NAGL, Franz Xaver: Fürsterzbischof, Kardinal, * 26.11. 1855 in Wien, † 4.2. 1913 in Wien. - Als Sohn des Portiers Leopold Nagl und seiner Ehefrau Barbara Kloiber geboren, besuchte er als Alumne der jeweiligen Knabenseminare die Gymnasien von Krems und Seitenstetten. In den Jahen 1874-1878 studierte er in St. Pölten Theologie und wurde am 14. Juli 1878 zum Priester geweiht. Zunächst wirkte er als Kooperator in Amstetten, setzte seine Studien als Alumne des Frintaneums in Wien fort und war dann Kaplan des Kollegs der Anima in Rom, um thomistische Philosophie am Thomas-Kolleg der Dominikaner zu studieren. 1883 wurde er Professor der Exegese und der thomistischen Philosophie am Priesterseminar in St. Pölten. 1885 wude er k. k. Hofkaplan in Wien. 1887 übernahm er die Aufgabe eines Spirituals am Frintaneum zu Wien und des Inspektors für den Religionsunterricht. 1889 wurde er Rektor der Anima in Rom. N. war nach den Worten von Hellmut Butterweck »zwar ein Hochbegabter, aber kein Hochbelastbarer«. Deshalb griffen ihn die verschiedenen Aufgaben als Rektor der Anima derart an, daß er sich um ein Kanonikat an St. Stephan in Wien bewarb, um in seine Heimat zurückkehren zu können. Doch der Kaiser in Wien entschied anders: Er nominierte ihn zum Bischof von Triest-Capo d'Istria, der Papst bestätigte, und so wurde N. 1902 Bischof. Das Doppelbistum war nicht leicht zu führen. Trotzdem wirkte er in diesen sieben Jahren segensreich. Er konzentrierte sein Wirken auf den Ausbau des katholischen Vereins- und Pressewesens. Das christlichsoziale Gedankengut wurde durch ihn sehr verbreitet. Eben diese seine Verbindungen zu den Christlichsozialen waren wohl die wichtigste Voraussetzung für seine Translation nach Wien. Papst Pius X. ernannte daher N. am 1. Januar 1910 zum Bischof-Koadjutor von Kardinal Gruscha in Wien. Er hatte auch das Recht der Nachfolge. Generalvikar und Weihbischof Marschall von Wien, der sehr volksverbunden war, war darüber sehr gekränkt. Er hätte angenommen, daß Rom ihm diese Aufgabe zuweisen würde. Am 18. Februar 1910 traf N. in Wien ein. Großes Augenmerk richtete N. auf die Einheit der oft zersplitterten katholischen Vereine. So gründete er 1911 als deren Dachverband den »Katholischen Volksbund« - und H. Butterweck stellt dazu fest: »So notwendig dies war - Nagl machte sich damit wenige Freunde.« Als Gruscha am 5. August 1911 starb, wurde N. sein Nachfolger. Friedrich Funder schildert N. als »würdevollen Mann mit gewinnenden Umgangsformen«. Die Christlichsozialen hatten nun freien Zugang zum erzbischöflichen Palais. N. beschäftigte sich auch mit der Seelsorge der Großstadt Wien. Die theoretischen Grundlagen dafür holte er sich beim Wiener Pastoraltheologen Heinrich Swoboda. N. legte auch großen Wert auf Priesterkongregationen. Auch baute er ein neues Priesterseminar. Am 27. November 1911 wurde N. Kardinal. - Den Höhepunkt seines Wirkens bildete sicher der 23. Eucharistische Weltkongreß in Wien und dessen Vorbereitung. Er fand vom 12.-15. September 1912 in Wien statt. Er gestaltete sich »zu einer großen Manifestation des österreichischen Katholizismus.« (Gerhard Hartmann). Von einer Romreise nach Wien zurückgekehrt, erkrankte N. im Dezember 1912 schwer und verstarb bald im Februar 1913.
Werke: Urkundliches zur Geschichte der Anima in Rom (RQ.S 12), Rom 1899.
Lit.: E. Gatz (Hrsg.): Die Bischöfe der deutschsprachigen Länder 1785/1803-1945: Nagl, Franz Xaver (Gerhard Hartmann), 526-528; - J. Wodka: Kirche in Österreich - Wegweiser durch ihre Geschichte, Wien 1959, 353, 359, 369; - H. Butterweck: Österreichs Kardinäle - Von Anton Gruscha bis Christoph Schönborn, Wien 2000, 61-70.