, London 1895; - W. G. Zeeveld, A Tudor Defense of Richard III., in: PMLA 55 (1940), 946-957 (Zeeveld versucht hierin Morton als Verfasser von "The History of Richard III" zu beweisen); - Paul Murray Kendall, Richard the Third, London 1955, 2London und New York 1956 (deutsche Übersetzung von Arthur Seiffhart und Hermann Rinn, Richard III., König von England: Mythos und Wirklichkeit, München 1995); - A.B. Emden, A Biographical Register of the University of Oxford to A.D. 1500, 3 Bde., Oxford 1957-59 (zu Morton siehe Bd. 2, 1318-1320); - Derek Pitt, Henry VII., London 1966; - Erik Simons, The reign of Edward IV., London 1966; - Ders., Henry VII. The first Tudor King, London 1968; - R.S. Sylvester (Hrsg.), Thomas More, The History of Richard III, Newhaven und London 1963 (in deutscher Übersetzung hrsg. v. H. P. Heinrich, Die Geschichte König Richards III.Thomas Morus Werke 3, München 1984); - Mary Clive, This Sun of York. A biography of Edward IV., London 1973; - Neville Williams, The life and times of Henry VII. (mit einer Einführung von Antonia Fraser), London 1973; - Claire Cross, Edward IV., London 1974; - C. Harper-Bill, Archbishop John Morton and the province of Canterbury, 1486-1500, in: JEH 29 (1978), 1-21; - Ders. (Hrsg.), Register of John Morton, Archbishop of Canterbury, London 1987; - A. N. Kincaid, Sir Edward Hoby and "King Richard": Shakespeare Play or Morton Tract?, in: N&Qns 28 (1981), 124-126; - J. Mescal, Henry VI, London 1981; - C.S.L. Davies, Bishop John Morton, the Holy See, and the accession of Henry VII, in: HER 102 (1987), 2-30; - C.R.N. Routh, Who´s Who in Tudor England, 2London 1990, 14-19; - John A.F. Thomson, The Early Tudor Church & Society, 1485-1529, London und New York 1993; - Anne F. Sutton, The hours of Richard III, Gloucester 1996; - J. I. Catto und Ralph Evans, (Hrsgg.): The history of the university of Oxford, Bd. 2: Late medieval Oxford, Oxford 1992; - Alison Weir, Lancaster and York - The Wars of the Roses, London 1995; - Dict. of Cath. Biography, 829; - DNB XIII, 1048-1050; - EncBrit VIII, 343f.; - 3LThK VII, 481; - NCE IX, 905; - Eine sehr umfangreiche und detaillierte Bibliographie zu den Rosenkriegen hat Jochen Burgtorf herausgegeben. Sie ist im Internet unter http://www.uni-duesseldorf.de/ulbd/ burgtorf/biblrose.htmzu finden.

Ronny Baier

Letzte Änderung: 20.09.2003