Verlag Traugott Bautz |
![]() |
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
OPTATUS (= lat. der Erwünschte), Heiliger, Gedächtnis am 4. Juni, Bischof von Mileve in Numidien (heute Mila, nordwestl. von Constantine, Algerien), wirkte in den Jahrzehnten vor 400, wie aus Bemerkungen von Hieronymus und Augustinus entnommen werden kann. Letzterer deutet an, daß O. ursprünglich Heide war und zum katholischen Glauben konvertierte. Er schrieb um 365 ein Werk in 6 Büchern gegen die literarischen Angriffe des donatistischen Bischofs Parmenianus von Karthago. Dieses Werk, dessen ursprünglicher Titel unbekannt ist, wird heute meist: Contra Parmenianum Donatistam genannt. Davon ist allerdings nur die Neubearbeitung aus der Zeit um 385 erhalten, der ein unvollendetes 7. Buch und eine ältere Urkundensammlung zum Donatistenstreit angefügt ist; auch in der handschriftlichen Überlieferung der vorhergehenden Bücher sind Zusätze und Änderungen festzustellen. Durch versöhnliche Darstellung der Geschichte des Schismas und der aktuellen Streitfragen der Donatisten bemühte er sich, ihnen die Rückkehr zur katholischen Kirche zu erleichtern. Buch 1: Geschichte des von den Donatisten verschuldeten Schismas. Buch 2: Nur die katholische, über die ganze Welt verbreitete Kirche ist die wahre Kirche, geeint durch die cathedra Petri in Rom. Buch 3: Die Katholiken haben die staatlichen Maßregeln gegen die Donatisten nicht veranlaßt. Buch 4: Gegen die donatistische Anwendung von Jes 66,3 und Ps 140,5 auf die Katholiken und ihre Sakramente. Buch 5: Gegen die donatistische Wiedertaufe; die Sakramente sind unabhängig von ihrem Spender wirksam. Buch 6: Die Ausschreitungen der Donatisten gegen die Katholiken. Buch 7: Die traditores der Diokletianischen Verfolgung sind milde zu beurteilen. Für die historischen Ausführungen benützte er eine ältere Aktensammlung, die in einer Handschrift als Anhang überliefert ist. Insgesamt zeigt sich O. ausgesprochen romfreundlich und wähnt das Leben der Kirche sicher im römischen Imperium. Für ihn steht der christliche Kaiser unmittelbar unter Gott. O. ist als gewandt schreibender und selbständig denkender Theologe zu beurteilen. Augustinus hat ihm wesentliche Bausteine für seine Kirchen- und Sakramentenlehre entnommen. Von den 5 ihm zugeschriebenen überlieferten Predigten ist wohl nur die Weihnachtspredigt echt.
Lit.: O. R. Vassall-Phillips, The Work of St. Optatus against the Donatists, London 1917; - P. Monceaux, Hist. littéraire de l'Afrique chrétienne V, 1920, 241 ff.; - E. Altendorf, Einheit und Heiligkeit der Kirche, 1932, 153 ff.; - Pauly-Wissowa XVIII/1, 1939, 765-771; - L. Vischer, Basilius d. Gr. (Diss. Basel), 1953, 72 ff.; - S. Blomgren, Eine Echtheitsfrage bei Optatus von Mileve, Stockholm 1959; - A. C. de Veer (Echtheit des 7. Buches): RevEAug 7, 1961, 389 ff.; - DThC XI, 1077-1084; - Otto Bardenhewer, Geschichte der altkirchlichen Literatur, Bd. III, Freiburg 1912, 491-495; - LThK VII, 1962, 1180 f.; - RGG IV, 1960, 1660; - Altaner-Stuiber, 1966, 371 f.; - Lexikon der Namen und Heiligen, 1988, 624 f.
Karl Mühlek
Literaturergänzung:
1990
Bernhard Kriegbaum, Zwischen d. Synoden von Rom u. Arles. Die donatist. Supplik bei O., in: AHP 28.1990, S. 23-61; -
2000
Hans Förster, Die beiden angeblich "ältesten Zeugen" d. Weihnachtsfestes, in: ALW 42.2000, S. 29-40; -
2006
Paola Marone, L'esegesi biblica di O. di M. come veicolo della trasformazione della teologia africana, in: Aste 23.2006, S. 217-224; - Paola Marone, Alcune riflessioni sull'esegesi biblica di O., in: Augustinianum 46.2006, S. 389-410; -
2007
Paola Marone, Ottato e la revisione del testo biblico dell'"Afra", in: RivBi 55.2007, S. 335-344.
Letzte Änderung: 09.04.2011