NAUMANN, Gottfried, Religionslehrer, evangelisch-lutherischer Pfarrer, Universitätstheologe; * 26. Juni 1876 in Frankfurt am Main; † 14. November 1921 in Oedenwald im Schwarzwald. N. wächst als Sohn eines Kaufmanns bis zur Konfirmation in seiner Vaterstadt auf. 1891 siedelt die Familie nach Dresden über. Dort besucht er die Kreuzschule und besteht 1895 sein Abitur als "Primus omnium". In Leipzig studiert N. Theologie und legt 1898 das Erste Theologische Examen ab. Seine wichtigsten Lehrer sind Georg Heinrici, Hermann Guthe, Theodor Brieger, Otto Kirn und Albert Hauck. Anschließend arbeitet N. kurzzeitig als Hauslehrer bei dem Leipziger Fabrikbesitzer Otto Weickert, dessen jüngste Tochter er 1904 heiratet. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor. - 1900 besteht N. das Zweite Theologische Examen und wird 1901 von der Leipziger Theologischen Fakultät aufgrund einer Arbeit über die "Die Wertschätzung des Wunders im Neuen Testament" zum Lizentiaten der Theologie ernannt. Von 1899 bis 1904 ist er Religionslehrer am Leipziger König-Albert-Gymnasium, wo er "den damals keineswegs allgemein gültigen Grundsatz" lebt, "daß die Stellung des Schülers zum Lehrer nicht nur die der Autorität, sondern vor allem die der Freundschaft und des Vertrauens sein soll." (Freiesleben: Erinnerungen an Gottfried Naumann, in: Sächsische evangelisch-soziale Blätter, Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 20 (1929), 31-33). - Nach einer Kindheit und Jugend im besitz- und bildungsbürgerlichen Milieu wird N. Ostern 1904 als Diakon in der Kirchgemeinde Anger-Crottendorf im Leipziger Osten eingeführt, deren proletarischen Charakter sein Amtsvorgänger Bruno Oswald Markgraf in einer zweiteiligen religiös-volkskundlichen Studie anschaulich beschrieben hat (Traugott Kühn: Skizzen aus dem sittlichen und kirchlichen Leben einer Vorstadt, Göttingen 1902/04). 1905 zum Vorsitzenden der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung gewählt sucht N. den Kontakt zu seinen Gemeindegliedern, die nur noch zu einem verschwindenden Prozentanteil die Gottesdienste besuchen, in öffentlichen religiösen Diskussionsabenden, die die Vereinigung regelmäßig im Arbeiterlokal "Drei Mohren" in Anger-Crottendorf veranstaltet. Diese Arbeit bringt ihm Respekt in der Gemeinde ein, wo er bei Amtsantritt jeden Sonntag Gottesdienst zu halten und "185! Konfirmanden in 5 Abteilungen und zu je 2 Stunden" zu unterrichten hat (Brief von N. an Walter Friedrich vom 7. März 1905, in: AESK B III 3a, 88). N. sucht das Denken und die Psyche der Arbeiter zu verstehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Ein wirklicher Arbeiterpastor wird der von Kant und Fries herkommende N., dem die ablehnende Haltung der Sozialdemokraten gegenüber Kirche und Christentum ein "unerträglicher Zustand für ein feineres Gewissen" ist, nie (Religiöse Diskussionen mit Sozialisten, in: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Religion und Sozialismus, Sieben Vorträge, gehalten beim 5. Weltkongress für Freies Christentum und Religiösen Fortschritt, Berlin 1910, Berlin-Schöneberg 1910, 55-62, Zit. 57). Seine Wechsel als Pfarrer in die neugegründeten bürgerlicheren Gemeinden Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig 1910 und Leipzig-Gohlis-Nord 1913 sind Wechsel in "bessere" Stellen, lassen sich aber auch mit einer stärkeren Rückwendung zum Bürgertum erklären. 1912 tritt ihm in der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung Johannes Herz als stellvertretender geschäftsführender Vorsitzender zur Seite. Herz wird 1915 auch sein Amtsnachfolger in der Versöhnungskirchgemeinde Gohlis-Nord, im gleichen Jahr auch Nachfolger im Vorsitz der Vereinigung. N. bleibt aber bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender. - Für diese raschen Wechsel gibt es jedoch noch weitere Gründe. Mit der Reflexion seiner Arbeit mit sozialdemokratischen Arbeitern und seiner Mitarbeit am kulturprotestantischen Lexikon "Religion in Geschichte und Gesellschaft", für das er 11 grundlegende thematische Artikel mit insgesamt 84 Spalten schrieb, hatte er sich als praktischer Theologe und Ethiker profiliert. Wäre es nach dem Landeskonsistorium und der Theologischen Fakultät gegangen, so hätte er 1912 die Nachfolge von Georg Rietschel als Professor für Praktische Theologie in Leipzig angetreten. Der sächsische Kultusminister Heinrich Beck verhinderte aber die Berufung, da er Vorbehalte gegen N. wegen dessen evangelisch-sozialen Engagements und seines Eintretens für eine moderate Reform des Religionsunterrichtes hatte. Der Vorgang sorgte für eine heftige Auseinandersetzung zwischen Liberalen und Konservativen. Dieser wurde vor allem in den sächsischen Kirchenzeitungen ausgetragen, aber auch die Christliche Welt und die Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung nahmen Notiz davon. - Das Landeskonsistorium beruft ihn daraufhin auf die Pfarrstelle der Versöhnungskirchgemeinde in Gohlis-Nord. Noch 1914 aber erhält N. als Nachfolger von Julius Smend einen Ruf als ordentlicher Professor für Praktische Theologie an die Kaiser-Wilhelm-Universität in Straßburg. 1915 ernennt ihn die Leipziger Theologische Fakultät zum D. theol. In die Freude des Neuen Sächsischen Kirchenblatts über die "Berufung", die "einiges Aufsehen erregen wird", mischt sich die Trauer darüber, daß für eine "so tüchtige Kraft ... in Sachsen kein Raum" war (Neues Sächsisches Kirchenblatt 6 (1915), 87). Der beginnende Krieg verhindert jedoch eine ruhige akademische Arbeit. Neben seiner universitären Tätigkeit wirkt N. als Lazarettpfarrer der Straßburger Festung. Er hält Gottesdienste, betreibt Einzelseelsorge, lädt aber auch wöchentlich zu Diskussionsabenden über religiöse Fragen ein, zu denen - "wer außer dem Bette ist" - meist kommt. 1917 geht es um die "alttestamentlichen Propheten", "Jesus" und "Luthers Leben", 1918 u.a. um "Gott und Krieg", "Jesus und der Krieg", "Politik und Moral", "Arbeiterschaft und Kirche", "das Evangelium und der einzelne Soldat", "der Mann und seine Gemeinde" (Evangelisch-soziale Arbeit im Lazarett, in: Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 2 (1918), 19-21). - Am Kriegsende muß N. mit seiner Familie aus Straßburg fliehen und kehrt nach Leipzig zurück. Hier lehrt er gastweise an der Universität und wird 1919 nach der Emeritierung von Max Moritz Ahner Pfarrer an der Johanniskirche. Demokratie, Volkskirche, Versöhnung, soziale Erziehung der Jugend und die Neulandbewegung sind Themen seiner letzten Lebensjahre. Letztere kann durch sein Wirken in Leipzig überhaupt erst richtig Fuß fassen. Unter dem Titel "Sozialismus und Religion in Deutschland, Bericht und Kritik," veröffentlicht er 1921 eine Sammlung von Volkshochschulvorlesungen; für Georg Liebster sind sie "theoretisch das Beste, was über unser Problem geschrieben ist" (Georg Liebster: Gottfried Naumann, in: Die Christliche Welt 32 (1922), 595-601). Zudem initiiert er in Leipzig eine Wiederaufnahme der religiösen Diskussionen, die im Krieg zum Erliegen gekommen waren. - Erst kurze Zeit wieder in Leipzig erreicht N. aus Marburg der Ruf der Theologischen Fakultät als Nachfolger von Eduard Simons. Als Grundlage für sein Wirken soll dort ein soziales Institut eingerichtet werden. N. nimmt den Ruf an, verabschiedet sich von seiner Gemeinde und will zum Herbstsemester 1921 sein Amt in Marburg antreten. Im Frühjahr des Jahres bricht jedoch ein altes Lungenleiden wieder aus. Um zu genesen, begibt er sich nach Oedenwald im Schwarzwald. Dort stirbt er am 14. November im Alter von 45 Jahren, ohne die Lehrtätigkeit in Marburg aufgenommen zu haben. - Seine Beerdigung am 21. November 1921 auf dem Johannisfriedhof in Leipzig wird zum Großereignis. "Ein unabsehbarer Zug folgte ihm zum Friedhof" (Amtskalender für die Geistlichen der Sächsischen evang.-luth. Landeskirche 53 (1923), 106). Hatte er doch in seinem Leben im Bürgertum "einen weiten Kreis von Anhängern und Verehrern um sich" gesammelt (Georg Liebster: Gottfried Naumann, in: Die Christliche Welt 32 (1922), 595-601). - Zeitgenossen schildern N. als faszinierende Persönlichkeit. So "fesselte" er die akademische Jugend "mit der Männlichkeit seines Wesens, die stets von einer unendlichen Güte beherrscht war, an sich" (Zu Gottfried Naumanns Gedächtnis, in: Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 9 (1922), 2-4); was im Herbst 1918 sicher mit ausschlaggebend war, ihn in Eisenach zum Vorsitzenden des Bundes Deutscher Jugendvereine zu wählen. Zudem übte er "durch eine feine und stille, manchmal vielleicht etwas weiche, aber nie sentimentale Frömmigkeit auf weite Kreise der Bevölkerungsschichten, namentlich auf die Gebildeten und die Frauenwelt eine tiefgehende Wirkung aus". Aber auch in den religiösen Diskussionen mit Arbeitern war es "ganz rätselhaft ..., wie er seine Zuhörer in seinen Bann zog, wie von dem Augenblick an, wo er das Wort ergriff, die gehässigen Zwischenrufe verstummten ...". Dabei sei der "moderne" und "soziale" Mensch "bei aller Entschiedenheit seines Standpunktes keine Kämpfernatur gewesen". Sein Superintendent meinte an N's Sarg, "wenn alle modernen Theologen so wären wie er, würde es anders in dem Widerstreit der Richtungen in der Landeskirche stehen." (Freiesleben: Erinnerungen an Gottfried Naumann, in: Sächsische evangelisch-soziale Blätter, Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 20 (1929), 31-33). Die konservative AELKZ lobte im Nachruf N's Anziehungkraft auf der Kanzel und sein Verständnis für die Jugend. Für sie war er "einer der edelsten Vertreter der liberalen Theologie, ein feiner frommer Mann." (Nachruf, in: Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung 54 (1921), 757). Georg Liebster stilisierte ihn posthum zum hochbegabten "Prophet[en]" einer "religiösen Wiedervereinigung von Bürgertum und Proletariat", der allerdings zu bürgerlich war - besonders was seinen "starke[n] ethische[n] Einschlag" anging - "als daß er mit seinem Gefühl wirklich im Industriearbeitertum hätte aufgehn können". Zwar habe N. intensiv "die Seele des Arbeiters studiert; aber noch mehr zog es ihn doch hin zu den komplizierteren Seelen aus dem bürgerlichen Lager, die seiner geistigen Höhenlage entsprachen". Dabei sei es ihm nicht vergönnt gewesen, dem Bürgertum "so viel sozialen Geist einzuhauchen", als daß es sich bereit gefunden hätte, "sich seine bürgerliche Kirche nehmen [zu] lassen." (Georg Liebster: Gottfried Naumann, in: Die Christliche Welt 32 (1922), 595-601). - N's prophetischer Zorn blitzte auf, wenn er gegen die "Beteiligung mehrerer Geistlicher an einer Beerdigung" (Neues Sächsisches Kirchenblatt 14 (1908), 219) anschrieb, die man sich in Dörfern und Kleinstädten gegen Geld erkaufen konnte, und bei der Geistliche als "Statisten" mißbraucht wurden. Auch gegen "Margaretenvolksfeste" - Wohltätigkeitsveranstaltungen, bei denen man durch "Benutzung der Vergnügungslust ... hohe Geldsummen zu erlangen" suchte - zog er zu Felde: "Sich zugunsten der Armen und Kranken zu amüsieren. Das ist sicherlich human gedacht und menschlich gerechnet. Aber christlich ist es nimmermehr." (Margaretenfeste und Pastoren, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 16 (1912), 249-250). Die lakonische Seite N's zeigt die Empfehlung einer Goldschnittausgabe von "[Friedrich] Naumanns Gotteshilfe" (Neues Sächsisches Kirchenblatt 20 (1911), 316) als "Hochzeitsgeschenk ... zur Überreichung am Traualtar", dort, "wo die Traubibel noch nicht eingeführt ist", weil es "sicher ein Buch" sei, "das von den Leuten auch gelesen wird". Ähnlich trocken kommentierte er vertraulich den Verzicht Friedrich Naumanns auf Alkohol, von dem er auf einer Ausschußsitzung des Evangelisch-Sozialen Kongresses erfahren hatte: Dieser trinke statt Bier nur noch Wasser, "was im Interesse seiner Person und des Vaterlandes hocherfreulich" sei (Rundschreiben von Naumann an den Vorstand der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung vom 25.11.1908, in: AESK Leipzig-Gohlis, B III 6, 136). - Als liberaler Religionslehrer und Großstadtpfarrer war N. in verschiedenen Vereinen, Konferenzen und auf dem Feld der bürgerlichen Volksbildungsbestrebungen aktiv. Er gehörte zum Kreis der Freunde der Christlichen Welt, wurde 1905 in den vom Volkswirtschaftler Wilhelm Stieda geleiteten Ausschuß für volkstümliche Hochschulkurse - die Kurse waren der Vorläufer der Volkshochschule Leipzig - gewählt und arbeitete später als einziger Theologe im Ausschuß der "Sächsischen kirchlichen Konferenz" zur Reform des Religionsunterrichts. Im Kontext der Sittlichkeitsbewegung war er Vorsitzender des großen Leipziger Vereins zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit und engagierte sich später in der Neulandbewegung von Guida Diehl. 1919 gründete er in Leipzig einen Neulandkreis. - Seine größte Leistung neben seiner pfarramtlichen und wissenschaftlichen Arbeit war aber die Leitung der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung, deren Vorsitz er 1905 trotz seiner erst 29 Jahre übernahm. Er verstand es, starke Individualisten wie Georg Liebster, ausgesprochen liberale Theologen wie Johannes Herz und Carl Mensing und konservativere wie Gerhard Bemmann und Walter Friedrich in der Vereinigung zu halten, deren evangelisch-sozialen Kurs gegenüber dem Konsistorium zu vertreten und sie als starke Kraft im Evangelisch-Sozialen Kongreß zu etablieren. So hielt er z.B. gegenüber Liebster, der die Vereinigung vor eine Zerreißprobe stellte, indem er die Propagierung von Vaterlandsliebe durch Geistliche bekämpfte, weil christliche Ethik mit jener nichts zu schaffen habe, am positiven Einfluß der überweltlichen christlichen Ethik auf weltliche Dinge fest, ohne dabei einem Chauvinismus oder "Hurra- und Geschäftspatriotismus" das Wort zu reden. Als Liebster zu Kriegsbeginn im Vorstand erklärte, nicht um den Sieg der deutschen Waffen beten zu wollen, da man als Christ "nur um das" beten dürfe, "worum alle Gotteskinder mitbeten" können, und Vorstandsmitglieder deshalb austraten bzw. mit Austritt drohten, stellte er sich wiederum hinter diesen: "Wer die Arbeiten von Troeltsch und Harnack gelesen hat, wird sich nicht scheuen, mit Liebster Hand in Hand weiter zu gehen." (Rundschreiben von Herz an den Vorstand der SESV vom 28. September 1914, in: AESK B III 11, 153). Vorsicht und Geradlinigkeit gegenüber dem Konsistorium verband er z.B., als der - im nachhinein teilweise begründete Verdacht entstand - in der Kirchgemeinde Pesterwitz bei Dresden sei 1908 die Wahl eines Kirchvorstehers nicht bestätigt worden, weil dieser Sozialdemokrat sei. N. machte diesen Verdacht öffentlich. Als die Behörde ihn zurechtwies, erklärte er geschickt, diese habe damit bestätigt, daß "die Anhängerschaft der Sozialdemokratie kein Hindernis sogar für eine aktive Beteiligung an der Leitung einer Gemeinde" sei (Landeskonsistorium und Sozialdemokraten, in: Evangelisch-Sozial 4 (1908), 149-150). Wiederholt stellte er sich als Vorsitzender hinter Pfarrer, die im Zusammenhang mit ihrer Arbeit in der SESV disziplinarrechtlich belangt wurden, wie z.B. hinter Johannes Herz, der eine konsistoriale Verwarnung erhielt, da er auf einer Tagung den Standpunkt vertreten hatte, daß derjenige, der "den Krieg ... in gewissen Fällen für ‚christlich' hält, konsequenterweise auch eine gewaltsame Revolution unter Umständen für erlaubt ansehen" müsse (Johannes Herz: Christentum und Revolution. Gedankengang eines Vortrags in der Hauptversammlung zu Löbau am 3. Oktober, in: Evangelisch-Sozial 12 (1910), 372-375). Für den Generalsekretär des Evangelisch-Sozialen Kongresses Wilhelm Schneemelcher war N. ein verläßlicher Partner und in der Krise zwischen Kongreß und Vereinigung nach der Tagung 1910 in Chemnitz, die mit zum Rücktritt Adolf von Harnacks vom Vorsitz führte, "einer der wenigen Sachsen", die "realen Erwägungen zugänglich" seien (Brief von Wilhelm Schneemelcher an N. vom 3. Juli 1910, in: AESK B III 8, 63). Dabei widersprach N. im Kongreß deutlich Positionen, die der Programmatik der Vereinigung entgegenstanden. So setzte er im weiteren Ausschuß durch, daß auf eine Resolution zugunsten der Christlichen Gewerkschaften verzichtet wurde, da die evangelische Kirche keine Richtungsgewerkschaft bevorzugen dürfe und da andernfalls freigewerkschaftlich organisierte Arbeiter in den Diskussionsabenden der Vereinigung kein Vertrauen zu den Veranstaltern mehr aufbrächten. - Jedoch war N. für die Vereinigung nicht nur ein geschickter Vorsitzender. Sein Tod wurde von ihr auch als Verlust eines "unserer geistigen Führer" neben "Caspar Renè Gregory und Rudolf Sohm" beklagt (Worte am Sarge Gottfried Naumanns am 21. Nov. 1921, in: Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 9 (1922), 2). Diese Führerschaft erwarb er sich im Denken einer Volkskirche, das mit der Reflexion des Verhältnisses der Arbeiterschaft zu Kirche und Religion einher ging. Und sie basierte auf seinen wissenschaftlichen Artikeln im kulturprotestantischen geprägten Lexikon "Religion in Geschichte und Gesellschaft" (RGG), die nicht abgelöst von seinem Erfahrungshintergrund als Pfarrer und vor allem von seiner geistigen Arbeit in Vereinigung und Kongreß betrachtet werden sollten. 1914 war N. im Kongreß so anerkannt, daß er bei der Tagung in Nürnberg für Ernst Troeltsch ein Hauptreferat übernehmen sollte, das dann eher aus Gründen der Publikumswirksamkeit vom Vorsitzenden Otto Baumgarten referiert wurde: "Der Einfluß der sozialen Verhältnisse auf die Entwicklung der Frömmigkeit und Kirchlichkeit" (Vgl. Rundschreiben an die Vorstandsmitglieder von Johannes Herz vom 28. Januar und Brief von N. an Johannes Herz vom 11. Februar 1914, in: AESK B III 11, 5; 11). - Das Verhältnis der sozialdemokratischen Arbeiterschaft zur Kirche sah N. durch eine verzerrte Wahrnehmung gesteuert. In einer Mischung aus Lüge, Halbwahrheit und Wahrheit werde im sozialdemokratischen Milieu über die Kirche gedacht, geschrieben und geredet. Entscheidend sei die Wahrnehmung der Kirche als Teil des bekämpften politischen Systems und als Agent einer veralteten Weltanschauung. In der Kirchenaustrittsbewegung erkannte N. daher nicht nur einen Affront gegen die Kirche sondern einen Kampf gegen die Religion überhaupt. Skeptisch blieb er auch deshalb gegenüber der Idee, die Arbeiter könnten sich nach einer Trennung von Staat und Kirche eigenständigen Freikirchen zuwenden. Mehr erhoffte er sich von der inneren Reform der Volkskirche zu einer von unten aufgebauten Gemeindekirche. Für diese sollten Sozialdemokraten gleichberechtigt zur Mitarbeit gewonnen werden. Alles, was solche Mitarbeit hemmte, wie Hochzeiten und Beerdigungen verschiedener Klassen, die augenscheinlich gegen die Gleichheit aller vor Gott verstießen, sollte abgeschafft werden. Nur eine Volkskirche, die die Verbindung zur gesamten modernen Kultur halte, könne auch dem Einzelnen die sittliche Kraft des Evangeliums vermitteln. Dafür konnte N. nach Jahren als Pfarrer auch den Wert der traditionellen Kasualien für Kirchenferne hoch einschätzen, deren Vollzug in Arbeiterkreisen er als junger Pfarrer noch als rein äußerlich kritisiert hatte. N. ging es zeitlebens um ein ethisches Christentum. Häufig relativiert er äußere Erfolgsmaßstäbe, die an die eigene Arbeit gelegt werden, mit dem Hinweis, daß er aus seinem Gewissen heraus handeln müsse. Einen Hauptanknüpfungspunkt für die Evangelisation von Arbeitern sah er darin, auf den von ihnen als "ersten Sozialdemokraten" verehrten Jesus "zu lenken", "was an ethischer Kraft und religiöser Sehnsucht vorhanden ist" Denn das "in Jesus angeschaute Ideal" sei nach wie vor "wirkungskräftig" (Wie gestalten wir unsere Diskussionen erfolgreich?, in: Evangelisch-Sozial 8 (1910), 225-236). Nicht zuletzt sollte eine Verbindung von Staat und Volkskirche bestehen bleiben, damit dieser "Kulturstaat" bleiben könne: "Wahrhaft frei und zugleich ehrlich paritätisch kann nur ein (verzeihen Sie den Ausdruck) 'evangelischer Staat' sein." (Der Segen einer Volkskirche, Vortrag in der Diözesan-Versammlung von Leipzig-Land am 10. Dezember 1912, Leipzig 1913). - N.'s Artikel in der RGG verbinden gründliche Kenntnis und Durcharbeitung der Materie mit einer klaren eigenen Positionsbestimmung. Sein Artikel "Individualethik und Sozialethik" gilt Gangolf Hübinger als paradigmatisch für den kulturprotestantischen "Primat der Individualkultur" (Den Kapitalismus begreifen: unterschiedliche Leitbilder des Sozialprotestantismus um 1900, in: Klaus Tanner (Hg.): Gotteshilfe, Selbsthilfe, Staatshilfe, Bruderhilfe. Beiträge zum sozialen Protestantismus im 19. Jahrhundert. Leipzig 2000, 13-23, Zit. 23). N. verweist in den Literaturangaben zu den Artikeln abgesehen von der Ethik Johannes Gottschicks (1907) am häufigsten auf das Buch "Ethik und Kapitalismus (1904/09)" von Gottfried Traub. Wirtschaftliche Leistungen und soziale Folgelasten der modernen Entwicklungen standen ihm klar vor Augen. Gegen alle Versuche aber, die Bedeutung des Einzelnen angesichts der Moderne zum Verschwinden zu bringen oder ihn in seinem weltlichen Handeln von christlichen Maßstäben zu suspendieren, ruft er den Menschen mit seinem Gewissen in die Verantwortung: Im Blick auf Gesellschafts- und Wirtschaftsordnungen gelte: " ... wo Menschen Verhältnisse bestimmen, hat Ethik Kraft und Recht." (Art. Ethik, Doppelte, in: <+z8>1<$z10>RGG2 (1910), 672-674, Zit. 673). Gegen eine "moralfreie Realpolitik" bleibt die Einsicht: "Der Staat besteht eben aus einzelnen Menschen, die ein Gewissen haben." (Art. Politik und Moral, in: <+z8>1<$z10>RGG4 (1913), 1654-1660, Zit. 1654f.). Dieser einzelne Mensch, dessen Freiheit aus protestantischer Sicht unbedingt zu wahren ist, hat im Sinne von Luthers Freiheitsschrift für die Gemeinschaft etwas zu leisten und kann auch mit seinem Eigentum nicht völlig willkürlich umgehen. Bei aller Unsicherheit darüber, was gerade ethisch geboten ist, seien die "sittlichen Weisungen Jesu" auch heute noch der Ausgangs- und Fixpunkt christlicher Ethik, wenn man sie mit Wilhelm Hermann nicht als "neue Gesetze (wie Tolstoi), sondern als Zeugnisse der Gesinnung Jesu, der Liebe" begreift. Wer diese verinnerlicht habe, werde "auch im geschäftlichen und politischen Leben der Neuzeit, die Mittel und Wege finden, ihr treu zu bleiben, ohne sich selbst zu schaden, sicherlich aber zum Segen der Gesellschaft". (Art. Ethik, Doppelte, in: <+z8>1<$z10>RGG2 (1910), 672-674, Zit. 674). - Vorgehensweise und Ziel evangelischer Ethik bestimmt N. so: "Als Ausgangspunkt müssen überall die menschliche Natur und die eigentümlichen Gesetze des wirtschaftlichen Lebens betrachtet werden: Ideal, Ziel und Regeln sind dem Evangelium zu entnehmen, aber in freier Verwendung durch die von der Eigensucht befreite Persönlichkeit." Das Ziel, das im Interesse des Einzelnen wie der Gesellschaft liegt, "ist die wahre Gemeinschaft freier Menschen" als "Arbeits- und Geistgemeinschaft" zur Lösung der Aufgaben im "Interesse des Ganzen." Dabei darf mit Kant der Einzelne niemals nur als Mittel zum Zweck mißbraucht werden. Gegen die einseitige "Interessen-, Standes-, Klassen-, und Berufsethik, ... die im privatkapitalistischen Betrieb Zustände geschaffen haben und zu erhalten suchen, die jeder Gemeinschaftsethik spotten", sei letztere nur durch Förderung von individuellen "Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Achtung, Vertrauen, Treue und vor allem Gerechtigkeit als ewiger Maßstäbe" zu stärken (Art. Individualethik und Sozialethik, in: <+z8>1<$z10>RGG3 (1912), 484-493, Zit. 492f.). - Überzeugt ist N. von einer kulturellen Höherentwicklung der Menschheit, in der das Christentum, besonders in seiner protestantischen Gestalt, einen entscheidenden Faktor darstellt. Es lehrt jede ehrliche Berufsarbeit "als Mitarbeit an Gottes großem Werk der Emporführung der Menschheit zu seinem Reiche" verstehen (Art. Arbeit, in: <+z8>1<$z10>RGG1 (1909), 657-666, Zit. 665) und "um der Höherentwicklung der Menschheit willen auf das Reich Gottes hin" als notwendig zu erkennen (Art. Beruf, in: <+z8>1<$z10>RGG1 (1909), 1061-1070, Zit. 1067). Als sittlich am höchsten stehende Religion erzieht es zum ehrlichen Umgang mit Eigentum, "mit seiner übernationalen Richtung" zu einer "Vaterlandsliebe", welche "sittliche Verpflichtung und Verantwortungsgefühl ..., selbstlose Mitarbeit am Wohl und der Selbständigkeit der Nation" ebenso einschließt wie "offene Kritik an ihren Mißständen" und die Freude an "der Eigenart und Gütern eines anderen Volks", von dem sie "zu lernen bereit ist" (Art. Patriotismus, in: <+z8>1<$z10>RGG4 (1913), 1257-1260, Zit. 1258). Auch dafür, daß die "Kulturvölker" sich "in der Richtung auf den Frieden bewegen", ist das Christentum mitverantwortlich als "einzige Religion, aus der überhaupt ein wirksamer Protest gegen den K. aus dem Wesen ihres Glaubens hervorgehen kann" und das "auch hier an sittlich erneuernder Kraft alle anderen" überragt (Art. Krieg, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 3 (1912), 1770-1780, Zit. 1770-1772). - Dabei verkennt N. die Schattenseiten der modernen Kulturentwicklung nicht, die für ihn durch die Vernachlässigung sittlicher Pflichten entstehen: geringe Bildungschancen, Eigentums-, Arbeits- und Wohnungsverhältnisse, die "verhindern, daß Menschen zu evangelischer Frömmigkeit und Freiheit emporsteigen" und die - bei aller "Bedeutung", die Privateigentum "für die sittliche Entwicklung der Persönlichkeiten hat" - doch "gegen seine unbeschränkte Erhaltung in der heutigen Form" sprechen (Art. Eigentum, in: <+z8>1<$z10>RGG2 (1910), 249-260, Zit. 256-259). Einen Patriotismus, der zuweilen "den christlichen Glauben unter seine Herrschaft" zwingt, dort "wo sich ein christliches Volk für das auserwählte Volk hält und so denkt und handelt, als ob die anderen Völker Gottes Feinde wären." (Art. Patriotismus, in: <+z8>1<$z10>RGG4 (1913), 1257-1260, Zit. 1259). Unklarheit darüber, daß der Krieg "stets ein Uebel ist", das zwar "wie jedes Uebel in der Welt auch sein Gutes hat", insofern er "das Gute" kräftigt, "das im Frieden erzeugt wurde"; dessen Folgen jedoch stets "Verwahrlosung und Verrohung" sind (Art. Krieg, in: <+z8>1<$z10>RGG3 (1912), 1770-1780, Zit. 1778). - N. denkt in den Kategorien von "zwei Welten, Weltreich und Gottesreich". Gott ist der Herr beider Reiche. Er garantiert die Einheit der Wirklichkeit. Das "Chaos dieser Welt wird durch Gewalt und Liebe zugleich zum Kosmos geführt. Am Ende der ganzen Entwicklung sieht der Christ Einheit von höchster Macht und höchster Liebe. Bis dahin gibt es solche Einheit nur im einzelnen Menschen." Im "Weltprozeß" der sich als "Kampf ums Dasein" - was nicht Krieg heißen muß -, vollzieht, und auf den "mildernd und veredelnd ... Ergebnisse geistiger, insbesondere ethischer und religiöser Entwicklung" einwirken, soll ein Christ weder revolutionär noch reaktionär sein. Dagegen sprechen die "Achtung vor dem Gott, der in der Vergangenheit und auch am Bestehen gearbeitet hat", wie der "Glaube an den lebendigen Gott, der rastlos weiter schafft und vorwärts will." In allen Problemen gibt der Glaube dem Christen "die Kraft ... aufrecht zu bleiben in der Gewißheit, daß der göttliche Sinn in den Dingen größer ist als menschlicher Irrtum und Unverstand. Christentum erhält den Glauben an den Fortschritt." (Art. Politik und Moral, in: <+z8>1<$z10>RGG4 (1913), 1654-1660, Zit. 1658-1659).
Archivalien: Lebensläufe und Schriftwechsel aus der Zeit als Pfarrer in Leipzig-Gohlis-Nord und Leipzig St. Johannis, in: ASLW Leipzig, Schrank VIII; Schriftwechsel; Berichte und Aufzeichnungen als Vorsitzender der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung im Archiv des Evangelisch Sozialen Kongresses (AESK), Leipzig Gohlis, Bestand A und B.
Werke (chronologisch): Die Wertschätzung des Wunders im Neuen Testament, biblisch-theologische Untersuchung, Leipzig 1903; Das Vaterunser und das jüdische Achtzehnbittengebet, ein Beitrag zur Frage der Originalität des Vaterunsers, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 36 (1904), 561-566; Die neutestamentlichen Abendmahlsberichte und der Einzelkelch, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 47 (1904), 741-744; Warum ist unsere Kirche nicht volkstümlich?, in: Evangelisch-sozial 5/6, 7/8 (1905), 127-133. 135-138; Debattenrede zu: Otto Baumgarten, Kirchliche Einrichtungen, die antisozial wirken, in: Die Verhandlungen des sechzehnten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Hannover am 13. und 14. Juni 1905, Göttingen 1905, 107-108; Beachtenswerte Erfahrungen, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 2 (1905), 26-27; Die Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung im Jahre 1905, Leipzig 1906; Bericht über die Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung, in: Die Verhandlungen des siebzehnten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Jena am 5. Bis 7. Juni 1906, 109-112; Tätigkeit der Gesamtvereinigung, in: Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung: Bericht über die Zeit vom 1. Januar 1906 bis 31. März 1907, Leipzig 1907, 2-6, Zum Wahlkampf, in: Evangelisch-Sozial 1/2 (1907), 26-28; Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung: unsere Mitgliederversammlung in Meerane, in: Evangelisch-Sozial 5/6 (1907), 135-136; Eine neue evangelisch-soziale Gründung, in: Evangelisch-Sozial 5/6 (1907), 136-137; Kirche und Sozialdemokratie, in: Evangelisch-Sozial 7/8 (1907), 164-167; Bemerkungen zur Protestresolution, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 2 (1907), 24-25; Sprechsaal, die bestehende Meinungsverschiedenheit, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 4 (1907), 61-62; Sprechsaal, Kutter, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 29 (1907), 460-462; Sprechsaal, die Sächsische evang.-soziale Vereinigung und das Nationale, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 32 (1907), 509-510; Protestantismus und Kapitalismus, in: Evangelisch-Sozial 2/3 (1908), 63-67. 102-106; Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung: Mitgliederversammlung in Dresden am 24. April 1908, in: Evangelisch-Sozial 3 (1908), 106-108; Landeskonsistorium und Sozialdemokraten, in: Evangelisch-Sozial 4 (1908), 149-150, Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung: Hauptversammlung und Lehrkursus am 1. und 2. Oktober 1908 in Dresden, in: Evangelisch-Sozial 5 (1908), 196-198; Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung: von der Notwendigkeit und den Aufgaben unsrer neutralen Organisation, in: Evangelisch-Sozial 6 (1908), 236-238; Beteiligung mehrerer Geistlicher an einer Beerdigung, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 14 (1908), 219; Kirchenvorstand und Sozialdemokratie, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 16/23 (1908), 251-252. 361; Die Zwickauer Thesen, die Dresdner Resolution und - was nun?, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 50 (1908), 785-788; Art. Arbeit, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 1 (1909), 657-666; Art. Beruf, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 1 (1909), 1061-1070; Tätigkeit der Gesamt-Vereinigung, in: Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung: Bericht über die Zeit vom 1. April 1908 bis 31. März 1909, Leipzig 1909, 3-7; Erreichtes - Unerreichtes - Aufgaben., in: Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, Bericht über die Zeit vom 1. April 1908 bis 31. März 1909, Leipzig 1909, 16-18; Zum geistigen Kampf mit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, in: Evangelisch-Sozial 3 (1909), 78-81; Die Heilbronner Resolution, in: Evangelisch-Sozial 6/7 (1909), 178-180, Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, Mitglieder-Versammlung in Chemnitz am 21. April 1909, in: Evangelisch-Sozial 8 (1909), 240-241; Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, Hauptversammlung in Plauen i.V. am 26. und 27. September 1909, in: Evangelisch-Sozial 10 (1909), 311-313; Debattenrede zu: Wilhelm Schneemelcher: geistige Strömungen in der deutschen Gewerkschaftsbewegung mit Korreferat von Gottfried Traub, in: Die Verhandlungen des zwanzigsten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Heilbronn vom 1. bis 3. Juni 1909, 84-85; Debattenrede zu: Paul Drews: Die Kirche und der Arbeiterstand, in: Die Verhandlungen des zwanzigsten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Heilbronn vom 1. bis 3. Juni 1909, 147-148; Die Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, Mitgliederversammlung, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 18 (1909), 285; Waldverbote?, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 32 (1909), 506-507; Kirche, Kapitalismus und Sozialdemokratie, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 33 (1909), 513-518, auch als Separatdruck der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung, Leipzig 1909, Nachdruck in: Gerhard Bemmann (Hrsg.): Der soziale Geist der evang. Kirche der Gegenwart und die evangelisch-soziale Arbeit im Freistaat Sachsen, Herrnhut 1927, 19-27; Der Kampf um den Religionsunterricht in Sachsen, der Atheismusstreit - neue Kundgebungen zum Schulstreit, in: Monatsblätter für den Evangelischen Religionsunterricht 2 (1909), 247-255; Zur Reform des R.U. in Sachsen, in: Monatsblätter für den Evangelischen Religionsunterricht 2 (1909), 353-356.; Art. Eigentum, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 2 (1910), 249-260; Art. Ethik, Doppelte, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 2 (1910), 672-674; Art. Gemeinsinn, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 2 (1910), 1276-1277; Religiöse Diskussionen mit Sozialisten, in: Wilhelm Schneemelcher (Hrsg.): Religion und Sozialismus, Sieben Vorträge, gehalten beim 5. Weltkongress für Freies Christentum und Religiösen Fortschritt, Berlin 1910, Berlin-Schöneberg 1910, 55-62; Wie gestalten wir unsere Diskussionen erfolgreich?, in: Evangelisch-Sozial 8 (1910), 225-236; Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, 1. Hauptversammlung in Löbau 2. und 3. Oktober 1910, in: Evangelisch-Sozial 12 (1910), 371-372; Debattenrede zu: Marie Baum: Fabrikarbeit und Familienleben, in: Die Verhandlungen des einundzwanzigsten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Chemnitz vom 17. bis 19. Mai 1910, 135; Die Reformbewegung in Sachsen, der sächsische Lehrerverein und der Religionsunterricht - das Land und die Reformfrage, in: Monatsblätter für den Evangelischen Religionsunterricht 3 (1910), 119-125; Die Reformbewegung in Sachsen: 1. der rote Katechismus - 2. die Meißner Konferenz, in: Monatsblätter für den Evangelischen Religionsunterricht 3 (1910), 237-239; Die Reformbewegung in Sachsen, die Regierung - die Geistlichkeit - das Land, in: Monatsblätter für den Evangelischen Religionsunterricht 3 (1910), 307-312; J. G. Cordes, zum Kampf um die Weltanschauung, in: Evangelisch-Sozial 4 (1911), 127; Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung: Hauptversammlung in Chemnitz am 25. u. 26. April 1911, in: Evangelisch-Sozial 6 (1911), 192-193; Christentum und Politik, ein Vortrag, in: Evangelisch-Sozial 12 (1911), 354-364; Büchertisch, E. Fr. Apelt, Metaphysik, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 2 (1911), 28; Büchertisch, Naumanns Gotteshilfe, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 20 (1911), 316; Erläuterungen zur Petition der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung an die Evangelisch-lutherische Landessynode betr. das kirchliche Wahlrecht der Almosenempfänger und Steuerrückständigen, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 40 (1911), 629-634; Die Kirche, in: Die Christliche Welt 23 (1911), 550; Art. Individualethik und Sozialethik, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 3 (1912), 484-493; Art. Krieg, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 3 (1912), 1770-1780; Diskussionsabende über religiöse Fragen für die moderne Arbeiterschaft, ihre Notwendigkeit und ihre Gestaltung, in: Volksbildungsarchiv, Beiträge zur wissenschaftlichen Vertiefung der Volksbildungsbestrebungen 3 (1912), 309-318; Die Gesamtvereinigung, in: Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung: Bericht über die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. Dezember 1911, Leipzig 1912, 3-8; Bücherschau: zur Literatur über die öffentliche Diskussionstätigkeit, in: Evangelisch-Sozial 1 (1912), 32; Sächsische Evangelisch-Soziale Vereinigung, Hauptversammlung in Meißen, in: Evangelisch-Sozial 8/9 (1912), 284-286; Margaretenfeste und Pastoren, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 16 (1912), 249-250; Art. Patriotismus, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 4 (1913), 1257-1260; Art. Politik und Moral, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 4 (1913), 1654-1660; Art. Revolution und Christentum, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 4 (1913), 2282-2287; Art. Staat, in: Religion in Geschichte und Gegenwart I, Bd. 5 (1913), 860-869; Der Segen einer Volkskirche, Vortrag in der Diözesan-Versammlung von Leipzig-Land am 10. Dezember 1912, Leipzig 1913; Christentum und Sozialismus, in: Zehn Jahre Evangelisch-soziale Arbeit in Sachsen, unter Mitarbeit von Gottfried Naumann u.a. hrsg. von der Sächsischen Evangelisch-Sozialen Vereinigung, Dresden 1914, 1-8; Ansprache (Röm 8,31b), Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein?, in: Cordes, Hartung, Naumann und Rühling: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten, Predigten und Ansprachen, gehalten in Leipzig bei Ausbruch des Krieges am 2., 7. Und 9. August 1914, 3. Aufl., Leipzig 1914, 42-46; Predigt (1. Petri 5,5b-7), gehalten am 9. August nach der Einnahme von Lüttich, in: Cordes, Hartung, Naumann und Rühling: Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten, Predigten und Ansprachen, gehalten in Leipzig bei Ausbruch des Krieges am 2., 7. und 9. August 1914, 3. Aufl., Leipzig 1914, 47-53; Der Kampf hinter der Front, Predigt am 20. September 1914, 2. Timoth. 2,3: Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi, in: Findet uns groß die Zeit?, sechs Predigten und Ansprachen gehalten in Leipzig im September 1914 von Cordes, Gottfried Naumann, Richard Otto und A. Schröder, Leipzig 1914, 14-25; Debattenrede zu: Otto Baumgarten: Der Einfluß der sozialen Verhältnisse auf die Entwicklung der Frömmigkeit und Kirchlichkeit, in: Die Verhandlungen des fünfundzwanzigsten Evangelisch-sozialen Kongresses, abgehalten in Nürnberg vom 15. bis 17. April 1914, 40-41; Kirchenaustrittsversammlung, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 3 (1914), 39-41; Die 25. Tagung des Evangelisch-sozialen Kongresses in Nürnberg vom 15.-17. April 1914, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 18/19 (1914), 273-276. 289-294; Stark in Gott, zehn Predigten aus der Kriegszeit, Leipzig 1915, 2. erw. Aufl. Leipzig 1915; Furchtlosigkeit, Predigt am Neujahrstag 1915, gehalten über Lukas 12,4 ff., Leipzig 1915; Kriegserfahrungen der Kirche, Vortrag, gehalten auf der Meißner Konferenz am 8. Juni 1915, Sonderdruck aus Pastoralblätter für Predigt, Seelsorge und kirchliche Unterweisung 57 (1915), Heft 12, September, Dresden 1915; Das Heldentum Jesu, Vortrag, gehalten im Auftrag der "Evangelischen Gesellschaft in Straßburg zur Förderung der inneren Mission" am 1. Februar 1916 in der Reformierten Kirche zu Straßburg, Leipzig 1916; Die Reformatoren und der Gemeindegedanke, Vortrag, gehalten am 15. Oktober vor der Synode der reformierten Kirche in Elsaß-Lothringen über das Thema "Reformation und Gemeinde", gewidmet Otto Weickert in Leipzig zum 31. Oktober 1918 (Hefte des Deutschen Evangelischen Gemeindetages, 8), Leipzig 1918; Evangelisch-soziale Arbeit im Lazarett, in: Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 2 (1918), 19-21; Gegen den Strom in Jesu Kraft, in: Neuland 3 (1918), 92-93; Die religiöse Beeinflussung der Mädchen im Jugendverein auf psychologischer Grundlage, Lehrkurs-Vortrag, gehalten am 1. August 1918 beim Lehrgang für weibliche Jugendpflege vom Badischen Jugendbund, in Falkau beim Titisee im Ferienheim der Freiburger Ortsgruppe, Leipzig 1919 (Die Entwicklungsjahre, psychologische Studien über die Jugend zwischen 14-15; 13); Christus-Friede und Völker-Friede, Predigt über Röm 15,1-13, gehalten im akadem. Gottesdienst am 2. Advent 1917 (Friedenssonntag), in: Krieg und Frieden, 9 Predigten hrsg. von Friedrich Niebergall, Göttingen 1919, 91-100 (Göttinger Predigt-Bibliothek 15 [1919], Heft 2); Alles Fleisch ist Gras, Trost und Mahnpredigt fürs deutsche Volk in seiner tiefsten Erniedrigung, gehalten am 22. Juni 1919 in der Johanniskirche zu Leipzig, Leipzig 1919; Passionsgedanken und Auferstehungskräfte für unseres Volkes Not (Osterfreizeit in Tambach/Thür.), Tambach/Thür. 1919 (Neuland-Hefte, 5); Kirche und Demokratie; Vortrag auf der Sächsischen Kirchlichen Konferenz am 2. Oktober 1918, in: Neues Sächsisches Kirchenblatt 26 (1919), 161-168. 179-186, Separatdruck: Leipzig 1919; Die neue Kirche, in: Neuland 4 (1919), 131; Dein Volk, in: Neuland 4 (1919), 131; Der alte Gott lebt noch: drei Predigten, Dr. Wilhelm Nowack zum 70. Geburtstag in dankbarer Verehrung und Freundschaft, Leipzig 1920; Die Kirche und die neue Zeit, Vortrag im Volkskirchlichen Laienbunde zu Leipzig, Leipzig 1920; Sozialismus und Religion in Deutschland, Bericht und Kritik, Leipzig 1921; Die soziale Verpflichtung des deutschen Studenten, in: Die soziale Verpflichtung des Christentums für unsere Zeit dargestellt in Ansprachen von Männern und Frauen verschiedener Richtungen und Parteien, hrsg. von Friedrich Siegmund-Schultze, 2. Aufl., Halle 1921, 90-98; Gruß, in: Neuland 6 (1921), 148.
Lit.: Bericht von H. Broßmann über Vorträge: a) Gottfried Naumann, Bromme b) Georg Liebster, Arbeiterschaft und Kirchenaustritt, in: Evangelisch-Sozial 2 (1914), 49-56; - Nachruf, in: Allgemeine Evangelisch-Lutherische Kirchenzeitung 54 (1921), 757; - Worte am Sarge Gottfried Naumanns am 21. Nov. 1921, Zu Gottfried Naumanns Gedächtnis, Aus Gottfried Naumanns Predigten, in: Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 9 (1922), 2-4; - Margit Galette: Einheriar, ein Erinnerungsblatt an Prof. D. Gottfried Naumann, dessen 46. Geburtstag am 26. Juni war, in: Neuland 13 (1922), 101; - Georg Liebster: Gottfried Naumann, in: Die Christliche Welt 32 (1922), 595-601; - Curt Resch: Art. Naumann, Gottfried, in: Religion in Geschichte und Gegenwart II, Bd. 4 (1930), 470-471; - Amtskalender für die Geistlichen der Sächsischen evang.-luth. Landeskirche 53 (1923), 106, Bild 99; - Freiesleben: Erinnerungen an Gottfried Naumann, in: Sächsische evangelisch-soziale Blätter, Mitteilungen der Sächsischen Evangelisch-sozialen Vereinigung 20 (1929), 31-33; - Markus Hein: Gottfried Naumann (1876-1921): ein vergessener "Prophet" für eine Volkskirche, in: Gerhard Graf u.a. (Hrsg.): Vestigia pietatis, Studien zur Geschichte der Frömmigkeit in Thüringen und Sachsen, Ernst Koch gewidmet, Leipzig 2000, 211-226 (Herbergen der Christenheit, Sonderbd. 5); - Sebastian Kranich: Die Sächsische Evangelisch-soziale Vereinigung von der Gründung 1903 bis zum Beginn des I. Weltkrieges 1914: eine historisch-systematische Studie, Univ.-Diss., Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Gütersloh 2006 (Religiöse Kulturen der Moderne, 13).