ÖHLINGER, Eduard, katholischer Priester und Kanoniker des Kollegiatstifts Eisgarn; * 24. Januar 1942 in Weistrach (Niederösterreich), † 6. Dezember 2005 in St. Pölten (Niederösterreich). - Ö. stammte aus einfachen Verhältnissen. Er besuchte das Gymnasium im Stift Seitenstetten, wo er 1961 maturierte. Anschließend trat er in das Priesterseminar der Diözese St. Pölten ein und studierte an der dortigen Hochschule Theologie. Nach dessen Abschluß und dem Erwerb des theologischen Magistergrades wurde er am 29. Juni 1966 im Dom zu St. Pölten von Bischof Dr. Franz Žak zum Priester geweiht. Nachdem er in verschiedenen Pfarreien der Diözese St. Pölten als Kaplan und später als Provisor (Pfarradministrator) gewirkt hatte, wurde er 1980 zum Pfarrer von Mühldorf-Niederranna ernannt - ein Amt, das er über mehr als fünfundzwanzig Jahre bis zu seinem Tod innehatte. 1991 wurde ihm anläßlich seines Silbernen Priesterjubiläums der Titel "Geistlicher Rat" verliehen. Im Jahr 1997 erklärte er sich auf Bitten von Propst Mons. Ulrich Küchl bereit, zusammen mit Mons. OStR Dr. Robert Gärtner das an der Eisgarner Stiftskirche seit spätestens 1345 bestehende und über mehr als vierhundert Jahre bis auf das Amt des Propstes vakante Kollegiatkapitel zu erneuern. Mit Datum vom 16. Oktober 1997 wurde er von Bischof Prof. Dr. Kurt Krenn zum Kanoniker ernannt und am 14. Dezember desselben Jahres in sein Amt eingeführt. Ö. war ein "mutiger Prediger und begnadeter Beichtvater" (Todesanzeige). Eine "wichtige Quelle seiner tiefen Spiritualität war seine intensive Beschäftigung mit der ostkirchlichen Liturgie und Frömmigkeit" (ebd.). Er starb nach langer und schwerer Krankheit im St. Pöltener Landeskrankenhaus. Sein Leichnam wurde am 15. Dezember 2005 entsprechend seinem testamentarisch geäußerten Wunsch auf dem Friedhof der Marktgemeinde Eisgarn beigesetzt. "Das Kreuz seiner Krankheit hat er in großer Selbstverständlichkeit mit tiefem Gottvertrauen als Auftrag Gottes angenommen. Seine Treue zu Christus und seiner Kirche bewies er bis zu seinem Tod" (ebd.).
Lit.: N. N., Wiederbelebung des Kollegiatstiftes Eisgarn, in: Kirche bunt / St. Pöltener Kirchenzeitung 52 (1997), Nr. 51/52 (21. Dezember), 2; - Johann Hirnsperger, Das erneuerte Kollegiatstift Eisgarn in Niederösterreich / Ein Institut diözesanen Rechts im Dienst priesterlicher Gemeinschaft und Lebensführung, in: Hartmut Zapp / Andreas Weiß / Stefan Korta, Ius Canonicum in Oriente et Occidente / Festschrift für Carl Gerold Fürst zum 70. Geburtstag (= Adnotationes in Ius Canonicum, 25), Frankfurt am Main / Berlin / Bern / Bruxelles / New York / Oxford / Wien (Verlag Peter Lang) 2003, 525-543, 525 (Anm. 3); - Wolfgang F. Rothe, Die Erneuerung des Kollegiatkapitels Eisgarn / Rechtsgeschichtliche Darstellung und kirchenrechtliche Würdigung, in: Das Waldviertel 56 (2007), 28-52, 44-46.
Wolfgang F. Rothe
Letzte Änderung: 09.04.2011