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Band VI (1993)Spalten 1106-1108 Autor: Josef Johannes Schmid

ODESCALCHI, Carlo, italienischer Bischof und Kurienkardinal, Jesuit, * 5.3. 1786 als zweiter Sohn des Baldassare, Principe d'Odescalchi und der Valeria Giustiniani in Rom, + 17.8. 1841 in Modena. - Schon in Jugendjahren lernte O. auf den Reisen mit seinem bedeutenden Vater Land und Leute Italiens und Europas kennen, so 1802 in Venedig Pius VII. Diese Beziehungen, seine hohe Abstammung, sowie vor allem seine tiefe Frömmigkeit bestimmten seinen weiteren Lebensweg. Nachdem er seinen erklärten Willen, Priester zu werden, verwirklicht hatte, wurde er am 31.12. 1808 geweiht. Bereits in frühen Jahren zeigten sich seine Fähigkeiten als Seelenfürer, Prediger und Exerzitienmeister. Bekanntschaften mit Vincenzo Strambi, Gasparo del Buffalo, Maddalena di Canossa und Gianmaria Mastai, dem späteren Gregor XVI., prägten den jungen Priester, vor allem der Kontakt mit Giuseppe Pignatelli SJ. Wohl schon seit der Wiederzulassung des Ordens 1814 trug sich O. mit dem Gedanken, in die Gesellschaft Jesu einzutreten, was aber am Widerstand seiner Familie scheiterte. Diese hatte ihn zur kurialen Laufbahn bestimmt, wozu er auch alle Voraussetzungen mitbrachte: 1814 wurde er päpstlicher Geheimkämmerer und Legat an Erzbischof Colloredo von Olmütz, am 24.11. 1815 Adiutor der Rota, 1819 zum zweiten Mal Päpstlicher Legat, wiederum nach Olmütz, diesmal zu Erzherzog Rudolf, um das Kardinalsbirett zu überreichen, 1820 Adiutor Seiner Heiligkeit und Canonicus von St. Peter. 1823 nahm ihn der Papst ins Kardinalskollegium als Kardinalpriester auf, am 10. März des gleichen Jahres ernannte er ihn zum Erzbischof von Ferrara. Im Hl. Jahr 1825 war er Legat des Papstes an S. Giovanni in Laterano. Wegen innerer Schwierigkeiten und einer wachsenden Berufung zum Ordensstand resignierte O. im Juli 1826 auf Ferrara, woraufhin Leo XII. ihn zum Präfekten der Kongregation für Bischöfe und Regularen ernannte. 1832 wurde er Erzpriester von S. Maria Maggiore. Ebenfalls 1832 erwählte ihn sein alter Freund Gregor XVI. zum Kardinalbischof von Sabina, zum Vizekanzler des Hl. Römischen Kirche und zum Vizegerenten und Generalvikar für die Diözese Rom. Auf dem Höhepunkt seiner geistlichen Laufbahn war er Mitglied in fast allen Kongregationen der Kurie, Kardinalpräfekt mehrer Orden und einer der aussichtsreichsten papabile für das nächste Konklave. Jedoch wurde sein Wunsch, dem Jesuitenorden beizutreten immer stärker. Im Oktober 1837 bat er den Papst um Entlassung aus allen Ämtern, was zunächst abgelehnt wurde. Sein zunehmendes Drängen, sowie seine aufopferungsvolle Hilfe für das Volk während der Choleraepidemie 1837/38 bewogen die eigens zu dieser Frage eingesetzte Kardinalskommission, der Bitte stattzugeben; und am 30.11. 1838 willigte der Papst ein. Aller Ämter ledig begann O. am 6.12. 1838 sein Noviziat und am 2.2. 1840 legte er seine Profeß in Verona als Padre Carlo ab. Nach aufreibender Predigt- und Missionstätigkeit in Norditalien starb O. bereits am 17. August 1841 in Modena im Ruche der Heiligkeit. - Heute in weiten Kreisen der Kirchengeschichte weitgehend vergessen, zählt O. zu den herausragenden klerikalen und asketischen Gestalten der ersten Hälfte des 19. Jhd.s. Neben einer umfangreichen literarischen Tätigkeit in den Jugendjahren (mit dem Vater) und dem kirchenpolitischen Wirken waren es vor allem seine Predigttätigkeit und sein caritatives Schaffen, die ihn, verbunden mit einem volksnahen Missionseifer, über seine Zeitgenossen hinaus in die Sphäre der Heiligkeit stellten. Der Seligsprechungsprozeß ist eröffnet, die beatificatio steht zu erwarten

Werke: Memorie istorico-critiche dell `Accademia de' Lincei e del principe F. Cesi, Roma 1806 (zusammen mit dem Vater). Neben zahlreichen Hirtenbriefen ist am bedeutsamsten das asketisch- spirituelle Werk: Massime sacerdotali per ciascun giorno della settimana proposte al suo clero di Sabina dal Cardinale Vescovo C.O., Roma 1834.

Lit.: Elogio funebre del p. Carlo dei principi O. recitato il 10. nov. 1841 in Faenza dal vescovo di Faenza Gian Benedetto dei Conti Folicaldi, 1841; - Alla memoria immortale dell'esimio p. C.O. principe romano, gesuita, già Cardinale della S.R.C...., Roma 1841; - Memorie edificanti della vita religiosa del servo di Dio P.C.O. della Compagnia di Gesù, raccoltate da un padre della stessa compagnia, Roma 1843: (dt.: Erbauliche Erinnerungen... von Michael Sintzel, Landshut 1844; span.: Mexico 1846); - Antonio Angelini, Storia della vita del P.C.O. della compagnia di Gesù, 1850; - Dictionnaire des Cardinaux (= Encyclopédie Théologique LI), 1854, 1281-1284; - Frederick W. Faber, The Saints and Servants of God, 21868; - Pietro Pini, Vita del servo di Dio C.O., 1935; - Gaetano Moroni (Ed.), Dizionario d'erudizione storico- ecclesiatico XLVIII (1848), 270-275; - Nuova enciclopedia Italiana XV (1883), 902 sq.; - Sommervogel I (1890), 1342 und V (1894), 1871; - Kirchenlexikon IX, 681-684; - Enciclopedia storico-nobiliare italiana IV (1937), 883; - LThK VII (1962), 1096; - Enciclopedia Ecclesiastica IX (1963), 693.

Josef Johannes Schmid

Letzte Änderung: 05.02.1999