OSBERTUS, Angelicus, (auch Osbert Pickenham) OCarm, + um 1350
London. - Geburtsjahr und -ort sind unbekannt, selbst der Eintritt
in den Orden ist nicht fixiert. O. soll in King's Lynn oder Burnham
eingetreten sein, wobei letzteres eher stimmen dürfte. Es ist unklar,
ob er den Doktorgrad in England oder gar in Paris erworben hatte.
Als Doktor der Theologie lehrte O. um 1330 in Oxford und London sehr
erfolgreich. Sein Sterbedatum wird angenommen um 1350, sicher ist
nur, daß O. im Konvent zu London verstarb. O. setzte den Intellectus
agens mit Gott gleich, aber nicht im averroistischen Sinne. Sein Versuch
Aristoteles und Augustinus zu vereinigen zeugt von Eigenständigkeit
und großer Belesenheit, denn er kannte nicht nur etliche Kirchenväter
sondern auch viele Philosophen und Theologen der Zeit mit ihren spezifischen
Ideen. Er hob die Freiheit des menschlichen Willens hervor gegenüber
dem ersten Beweger. Die Notwendigkeit der Gnade war für ihn unbestritten,
denn durch die Erbsünde habe sich der Mensch bei der Geburt einen
schlechten Habitus zugezogen. Auch hätten die Seelen der Gerechten
vor dem letzten Gericht eine unmittelbare, aber graduell niedrigere
Gottesanschauung.
Werke: Lectura Sententiarum; Determinationes seu Replicationes
theologicae. [aufbewahrt in Bologna, Ferrara, Florenz, Prag, Oxford,
Paris und Brugge]; De clara visione Dei; Postillae bibliorum; Quodlibeta.
Lit.: [Die ältere, handschriftliche Literatur ist im DThC
XI, 1629 verzeichnet].- Xiberta, 241-284; - Ders., De Osberto
Anglicano. In: Analecta ord. Carm Bd.. VI, fasc 2, 177-243; -
LThK VII 1935, 794; - LThK VII 1962, 1259-1260; - DThC XI,
1627-1629; - Stegmüller, RS I nn 613 f.
Walter Troxler
Letzte Änderung: 09.04.2011