MUHLENBERG, William Augustus, einflußreicher Priester der Protestantischen
Episkopalkirche in den Vereinigten Staaten, * 1796, † 1877.
- M. entstammte einer deutschen ev.-lutherischen Familie und wurde
in der lutherischen Kirche Amerikas getauft. Sein Großvater war Henry
(Heinrich) Melchior Mühlenberg (1711-1787), den man allgemein den
»Patriarchen der Lutherischen Kirche in Amerika« nannte und der aus
Einbeck stammte. Durch seine Erziehung war W. A. M. Episkopaler (= Anglikaner).
Seine Studien vollendete er an der Universität von Pennsylvanien im
Jahre 1815. Im Jahre 1817 wurde er Diakon und 1820 Priester der amerikanischen
Protestantischen Episkopalkirche. Durch die von ihm gegründeten Schulen
in Long Island im Staate New York erwarb er sich einen bedeutenden
Namen. Im Jahre 1846 wurde er Rector (Pfarrer) der Church of the Holy
Communion in New York City. Diese Pfarrei hatte nicht nur ihre eigenen
sozialen Einrichtungen, sie stand auch liturgisch an der Spitze einer
Bewegung, die bald in der ganzen Episkopalkirche Allgemeingut geworden
ist. So wurde in ihr das tägliche Stundengebet und die wöchentliche
Feier der heiligen Eucharistie gepflegt; auch die Feier der Karwoche
wurde in besonderer Weise begangen. Im Jahre 1850 gründete M. das
St. Luke's Hospital; für den Dienst an diesem Krankenhaus gründete
er eine Diakonissengemeinschaft, der er den Namen »Sisters of the
Holy Communion« gab. Bei einem Besuch in England lernte er Pusey,
Newman und die Oxford-Bewegung kennen, die ihn stark beeindruckten.
So entwickelte er nach seiner Rückkehr seine eigenen Ideen von einem
»Evangelischen Katholizismus« (Evangelical Catholicism). Es gelang
ihm auch, die Spannungen zwischen den beiden Richtungen innerhalb
der Episkopalkirche - »High Church« und »Broad Church« - zu mindern.
Im Jahre 1853 legte er dem »House of Bishops«, dem Leitungsorgan der
Episkopalkirche, das sog. »M. Memorial« vor, das, obwohl strittig,
letztlich doch zur Bildung einer Kommission für Kircheneinheit (Commission
on Church Unity) und zur Durchführung liturgischer Reformen führte.
Lit.: A. Ayres, Life and Work of W. A. M., New York 1894;
- C. E. Olmstead, History of Religion in the United States, Englewoods
Cliffs, N. J. 1960, 318-320; - Encyclopedic Dictionary of Religion,
Philadelphia-Washington, D. C. 1979, 2456.
Johannes Madey
Literaturergänzung:
2008
Augustus: Paul A. Baglyos, From pietism to virtue. Frederick Augustus Conrad M. in Halle and Philadelphia, in: Halle Pietism, colonial North America, and the young United States. Stuttgart 2008, S. 225-232.