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Band VI (1993)Spalten 932-934 Autor: Norbert Werner

NIKOLAUS von Verdun, Lothringischer Goldschmied und Emailmaler, * um 1130 in Verdun, + nach 1205 vermutlich in Tournai. - Künstlerisch nachweisbar zwischen 1181 und 1205, bildet sein Œuvre den Höhepunkt der Goldschmiedekunst im Rhein-Maas-Gebiet um 1200. Seine Tätigkeit als wandelnder Goldschmied erstreckt sich auf das Donau-Rhein- und Maasgebiet und den Hennegau. Seine letzte Werkstatt muß in Tournai gestanden sein, da nach den Bürgerlisten der Stadt Tournai 1217 die Aufnahme eines Glasmalers Nicolaus, »Sohn des Bürgers Nicolaus«, verzeichnet ist. - Hauptwerk ist der Altar im Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg b. Wien (sog. Klosterneuburger oder Verduner Altar), der signiert und 1181 datiert ist: [...] QVOD NICOLAVS OPVS VIRDVNENSIS FABRICAVIT. Dabei handelt es sich um das bedeutendste und besterhaltene vollständige Werk der mittelalterlichen Emailkunst, das in drei übereinander gestellten Reihen von je 15 Grubenschmelzplatten eine typologische Gegenüberstellung von Szenen des Alten und Neuen Testamentes beinhaltet. Ursprünglich als Ambo-(Kanzel)verkleidung konzipiert, wurde das Werk 1331 durch Hinzufügung von 6 weiteren Platten und durch 4 Temperagemälde der Rückseite, die zu den ältesten Beispielen der Tafelmalerei nördlich der Alpen gehören, zum Altarretabel umgestaltet. Die typologischen Szenen entsprechen einem geschichtstheologischen Aufbau, wie er dem Mittelalter allgemein bekannt war, verfügen aber jetzt über eine strenge Systematik, die die ganze Heilsgeschichte in der typologischen Dreistufigkeit darstellt: die oberste Reihe umfaßt die Szenen vor dem Gesetz durch Moses - ante legem -, die untere Reihe unter dem Gesetz - sub lege - und die mittlere Reihe die Szenen aus dem Neuen Testament - sub gratia. Auf den gleichmäßig blauen Hintergründen entfaltet sich eine reiche Farbskala mit vielfältigen Abstufungen und Übergängen. Hinzu kommt ein ausgesprochen differenzierter, klarer und fließender Linienstil, der dem Flächencharakter der Figuren eine reliefartige Struktur und damit eine bemerkenswerte Erfassung des Körperlichen gibt. In der schöpferischen Umsetzung antiker, byzantinischer, maasländischer und rheinischer Formvorstellungen wirkt N. v. V. entscheidend auf die Ausbildung der hochgotischen Plastik ein.

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Werke: Augustinerchorherrenstift Klosterneuburg b. Wien, Klosterneuburger (Verduner) Altar, 1181; Siegburg, Benediktinerabtei St. Michael, Annoschrein (Entwurf und Teile der Ausführung), um 1183; Köln, Dom, Dreikönigsschrein (Langseiten), zwischen 1181 und 1200; Tournai, Notre-Dame, Marienschrein, 1205.

Lit.: O. v. Falke, Der Dreikönigsschrein des N. v. V im Kölner Domschatz, Mönchen-Gladbach 1911; - V. O. Ludwig, Der Verduner Altar, Wien 1929; - H. Schnitzler, Der Dreikönigsschrein, Bonn 1939; - A. Weisgerber, Studien zu N. v. V., 1940; - Hans R. Hahnloser, N. de V., la Reconstruction de son Ambon de Klosterneuburg et sa Place dans l'Histoire de l'Art, in: Comptes Rendus de l'Académie des Inscriptions et Belles-Lettres, Paris 1952, 448 ff.; - Katalog der Ausstellung »Der Meister des Dreikönigsschreins, Köln 1964; - F. Röhrig, Der Verduner Altar, Wien-München 31965; - V. Geismeier, N. v. V.; - Überlieferung und Wirklichkeitserlebnis, in: Wiener Jhb. f. Kunstgeschichte, 25, Wien 1972, 29 ff.; - E. Doberer, Die ehem. Kanzelbrüstung des N. v. V. im Augustiner-Chorherren-Stift Klosterneuburg, in Zs. d Dt. Ver. f. Kstwiss., Bd. XXXI, Berlin 1977, 3 ff.; - P. C. Clausen, N. v. V. Über Antiken und Naturstudium am Dreikönigsschrein, in: Ornamenta Ecclesiae - Kunst und Künstler der Romanik, Köln 1985, Bd. 2, 447 ff.

Norbert Werner

Letzte Änderung: 09.04.2011